Umstrittene ″Körperwelten″-Ausstellung in Berlin darf bleiben | DW Reise | DW | 10.09.2018
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Reise

Umstrittene "Körperwelten"-Ausstellung in Berlin darf bleiben

Der jahrelange Rechtsstreit zwischen Leichenplastinator Gunter von Hagens und dem Bezirk Berlin-Mitte endet mit einem Vergleich. Das Museum darf bleiben, muss aber die Herkunft der gezeigten Leichen überprüfen lassen.

Die Ausstellung auf dem Berliner Alexanderplatz zeigt echte Körper, die durch ein so genanntes Plastinationsverfahren erhalten wurden. Dabei werden Flüssigkeiten durch Silikon ersetzt. Das Verfahren ermöglicht es, die enthäuteten Körper von Mensch und Tier in naturgetreuen Posen darzustellen.

"Das Museum kann weiter bestehen bleiben“, sagte Rurik von Hagens am Montag. Am vergangenen Freitag sei ein Vergleich zwischen beiden Parteien geschlossen worden, berichtete der Sohn des Plastinators. Ein Sprecher des Oberverwaltungsgerichts bestätigte das Ende des Verfahrens. Von Hagens zeigte sich erleichtert darüber, dass das Museum jetzt endlich wieder Planungssicherheit habe.

Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausstellung Körperwelten in Bochum (picture-alliance/Sport Moments/M. Hommes)

Unter dem Tisch reicht ein Poker-Spieler eine Karte weiter - Szene aus den "Körperwelten"

Das Museum hat sich mit dem Bezirk unter anderem darauf geeinigt, neue Plastinate künftig zwei Wochen vorab anzukündigen, damit das Bezirksamt die Korrektheit der Leichenherkunft überprüfen kann. "Damit hat das Bezirksamt Mitte endgültig sein Ziel erreicht, dass Plastinate ohne vorherigen Nachweis einer individuell zuzuordnenden Einwilligungserklärung nicht ausgestellt werden dürfen“, betonte Stadtrat Gothe.

Der Bezirk hatte jahrelang vehement gegen das im Februar 2015 eröffnete Museum am Berliner Fernsehturm gekämpft. Ein Streitpunkt war die zum Teil nicht mehr nachvollziehbare Herkunft der Präparate. Der Streit hatte mehrere Gerichte beschäftigt.

Bildergalerie Körperwelten von Gunther von Hagens (picture-alliance/dpa/U. Deck)

Leichenplastinator Gunther von Hagens will nach seinem Tod selbst ein "Körperwelten"-Exponat werden

Der inzwischen an Parkinson erkrankte Gunther von Hagens entwickelte die Plastinationstechnik in den 1970er-Jahren in Heidelberg, wo er 1993 auch das Institut für Plastination gründete. Die präparierten Toten sind in verschiedenen Positionen zu sehen. Sie sind jung, alt, schwanger, krank oder gesund. Die Haut ist abgezogen, Muskeln und Nervenstränge sind gut sichtbar.

Laut Rurik von Hagens sind in der Berliner Ausstellung sechs menschliche Körper, etwa 120 Teilkörper sowie Tierpräparate zu sehen. Mehr als 500.000 Menschen sahen die Ausstellung demnach bereits. Seit 1996 wird die Ausstellung "Körperwelten" an verschiedenen Orten in Deutschland und der Welt gezeigt.

is/ks (dpa)

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