Uhuru Kenyatta: Porträt eines umstrittenen Präsidenten | Afrika | DW | 16.02.2014
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Afrika

Uhuru Kenyatta: Porträt eines umstrittenen Präsidenten

Mit der Präsidentschaftskandidatur warf er den Haager Ermittlern Steine in den Weg: Viermal wurde Kenyattas Prozess am Internationalen Strafgerichtshof bereits verschoben. Porträt eines streitbaren Politikers.

"Heute feiern wir den Sieg der Demokratie und des Friedens", begrüßte Uhuru Muigai Kenyatta die Menge, nachdem ihn die Wahlkommission am 9. März 2013 zum Präsidenten ernannt hatte. Für ihn war es auch ein ganz persönlicher Sieg: Kluges Taktieren und sein hoher Bekanntheitsgrad hatten ihn an die Spitze des kenianischen Staats gebracht.

Kenyatta ist der Spross einer großen Politikerfamilie. Geboren wurde der Sohn des ersten Präsidenten des unabhängigen Kenias am 26. Oktober 1961. Den Namen Uhuru - Kisuaheli für "Freiheit" - bekam er, weil die Befreiungskämpfe der Kenianer gegen die britische Kolonialherrschaft zu der Zeit ihren Höhepunkt erreicht hatten. Dem Schulabschluss in Nairobi folgte ein Studium der Wirtschafts- und Politikwissenschaften im US-amerikanischen Amherst. Kenyatta war überzeugter Anhänger der Partei für einen Afrikanischen Nationalismus in Kenia (KANU), die rund vierzig Jahre lang das Land regierte - nach dem Tod seines Vaters Jomo Kenyatta weitergeführt durch Präsident Daniel Arap Moi.

Kenyatta mit seinem Amtsvorgänger Kibaki am Tag seiner Vereidigung (Foto: dpa)

Kibakis Erbe: Kenyatta mit seinem Amtsvorgänger (Mitte) am Tag seiner Vereidigung

Kenyattas Karriere kam ins Rollen, als sich Moi vor seinem Ruhestand entschied, ihn als Kandidaten der KANU in die Präsidentschaftswahl 2002 zu schicken. Doch statt des politischen Neulings Kenyatta schaffte es der Kandidat der Opposition, Mwai Kibaki, mit seiner Nationalen Regenbogenkoalition (NRC). Bei den Wahlen 2007 trat Kenyatta dann als Unterstützer Kibakis auf. Immerhin gehören beide zu Kenias größter Volksgruppe, der Kikuyu, die im Zentrum des Landes beheimatet ist. "Die Menschen in der Zentralprovinz betrachten Kenyatta als Erben Kibakis", sagt die kenianische Journalistin Munira Mohammed.

Nach den Wahlunruhen: Kenyattas Erfolgsstrategie

Die Abstimmung wurde zum Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Kibaki und Herausforderer Raila Odinga. Die Nachricht vom Sieg Kibakis stürzte das Land in bürgerkriegsähnliche ethnische Unruhen, bei denen mindestens 1200 Menschen ums Leben kamen. Kenia bat den Internationalen Strafgerichtshof, die Gewalt nach den Wahlen zu untersuchen. Kenyatta, der als einer der reichsten Männer Kenias gilt, wurde verdächtigt, eine Gruppe gewaltbereiter Kikuyu finanziert und zu Morden und Vertreibungen angestiftet zu haben. Als das Weltstrafgericht im Januar 2012 entschied, Ermittlungen gegen ihn einzuleiten, musste Kenyatta - inzwischen Finanzminister und stellvertretender Premierminister - Zugeständnisse machen und gab den Ministerposten auf.

Kenia Präsident Kenyatta und Vizepräsident Ruto (Foto: AP)

Gewinnerteam: Mit William Ruto (links) im Wahlkampf

Im gleichen Jahr gründete Kenyatta die Partei "Nationale Allianz" (TNA). Für Aufsehen sorgte seine Entscheidung, ein Wahlbündnis mit der Vereinten Republikanischen Partei (URP) einzugehen. Ihr Anführer: William Ruto, nach den Unruhen von 2007 noch entschiedener Gegner Kenyattas. Scheinbar die einzige Gemeinsamkeit der beiden war, dass sie wegen des Verdachts ihrer Beteiligung an den Unruhen einem Verfahren am Strafgerichtshof in Den Haag entgegensahen. "Das Verfahren läuft und wir wissen, es wird vorübergehen", sagte Ruto im Wahlkampf. Beide erklärten damals, mit dem Gericht kooperieren zu wollen. Den Gefallen, deshalb von der Kandidatur zurückzutreten, wollten sie ihren Gegnern aber nicht tun.

Starkes Auftreten in Afrika

Das Konzept ging auf: Während die Internationale Gemeinschaft davor warnte, zwei mutmaßliche Verbrecher zum Präsidentenduo zu machen, empörten sich viele Kenianer über diese internationale Einmischung und stimmten bei den Wahlen am 4. März 2013 für das Bündnis. Kenyatta wurde Präsident und Ruto sein Vize.

Die erste große Herausforderung seiner Amtszeit war der islamistische Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi, bei dem rund siebzig Menschen ums Leben kamen. Für Kenyatta war es eine Gelegenheit, sich als Präsident aller Kenianer zu zeigen. Im Kampf gegen die Terroristen demonstrierte er Stärke und verkündete Tage später, nach dem Ende der Belagerung: "Wir haben die Angreifer beschämt und besiegt."

Südsudans Präsident Salva Kiir und Kenias Präsident Uhuru Kenyatta (Foto: Reuters)

Zu Besuch bei Südsudans Präsidenten Salva Kiir (rechts)

Kenias Position in Ostafrika zu stärken, ist ein großes Anliegen des Präsidenten. Im Januar 2014 trat eine Reisefreiheit zwischen Kenia, Uganda und Ruanda in Kraft. Und im Staatenbündnis IGAD am Horn von Afrika machte sich Kenyatta für eine friedliche Lösung des neu entflammten Südsudan-Konflikts stark. Von seiner anfänglichen Zusicherung, er wolle mit dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag kooperieren, kann jedoch keine Rede mehr sein: Schon kurz nach seinem Amtsantritt begann Präsident Kenyatta eine Werbekampagne für einen Austritt afrikanischer Länder aus dem Weltstrafgericht. Währenddessen gehen den Haager Richtern die Zeugen aus. Anfang Februar gaben sie bekannt, den Prozess gegen Kenyatta ein weiteres Mal zu verschieben.

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