Upload-Filter: Das Ende des freien Internets? | Digitales Leben | DW | 22.06.2018
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Digitales Leben

Upload-Filter: Das Ende des freien Internets?

Mit neuen Upload-Filtern sollen Internet-Plattformen wie YouTube künftig Video- und Audioinhalte schon beim Hochladen auf Urheberrechtsverletzungen prüfen. Kritiker sehen die Meinungsfreiheit gefährdet.

Anhand von Upload-Filtern sollen Internet-Plattformen wie YouTube künftig Videos, Songs oder Texte schon beim Hochladen auf Urheberrechtsverletzungen prüfen. Bei Urheberrechtsverletzungen werden die Inhalte gesperrt. Diese Neuregelung im europäischen Urheberrecht hat am 20. Juni bereits die erste Hürde im europäischen Parlament genommen. Kritiker fürchten das Ende des freien Internets. Anfang Juli wird endgültig über die Gesetzesänderung entschieden.

Wie funktionieren Upload-Filter?

Upload-Filter sollen von Online-Plattformen wie YouTube und Facebook eingesetzt werden, um künftig schon während des Hochladens der Inhalte zu prüfen, ob diese urheberrechtlich geschützt sind. Die Inhalte werden gegen eine Datenbank mit urheberrechtlich geschützten Inhalten abgeglichen, die von Künstlern bestückt wird. Bei Übereinstimmung oder großer Ähnlichkeit werden die Werke vom Filter gesperrt.


Welche Probleme könnten die neuen Upload-Filter verursachen?

Kritiker sehen durch die Upload-Filter die Meinungsfreiheit und Kreativität im Internet in Gefahr. Memes, Parodien und Zitate würden die Algorithmen nicht erkennen. Diese würden zu Unrecht gesperrt. Darüber hinaus sind Algorithmen nicht in der Lage, die Bedeutung von Inhalten einzuschätzen. Wenn in einem Video jemand beispielsweise ein T-Shirt mit einem Plattencover trägt, würde dieses gegebenfalls als urheberrechtlich geschütztes Werk identifiziert und das Video gesperrt. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Livestreams: wie sollen hier die Urheberrechte gewährleistet werden?   

Am 12. Juni haben sich über 70 Internetpioniere in einem offenen Brief gegen Artikel 13 ausgesprochen, darunter die Begründer des Internets, der US-amerikanische Informatiker Vint Cerf und der britische Physiker und Informatiker Tim Berners-Lee. 

 

Die Europa-Abgeordnete Julia Reda schließt sich ihnen an, sie kritisiert die zu erwartende hohe Fehlerquote der Algorithmen und die daraus resultierenden Sperrungen von Inhalten.

 

Ein Monopol für Milliardenkonzerne

Reda beschreibt auf ihrer Website auch das Phänomen „Startup-Killer“: Die Filter sind so komplex, das sie nur von den großen US-Tech-Riesen entwickelt werden können. Kleine Firmen und Start-Ups können sich die Programmierung nicht leisten. Jede kleine Plattform, die User-Generated Content anbietet, muss also bei den Großen einkaufen. Damit wird ein Monopol für Google und Co. geschaffen.

Anfang Juli soll es eine weitere Abstimmung im Plenum des Ausschusses geben. Wenn die User bis dahin ausreichend Veto bei ihren Abgeordneten einlegen, sollte es eine spannende Diskussion werden.