Umstrittene Australian-Open-Siegerin Margaret Court geehrt | Sport | DW | 28.01.2020
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Australian Open

Umstrittene Australian-Open-Siegerin Margaret Court geehrt

Wegen ihrer homophoben Äußerungen ist Margaret Court in der Tennis-Welt umstritten. Immer wieder wird die Umbenennung der "Margarete Court Arena" gefordert. Doch bei den Australian Open wird die 77-Jährige gefeiert.

Um kurz vor sieben abends lief sie auf dem Center Court der Australian Open ein: Die Frau, um die es seit Jahren und nach ihren jüngsten homophoben Aussagen ("Der Tennissport ist voll von Lesben. Wir sind hier, um ihnen zu helfen."), zuletzt im Dezember so viel Wirbel in der Tennis-Welt gibt. Zwar fand die Ehrung Margaret Courts anlässlich des 50. Jahrestages ihres Grand Slams (Siege bei allen vier Grand-Slam-Turnieren binnen eines Jahres) in der Rod Laver Arena und nicht in dem seit 2003 nach ihr benannten, drittgrößten Stadion der Anlage direkt nebenan statt. Doch war der Center Court vor Beginn des Matches zwischen dem Australier Nick Kyrgios und Rafael Nadal die größtmögliche Bühne, die die Australian Open an diesem Abend zu bieten hatte.

Der ganz große Pomp wurde in Melbourne nicht aufgefahren - zu kontrovers ist dieses Thema. Vor Courts Einlauf wurden auf den Videoscreens der Rod Laver Arena Bilder ihrer Karriere und dem außergewöhnlichen Jahr 1970 gezeigt. Dazu Court selbst, die von ihren Erinnerungen an dieses historische Ereignis erzählt, Musik und eine Lichtshow unter dem geschlossenen Dach der Arena.

Ehrung von Margaret Court Tennis (picture-alliance/dpa/S. Low)

Feierliche Übergabe: Rod Laver (l.) und Margaret Court

Rod Laver, Namensgeber des Stadions, war vor Court auf den blauen Tennisplatz gekommen und überreichte seiner Landsfrau schließlich symbolisch einen Pokal. Ein schneller Akt, Laver schien nicht besonders zeremoniell aufgelegt. Court, schwarz-weiße Garderobe, Lippenstift und Pagenkopf, zeigte Stolz die Trophäe. Das Publikum applaudierte lautstark, Pfiffe waren nur vereinzelt zu vernehmen. "It’s all about the Tennis", hatte man von vielen Besuchern am Tag der Ehrung auf der Anlage immer wieder hören können. 

Unangenehme Causa für die Australian Open

Das Credo scheint auch immer das von Turnierdirektor Craig Tiley und dem Verband "Tennis Australia" gewesen zu sein. Zwar hatten Tiley und der Verband vor Beginn des Turniers in einem offenen Brief betont, dass die Australian Open "offen für jeden" seien und man stolz darauf sei. Man habe "Margaret" auch "klar gemacht, dass man ihre Ansichten" nicht teile, doch dabei beließ es der Veranstalter dann auch.

Weder im Vorfeld, noch am Tag der Ehrung war Bereitschaft zu verspüren, dass man dieses Thema offen und kontrovers diskutieren wolle. Vielmehr war - sowohl von Seiten des Ausrichters, als auch vom überwiegenden Teil der Zuschauer im Melbourne Park - eine gewisse Gleichgültigkeit, teilweise peinliche Berührtheit in Bezug auf das "Thema Court" zu vernehmen. Auf Nachfrage der DW verstanden einige Besucher gar nicht, worum es geht. Viele befragte Besucher antworteten auf die Frage nach der Ehrung Courts und ihrer Meinung dazu mit "Ja, sie ist eine große Spielerin. Heute wird sie zu Recht geehrt." Erst nach Erklärung, dass die Frage auch in Bezug auf ihre Aussagen und die Diskussion um eine Umbenennung der Margaret Court Arena gestellt worden war, verstanden viele die Intuition der Frage. Die Reaktionen Flächendeckend abwiegelnd:"It's all about the tennis tonight."

Nicht alle meiden das Thema

 Martina Navratilova Tennis (picture-alliance/dpa/Captital Pictures)

Martina Navratilova fordert die "Evonne Goolagong Arena"

Ob das Stadion gleich umbenannt werden muss oder nicht, darüber gehen die Meinungen durchaus auseinander. Wobei der Teil der Tennis-Prominenz, der sich dazu in der Vergangenheit geäußert hat, überwiegend nicht mit Court und ihren Ansichten übereinstimmt. Prominteste Gegnerin Courts und Befürworterin einer Umbenennung der Arena ist die homosexuelle ehemalige Top-Spielerin Martina Navratilova. Schon in der Vergangenheit hatte Navratilova mehrfach die Bezeichnung "Evonne Goolagong Arena" ins Spiel gebracht - eine Tennisspielerin mit Aboriginie-Wurzeln.

Am Tag der Ehrung erneuerte Navratilova ihre Kritik an Court. "Sie verletzt Menschen", sagte sie in einer Medienrunde: "Was Margaret nicht realisiert, ist, dass sie viele Menschen verletzt. Sie kann glauben, was sie will, aber andere zu verletzen ist nicht in Ordnung."

Business as usual

Bei den Australian Open im Moment aktive Profis wollten sich, im Gegensatz zu Navratilova, bislang nicht konkret äußern. Die Fokussierung auf den Sport sei wichtiger war zu hören, den Fragen wurde eigentlich immer ausgewichen. "Das ist bei uns Profis in der Kabine überhaupt kein Thema", hatte Angelique Kerber auf der Pressekonferenz nach ihrem Zweitrunden-Sieg gegen Priscilla Horn gesagt. Ihr Blick verriet dabei, dass sie ungerne weitere Fragen zum dem Thema beantworten würde.

Australian Open 2020 | Roger Federer & John McEnroe (picture-alliance/dpa/AAP/M. Dodge)

John McEnroe - hier im Interview mit Roger Federer (l.) - spricht von der "verrückten, alten Tante des Tennis"

Deutliche Worte hingegen fand Ex-Spieler John McEnroe, der sich bereits in der Vergangenheit eindeutig ("tiefstes Mittelalter") in der "Causa Court" positioniert hatte. Der US-Amerikaner, der hier für verschiedene TV-Sender und als Field-Interviewer im Einsatz ist, machte in seinem Videoblog "Commissioner of Tennis" beim Sender Eurosport erneut deutlich, was er von Court und ihren Ansichten hält. McEnroe sprach von der "verrückten, alten Tante des Tennis" und bat Serena Williams, ihm "einen Gefallen zu tun" und "zwei weitere Grand Slams in diesem Jahr" zu gewinnen, damit man "Court und ihre gestrigen Ansichten ein für alle Male der Vergangenheit" überlassen könne.

Eine Pressekonferenz von "Tennis Australia" hatte es im Vorfeld nicht gegeben. Unweit des Büros von Boss Craig Tiley arbeiten hunderte Journalisten in der vierten Etage des Verbandssitzes. Im täglichen Medien-Briefing des Turniers wurde das Thema nicht mit einer einzigen Silbe behandelt. Unter den Journalisten war die "Causa Court" eher Randthema. "Großer Tag für Big Maggie", hatte ein australischer Journalist am Nachmittag zu seinen Kollegen gesagt. Die wussten nicht so recht, wie sie reagieren sollten und fragten: "Schreibst du drüber?" "Nein", lautete die Antwort, "das ist doch kein Tennis-Thema."