UN-Bericht: Fast jede zweite Schwangerschaft ungewollt | Aktuell Welt | DW | 30.03.2022
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Sexuelle Gewalt gegen Frauen

UN-Bericht: Fast jede zweite Schwangerschaft ungewollt

Kriege erhöhen das Risiko ungewollter Schwangerschaften drastisch. Wie sehr das zeigt ein Bericht des UN-Bevölkerungsfonds. Demnach verlieren Frauen oft Zugang zu Verhütungsmitteln und sexualisierte Gewalt nehme zu.

Simbabwe Coronavirus l Schwangerschaft, Tanaka Rwizi

Junge Schwangere in einem Armenviertel in Simbabwes Hauptstadt Harare

Fast die Hälfte aller Schwangerschaften weltweit sind laut einem neuen Bericht der Vereinten Nationen ungewollt. 2020 lag die Rate demnach bei 48 Prozent. In jedem Jahr machen etwa sechs Prozent der Frauen weltweit eine ungewollte Schwangerschaft durch. Und von den 121 Millionen ungewollten Schwangerschaften pro Jahr werden demnach mehr als 60 Prozent abgetrieben - die Hälfte davon unter unsicheren Bedingungen, wie der UN-Bevölkerungsfonds (UNFPA) in New York mitteilte. Hauptursachen für die ungewollten Schwangerschaften seien demnach die Benachteiligung der Frauen, Armut, sexualisierte Gewalt sowie mangelnder Zugang zu Verhütungsmitteln und Abtreibung.

Der UNFPA-Bericht stützt sich auf neue Daten des Guttmacher-Instituts aus 150 Ländern zwischen 2015 und 2019. Die Autoren des Berichts warnten, dass Konflikte wie der Ukraine-Krieg die Zahl ungewollter Schwangerschaften in "schwindelerregende" Höhen treibe, da die sexuelle Gewalt zunimmt und der Zugang zu Verhütungsmitteln eingeschränkt ist.

Schwangere im Ukraine-Krieg 

UNFPA-Direktorin Natalia Kanem berichtete bei der Vorstellung des Berichts von Fällen schwangerer Frauen in der Ukraine, "die wussten, dass sie ernährungstechnisch nicht in der Lage sein würden, ihre Schwangerschaft durchzuhalten". Es gebe auch Beispiele von Kriminellen, "die die Tragödie des Krieges als eine Gelegenheit sehen, Frauen und Mädchen ins Visier zu nehmen".

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Krisen und Konflikte beraubten Frauen ihrer Handlungsfähigkeit auf allen Ebenen und erhöhen das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft im Moment der größten Bedrohung drastisch, heißt in dem Bericht. So verlieren Frauen oft den Zugang zu Verhütungsmitteln und sexuelle Gewalt nehme zu, wobei einige Studien zeigten, dass über 20 Prozent der geflüchteten Frauen und Mädchen sexualisierter Gewalt ausgesetzt seien. Demnach werden in Afghanistan Krieg und Störungen der Gesundheitssysteme bis 2025 voraussichtlich zu schätzungsweise 4,8 Millionen ungewollten Schwangerschaften führen, was die allgemeine Stabilität, den Frieden und die Erholung des Landes gefährden werde.

"So lebenswichtig wie Nahrung, Wasser und Unterkunft"

"Wenn Sie 15 Minuten Zeit hätten, um Ihr Haus zu verlassen, was würden Sie nehmen? Würden Sie Ihren Pass holen? Lebensmittel? Würden Sie sich an Ihre Verhütung erinnern?" sagte UNFPA-Exekutivdirektorin Natalia Kanem. "In den Tagen, Wochen und Monaten nach Beginn einer Krise retten Dienste für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Schutz Leben, schützen Frauen und Mädchen vor Schaden und verhindern ungewollte Schwangerschaften. Sie sind so lebenswichtig wie Nahrung, Wasser und Unterkunft."

Auch die Corona-Krise hatte UNFPA zufolge allein im ersten Jahr der Pandemie zu bis zu 1,4 Millionen ungewollten Schwangerschaften geführt.

Jedes Jahr müssten demnach sieben Millionen Frauen nach unsicheren Abtreibungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Diese seien eine der Hauptursachen für den Tod von Müttern. Die türkische Ärztin Ayse Akin berichtete bei der Vorstellung des Berichts, dass sie "verzweifelte Frauen" behandelt habe, die versucht hätten, mit "Stricknadeln" und "Streichhölzern" abzutreiben.

bri/ehl (afp, unfpa)

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