Unter den Linden irritiert ein neues Café Berliner Nostalgiefans | DW Reise | DW | 15.10.2018
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Reise

Unter den Linden irritiert ein neues Café Berliner Nostalgiefans

Die Wiedereröffnung des Kaffeehauses direkt neben der Berliner Staatsoper war lang ersehnt, sorgt aber für Irritationen bei den nach Kaffee und Kuchen verlangenden Flaneuren.

Eröffnung des Kunstforums Palais Populaire (picture-alliance/dpa/J. Carstenden)

Im Palais Populaire in Berlin gibt es Kunst und Kaffee

Abgesehen von den Baustellen müssen Berlinbesucher beim Bummel über den Boulevard Unter den Linden zwischen Brandenburger Tor und Humboldt Forum auch so manche gastronomische Durststrecke überwinden. Da kommt ein neues Café-Restaurant gerade recht. Aber schon wieder muss in der deutschen Hauptstadt ein Kaffeehaus-Kulturschock registriert werden:

Berlin Kurfürstendamm (picture-alliance/ZB/J. Kalaene)

Das umstrittene Neue Kranzler-Eck in Berlin

Nachdem das legendäre "Kranzler" am Kurfürstendamm nur noch Hipster-Coffee statt Kännchen-Kaffee anbietet, ist jetzt fast zwei Jahre später auch Unter den Linden ein gewöhnungsbedürftiges neues Café-Zeitalter angebrochen.

Eröffnung des Kunstforums Palais Populaire (picture-alliance/dpa/G. Tholl)

Neonröhren statt Kronleuchter im Café-Restaurant "Le Populaire"

Im früheren plüschigen Tortentempel "Opernpalais" neben der Staatsoper Unter den Linden herrscht seit Ende September Sichtbeton-Look und Trendspeisen wie Hawaii-Fischsalat Poké finden sich auf der Karte.

Eröffnung des Kunstforums Palais Populaire (picture-alliance/dpa/J. Kaelene)

Das alte Kaffeehaus im Opernpalais

Bis Ende 2011 war in den Räumlichkeiten ein Café im Wiener-Kaffeehaus-Stil untergebracht, das berühmt war für seine riesige Kuchenauswahl. Die neue Gastronomie mit dem Namen "Le Populaire" hat ebenfalls Sahnetorten im Angebot, allerdings weit weniger. Immerhin, die früher beliebte "Prinzessinnentorte" gibt es auch wieder.

Während die einen das neue Ambiente ehrlich und cool finden, sind Nostalgiker sichtlich verstört. Das im 18. Jahrhundert ursprünglich im Rokoko-Stil gebauten Prinzessinnenpalais, das jetzt "Palais Populaire" genannt wird, war im Zweiten Weltkrieg zerstört und in den 1960er Jahren rekonstruiert worden. Dabei wurde so ähnlich vorgegangen wie aktuell beim Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses.

Eröffnung des Kunstforums Palais Populaire (picture-alliance/dpa/J. Carstenden)

Kunstinstallation von Zilla Leutenegger in der Rotunde des Palais Populaire

Das neue Gebäudekonzept verschleiert nicht mehr, dass es sich um einen sogenannten Stahlskelettbau mit historisierender Fassade handelt. Manche Besucher sind damit jedoch unzufrieden, wie zum Beispiel ein älterer Ostberliner, der es wie folgt ausdrückte: "Dit is schwach. Dit is ja annem Flughafen besser."

is/ch (mit dpa)

Berlin Stadtschloss Baustelle (Lars Wendt)

Baustelle Humboldt Forum im September 2018

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