Viele Tote bei Bombenanschlägen im Irak | Nahost | DW | 15.08.2011
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Nahost

Viele Tote bei Bombenanschlägen im Irak

Während die Welt auf Syrien und Libyen schaut, wird der Irak von neuen Bombenanschlägen erschüttert: Jetzt haben Terroristen fast ein Dutzend Orte gleichzeitig mit Bomben angegriffen. Dutzende Menschen wurden getötet.

Ausgebranntes Auto und Trümmerteile auf Straße (Foto: ap/dapd)

Bei den Anschlägen wurden mehr als sechzig Menschen getötet

Mehr als sechzig Menschen getötet, über 230 weitere verletzt - das ist die Bilanz der blutigsten Terror-Serie im Irak seit Jahresbeginn. Beim schwersten Anschlag starben am Montag (15.08.2011) allein in der Stadt Al-Kut nach Behördenangaben vierzig Menschen, fast siebzig weitere wurden verletzt.

Die Terroristen schlugen innerhalb weniger Stunden in rund einem Dutzend irakischer Städte zu. Sie ließen Autobomben und andere Sprengsätze detonieren. Einige Bomben wurden von Selbstmordattentäter gezündet. Die Anschläge richteten sich nicht gegen eine einzelne Bevölkerungsgruppe, sondern trafen sowohl Schiiten, Sunniten als auch Kurden. Ziele waren unter anderem ein Krankenhaus und eine Kirche sowie einige Polizeistationen.

Hinterhältige Taktik der Bombenleger

Zerstörtes Gebäude wird von Männern Augenschein genommen (Foto: ap/dapd)

Hinterhältiger Doppel-Anschlag in Al-Kut: 34 Menschen sterben

Die Bomben-Serie begann in der Nacht in der nördlichen Stadt Kirkuk, als dort an der syrisch-orthodoxen Sankt-Efrem-Kirche in der Innenstadt zwei Sprengladungen explodierten. Diese beschädigten die Kirche schwer. Menschen kamen dort nicht zu Schaden, wie der katholische Nachrichtendienst Asianews in Rom berichtete. Wenige Stunden später explodierte in Kirkuk ein weiterer Sprengsatz auf einem Markt. Dabei wurde ein Mensch getötet, elf weitere wurden verletzt.

Wenig später detonierte vor der Al-Batur-Geburtsklinik in der 170 Kilometer südlich von Bagdad gelegenen Stadt Al-Kut ein Sprengsatz. Als nach der Explosion Helfer und Schaulustige zusammenliefen, wurde eine zweite Bombe ferngezündet, die in einem Auto versteckt war. Sie riss nach Angaben von Ärzten 34 Menschen in den Tod, darunter auch Frauen und Kinder. Es gab zudem 68 Verletzte.

Polizisten und Soldaten getötet

In der den Schiiten heiligen Stadt Nadschaf detonierten laut einem ranghohen Polizeioffizier zwei Autobomben vor einem Polizeiposten. Bei diesem Angriff wurden sieben Menschen getötet und etwa sechzig weitere verletzt. Die meisten Opfer waren Polizisten.

In Bakuba, sechzig Kilometer nördlich von Bagdad, wurden laut einem Arzt vier Soldaten getötet, als mehrere Bewaffnete einen Kontrollpunkt attackierten. Nach Ärzte- und Behördenangaben wurden in Bakuba sowie in weiter südlich gelegenen Städten zudem bei vier Sprengstoffanschlägen ein Mensch getötet und zahlreiche Menschen verletzt. In Bakuba wurde der Gouverneurssitz evakuiert.

Im Büro der Anti-Terror-Behörde im nordirakischen Tikrit sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie rissen nach Armeeangaben drei Polizisten mit in den Tod. Sieben Menschen seien dort verletzt worden. Die Angreifer hätten Polizeiuniformen getragen und wollten nach Angaben aus Sicherheitskreisen inhaftierte Kämpfer des Terrornetzwerks Al-Kaida befreien.

Autowrack wird von zwei Männern untersucht (Foto: ap/dapd)

Nadschaf: Dort griffen Terroristen einen Polizeiposten an, töteten sieben Menschen

Reaktionen

Der irakische Parlamentspräsident Osama Al-Nudschaifi verurteilte die Anschläge und fügte hinzu: "Ich verlange, dass die Gründe für diese Angriffe bekannt werden, und wer dahintersteht." Es sei zudem nötig, die Anstrengungen zu verstärken, um solche Anschläge künftig zu verhindern.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte seinerseits die Anschlagserie und erklärte: "Das Land darf sich durch terroristische Aktionen nicht vom Kurs der demokratischen und gesellschaftlichen Stabilisierung abbringen lassen."

USA auf dem Rückzug

Die USA waren 2003 mit 130.000 Mann in den Irak einmarschiert, zeitweise befanden sich bis zu 170.000 US-Soldaten in dem Land. Seit Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama zieht sich das US-Militär nach und nach aus dem Irak zurück. Derzeit stehen noch 44.000 Mann im Zweistromland.

Autobombenanschläge und Selbstmordattentate gehören im Irak beinahe zur traurigen Routine. Fast täglich bringen Terroristen Tod und Leid über die Iraker, die von Krieg und Diktatur ohnehin zermürbt sind. Vergangenes Jahr töteten Extremisten etwa dreitausend Zivilisten. Das sind mehr zivile Opfer als bei den Revolten in Tunesien und Ägypten zusammen. Doch der Irak ist bei vielen in Vergessenheit geraten. Auf den Titelseiten der internationalen Zeitungen landen die Terroristen mit ihrem menschenverachtenden Kampf gegen politische Gegner und vermeintliche Ungläubige nur noch selten - meist nur noch dann, wenn sie wie am Montag in mehreren Städten gleichzeitig Dutzende Menschen in den Tod reißen.

Autor: Martin Schrader (afp, dpa, dapd, rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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