Verfolgte Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen | Aktuell Asien | DW | 08.05.2019
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Gotteslästerung

Verfolgte Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen

Die zum Tode verurteilte und später freigesprochene Christin Asia Bibi hat Pakistan verlassen. Sie war fast zehn Jahre in Haft und galt auch nach ihrem Freispruch als bedroht. Sie soll jetzt in Kanada sein.

Das pakistanische Außenministerium bestätigte, dass die 50-Jährige sich nicht mehr im Land befinde, wie die Tageszeitung "Dawn" berichtete. "Asia Bibi hat das Land verlassen. Sie ist frei und reist nach ihrem eigenen Willen", zitierte die Zeitung eine Stimme aus dem Ministerium. Mittlerweile sei sie in Kanada angekommen, erklärte Bibis Anwalt Saiful Malook der Deutschen-Presse-Agentur.

Dorfstreit um ein Glas Wasser

Asia Bibi war wegen angeblicher Gotteslästerung verurteilt worden. Danach war sie fast zehn Jahre in Haft. Ihr Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst. Bereits kurz nach ihrem Freispruch durch das Oberste Gericht im Oktober 2018 hatte es Gerüchte gegeben, Bibi sei nach Kanada ausgeflogen worden. Die Regierungen beider Länder bestritten dies jedoch.

Asia Bibi, in Pakistan für Blasphemie zum Tode verurteilt (picture-alliance/dpa/Governor House Handout)

Todesurteil gegen Asia Bibi: Die pakistanische Christin bei der Urteilsverkündung 2010

Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. In einem bahnbrechenden Urteil hob das Oberste Gericht Pakistans 2018 das Blasphemie-Todesurteil gegen Bibi auf und ordneten zudem ihre sofortige Freilassung an.

"Es ist eine große Erleichterung, dass Asia Bibi und ihre Familie endlich in Sicherheit sind", sagte Omar Waraich, stellvertretender Leiter für Asien bei Amnesty International gegenüber der DW. "Sie hätte nie verhaftet werden dürfen und diese Todesdrohungen durchstehen müssen."

Massive Proteste

Der Freispruch Ende 2018 führte zu tagelangen Protesten radikal-islamischer Kräfte, die das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzten. In vielen Städten zog eine wütende Meute durch die Straßen, randalierte, plünderte und griff Unbeteiligte an. Demonstranten riefen dazu auf, die verantwortlichen Richter und die Christin zu lynchen und die Regierung von Premierminister Imran Khan zu stürzen.

Pakistan Demonstration für Hinrichtung Asia Bibi (picture-alliance/AP Photo/B.K. Bangash)

Protest gegen Asia Bibi: Im Oktober 2018 forderten Demonstranten ihre Hinrichtung

Die Regierung sah sich gezwungen, die Lage zu beruhigen und versicherte, Bibi habe Pakistan nicht verlassen. Man warte eine Berufunganfrage vor dem Obersten Gericht ab, die gegen die Aufhebung des Todesurteils Einspruch einlegte. Die Berufung wurde später jedoch abgelehnt. Bibis Anwalt Malook war umgehend nach dem Freispruch ausgereist und hatte Asyl in den Niederlanden beantragt.

Harte Blasphemiegesetze

Der Fall Asia Bibi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und auch zu Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung von Bibi eingesetzt hatte.

Die islamische Republik Pakistan hat strenge Blasphemiegesetze, die die Todesstrafe vorsehen. Das Strafrecht wird international heftig kritisiert. "Der Fall Asia Bibi zeigt auf schreckliche Weise, wie gefährlich Pakistans Gesetze gegen Gotteslästerung sind und wie dringend sie erneuert werden sollten", so der stellvertretende Asien-Leiter von Amnesty, Omar Waraich.

pgr/stu (epd, dpa, afp)

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