US-Pipeline nimmt nach Hackerangriff Betrieb wieder auf | Aktuell Amerika | DW | 13.05.2021
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Cyber-Verbrechen

US-Pipeline nimmt nach Hackerangriff Betrieb wieder auf

Nach dem Cyberangriff auf die größte Pipeline der USA waren die Rohöl- und Benzinpreise gestiegen. Nun fährt der Betreiber Colonial die Anlagen wieder hoch. Zugleich sickern Meldungen über hohe Lösegeldzahlungen durch.

Tank der Colonia-Pipeline in Baltimore, Maryland

Tank der Colonia-Pipeline in Baltimore, Maryland

Die größte Sprit-Pipeline der USA nimmt nach dem folgenschweren Hackerangriff den Betrieb langsam wieder auf. Es werde aber noch einige Tage dauern, bis die Versorgung über das knapp 9000 Kilometer lange Röhren-Netzwerk wieder normal laufe, teilte die Betreibergesellschaft Colonial mit. Durch die Leitungen fließt normalerweise fast die Hälfte aller an der amerikanischen Ostküste verbrauchten Kraftstoffe an Benzin, Diesel und Kerosin.

Das Unternehmen hatte in der vergangenen Woche bestimmte Systeme nach der Cyberattacke vom Netz genommen, um die Bedrohung zu reduzieren. Der Betrieb der Pipeline ruhte danach. Auf dem Weltmarkt führte dies zu einem Anstieg der Preise für Rohöl und Benzin.

Hamsterkäufe an US-Tankstellen 

In vielen Bundesstaaten im Südosten der USA gab es massive Engpässe in der Versorgung. In North Carolina hatten Tankstellen kaum noch Benzin. In Virginia waren mehr als die Hälfte aller Tankstellen betroffen, ähnlich sah es in South Carolina und Georgia aus. An Zapfsäulen bildeten sich lange Schlangen, es kam zu chaotischen Szenen. Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC sah sich dazu gezwungen, via Twitter davor zu warnen, Benzin in Plastiktüten abzufüllen.

USA I Autos an einer Tankstelle

Viele Autos, aber kaum oder gar kein Sprit an den Tankstellen - hier in East Ridge, Tennessee

Nach Einschätzung von Branchenexperten dürfte es etwa zwei Wochen lang dauern, bis die Kraftstoff-Lager in den USA wieder aufgefüllt sind. Colonial erklärte, man arbeite mit Experten für Cybersicherheit zusammen, um den Angriff zu untersuchen.

Fast fünf Millionen Dollar Lösegeld?

Knapp eine Woche nach der Attacke sickern Informationen über eine millionenschwere Lösegeldzahlung durch. Einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge zahlte Colonial den Erpressern fast fünf Millionen Dollar. Das Unternehmen habe den Betrag nur Stunden nach dem Angriff in Form einer nicht zurückverfolgbaren Kryptowährung übermittelt, hieß es unter Berufung auf zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Danach hätten die Hacker Colonial ein Hilfsmittel zur Entschlüsselung zur Verfügung gestellt, um das außer Betrieb gesetzte Computersystem wiederherstellen zu können. Doch dieses habe nur langsam funktioniert, daher habe der Pipeline-Betreiber schließlich auf eigene Datensicherungsinstrumente zurückgegriffen.

Von Colonial war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die US-Bundespolizei FBI macht für den Angriff eine Hackergruppe namens "Dark Side" verantwortlich, die in Russland oder Osteuropa vermutet wird. 

sti/se/haz (rtr, ap, dpa)