UN: ″Alarmstufe Rot″ für schwache Klimaziele der Länder | Wissen & Umwelt | DW | 26.02.2021
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UN: "Alarmstufe Rot" für schwache Klimaziele der Länder

Nationale Klimaziele sind weit entfernt vom 1,5 Grad Ziel, das zeigt ein Zwischenbericht. UN-Chef António Guterres drängt auf deutliche Nachbesserungen vor der Klimakonferenz im November.

Patricia Espinosa Generalsekretärin der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen

Die Chefin des Klimasekretariats UNFCCC, Patricia Espinosa, fordert mehr Anstrengungen weltweit zum Erreichen der Klimaziele

Einen "Weckruf" nennt die Chefin des UN-Klimasekretariats, Patricia Espinosa, den am 26.Februar vorgelegten Zwischenbericht über die nationalen Klimaziele, UN Generalsekretär Antonio Guterres spricht sogar von "rotem Alarm für den Planeten".

Der Bericht erfasst derzeitige nationale Klimaziele von bisher 75 Staaten, die ihre "nationally determined contributions" (NDCs) bereits vorgelegt haben. Die erfassten Länder sind für rund 30 Prozent der globalen Treibhausgase verantwortlich. Die meisten Länder verstärken zwar ihre Klimaambitionen, einige sogar sehr deutlich, darunter etwa Großbritannien und die EU. 

Doch in der Summe sind die Länder bisher "nicht einmal in der Nähe" der nötigen Einsparungen: Mit dem, was bisher auf dem Tisch liegt, würden nur rund ein Prozent der weltweiten Treibhausgase eingespart. Nötig sind laut Berechnungen des Weltklimarats mindestens 45 Prozent Verringerung bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2010.

Klimakonferenz Cop21 2015 in Paris

Grund zum Feiern: Einigung auf ein wegweisendes Klimaabkommen, um die Erderwärmung zu begrenzen

2015 hatten sich bei der Klimakonferenz in Paris 195 Staaten sowie die Europäische Union darauf geeinigt, die durch den Ausstoß fossiler Brennstoffe befeuerte Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad zu begrenzen.

UN-Chef Guterres unterstreicht: "Schon vor der Klimakonferenz in Glasgow müssen die großen Emitter viel deutlichere Reduzierung von Treibhausgasen in ihre nationalen Klimapläne aufnehmen".

Der Bericht weist auch darauf hin, dass arme Länder auf die vereinbarte Bereitstellung von Finanzressourcen angewiesen sind, um eigene Klimamaßnahmen zu ermöglichen, wie etwa den Erhalt von Wäldern und anderen Ökosystemen.

Mehr Ambitionen weltweit nötig

Der Zwischenbericht ist ein Schnappschuss auf dem Weg zur Klimakonferenz COP 26 im November. Noch fehlen die Beiträge der übrigen 122 Vertragsstaaten, darunter die der größten Verursacher von Treibhausgasen: China und den USA. Der Zwischenbericht berücksichtigt nur die NDCs, die bis Ende Dezember 2020 vorlagen - und auch diese Länder sollten dringend überlegen, ob sie ihre Ziele nicht nachbessern könnten, mahnte Espinosa im Pressegespräch. 

Das Pariser Klimaabkommen setzt auf Freiwilligkeit - die Länder bestimmen selber, was sie tun wollen und mit welchen Maßnahmen genau sie ihre selbstgesetzten Ziele erreichen wollen. Sanktionen oder Strafmechanismen etwa gegen Länder, die die Klimaziele nicht einhalten, sind nicht vorgesehen.

Hoffnung auf neuen Schwung fürs Klima made in USA

Auch darum hoffen viele, dass der Wiederbeitritt der USA zum Pariser Abkommen neuen Schwung in die internationalen Klimaambitionen bringt. Der US-Sonderbeauftragte für das Klima, John Kerry, hat bereits angekündigt, dass die USA  "sehr aggressive, starke NDCs" bereits vor dem Klimasondergipfel in Washington am 22. April vorlegen werde. 

John Kerry USA Porträt Klimapolitik Paris

Der neue US Sonderberichterstatter fürs Klima John Kerry war schon als US-Außenminister bei den Klimaverhandlungen dabei. Er gilt als hochrangigster Klimabeauftrager einer Regierung weltweit

Die USA wollen auch ihre Klimadiplomatie ausbauen und insbesondere China, den gegenwärtig größten Emittenten, einbeziehen. China hatte angekündigt, seine nationalen Ziele dieses Jahr erhöhen zu wollen. Andere große Emittenten, wie etwa Russland oder Brasilien, sind bisher wenig ambitioniert. 

Die frühere Leiterin des UN Klimasekretariats, Christiana Figueres, ist dennoch optimistisch, dass "viele große Emitter wie die USA, China, Japan und andere" ambitionierte Pläne vorlegen werden, denn es sei "in ihrem eigenen Wettbewerbs-Interesse, 50 Prozent Emissionseinsparungen bis 2030 zu erreichen".

Zusammen mit Kanada denken die USA auch darüber nach, ob man künftig etwa höhere Einfuhrzölle erheben könnte für Länder, die zu wenig fürs Klima tun. Es ist jedoch unklar, ob dies mit den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar ist.

Gefragt, wie die Chefin des Klimasekretariats auf deutlichere Veränderungen drängen will, kann Espinosa nur appellieren: "Wir gehen davon aus, dass die Länder selber sehen, wie wichtig ihre Selbstverpflichtungen sind" - alle müssten sich bewegen, um im Interesse des Überlebens der Menschheit zu handeln. Sie verweist darauf, dass die letzten 10 Jahre das heißeste Jahrzehnt der Menschheitsgeschichte waren.

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Genau darum, sagt auch Espinosa, sei es so wichtig, die weltweiten Krisen - wie COVID-19, die Klimakrise, und den dramatischen Biodiversitätsverlust - zusammen zu bewältigen. Alle Länder müssten bei wirtschaftlichen Maßnahmen zur Überwindung der Coronakrise die Klimakrise mitdenken und den Wiederaufbau nachhaltig gestalten. "Wir können nicht zum alten Normal zurückkehren".

Der britische Präsident der Klimakonferenz im November, Alok Sharma, rief insbesondere die großen Emitter auf, schon vorher "ehrgeizige Klimaziele" einzureichen. "Das Fenster zum Handeln, um unseren Planeten zu erhalten, schließt sich schnell."

Der erweiterte Abschlussbericht mit den kompletten nationalen Klima-Beiträgen der Staaten wird kurz vor der Klimakonferenz im November erscheinen. Ob die COP 26 in Glasgow ein Erfolg wird, hängt vor allem davon ab, wie ernst die Länder der Erde ihre Selbstverpflichtung nehmen, die globale Erwärmung und deren Klimafolgen abzubremsen. 

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