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Politik

Ungeduldig, unzufrieden, uneins?

6. September 2021

Nach 16 Jahren unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel wirkt das Land müde. Die Große Koalition hat, so meinen viele, Reformen vor sich hergeschoben, gesellschaftliche Konflikte nicht gelöst.

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Symbolbild | Deutschland | CO2 | Klimawandel
Bild: picture-alliance/dpa/K. Ohlenschläger

Die Angst vor einer Spaltung der Gesellschaft wächst.

Deutschland Köln | Aktivisten | Fridays for Future
Bild: Gero Rueter/DW

Die Klimastreiks der Schüler und Schülerinnen, die großen Bauerndemos, die Ängste der Bergleute vor dem Verlust ihrer Arbeitsplätze, aber auch Anti-Corona-Proteste suggerieren eine wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Regierung und Politik.  

Doch stimmt der Eindruck? Oder ist es die "gefühlte" Wahrnehmung, die sich in der statistischen Datenlage so gar nicht spiegelt? 

Symbolbild Bilanz
Bild: picture alliance/dpa/Chromorange

Denn die zeigt ein erstaunlich anderes Bild: Die Lebenserwartung der Deutschen ist seit 2005, dem Jahr in dem Angela Merkel Gerhard Schröder als Bundeskanzlerin ablöste, um fast zwei Jahre gestiegen, die Arbeitslosigkeit ist von 13 Prozent auf unter 7 Prozent gesunken. Der durchschnittliche Wohnraum pro Person ist von 42 auf 47qm gewachsen, die Schulabbrecherquote von 8,2 Prozent auf 6,3 Prozent gesunken. Und die Zahl der registrierten Straftaten hat sich um eine Million verringert. Doch nicht nur das: Auch die Lebenszufriedenheit ist seit 2005 kontinuierlich gestiegen und lag kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie wieder auf dem Niveau des Jahres 1990! Die Unzufriedenen? - Nein: Die Zufriedenen! 

Ist also alles doch gut? Nein - denn hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich gewaltige Unterschiede: In Bremen z.B. liegt die Lebenserwartung in reichen Stadtteilen um 7 Jahre höher als in armen. Das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Gelsenkirchen beträgt nicht einmal die Hälfte dessen, was den Menschen in Heilbronn zur Verfügung steht. Die Schulabbrecherquote steigt seit einigen Jahren wieder an - besonders in den ärmeren Bundesländern und damit vor allem im Osten. Und in Bezug auf Artenvielfalt und Klimabilanz hängt Deutschland den selbst gesteckten Zielen weit hinterher. Wer also hat profitiert von der positiven Entwicklung - und wer gehört zu den Verlierern? Woher rührt die Wut der Bauern? Warum stehen sich Bergleute und Klimaschützer so unversöhnlich gegenüber? 

"Die Unzufriedenen?" - eine kritische, differenzierte, in Teilen schonungslose und doch überraschend positive Bilanz der zu Ende gehenden Merkel-Ära!

 

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