Tsipras übernimmt politische Verantwortung für Waldbrände | Aktuell Europa | DW | 27.07.2018
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Waldbrände in Griechenland

Tsipras übernimmt politische Verantwortung für Waldbrände

Nach dem folgenschwersten Feuerunglück in Europa im 21. Jahrhundert werden kritische Stimmen zur Brandbekämpfung und zu den Rettungseinsätzen in Griechenland lauter. Nun meldet sich Regierungschef Tsipras zu Wort.

Alexis Tsipras (picture-alliance/AP Photo/P. Giannakouris)

Zeigt sich nachdenklich: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras (Archivbild)

Auf einer Krisensitzung seines Kabinetts in Athen hat sich der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras tief betroffen über die vielen Opfer der verheerenden Waldbrände in Griechenland gezeigt. Die Opfer der Flammen hätten auf "ungerechtfertigte und unglaubliche Weise" ihr Leben verloren. "Ich übernehme die politische Verantwortung für diese Tragödie", sagte er bei einer Rede vor seinem Ministerrat, die vom Fernsehen übertragen wurde.

Die Zahl der Todesopfer stieg am Freitag auf 87, nachdem Bergungskräfte fünf weitere Leichen in den ausgebrannten Häusern der Ortschaft Mati bei Athen gefunden hatten. Bei der Katastrophe wurden so viele Menschen getötet wie bei keinem anderen Feuer in Europa im 21. Jahrhundert.

Bauen ohne Genehmigung

Eine Ursache für die verheerende Wirkung der Brände sei der illegalen Bau von Häusern, die die vorherigen Regierungen über Jahrzehnte hinweg geduldet hatten, erklärte der Regierungschef. "Wir müssen heute schmerzlich zur Kenntnis nehmen, dass wir ein Land regieren, das von Regelwidrigkeiten dominiert wird." Tsipras versprach alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um diesen Zustand zu beheben und parallel den Menschen zu helfen. Experten hatten zuvor kritisiert, dass planerische Versäumnisse die Ausbreitung der Waldbrände begünstigt hätten: Gebäude seien zu nahe an Wäldern errichtet worden, und es fehle an Zufahrten für Löschfahrzeuge.

Video ansehen 02:15

Nach Inferno: Welle der Hilfsbereitschaft in Griechenland

Innenminister Panos Skourletis sagte, die gesamte von den Bränden betroffene Gegend müsse "neu gestaltet" werden: "Straßen müssen geöffnet werden, der Zugang zum Meer muss geöffnet werden." Der Ortsbürgermeister Evangelos Bournos sagte im Rundfunk, die Rettungskräfte hätten die wenigen Zufahrten blockiert und damit betroffene Anwohner ungewollt an der Flucht gehindert. "Wir tragen alle Verantwortung: die Regierung, die Rettungskräfte, die Bürger."

Kurz nach Ablauf der dreitägigen Staatstrauer erhob die Opposition Vorwürfe gegen die Regierung. Die wichtigste Oppositionspartei Nea Demokratia kritisierte, sie habe von der Regierung noch kein Wort der Entschuldigung gehört. Die Regierung habe es nicht geschafft, Menschenleben und Eigentum zu schützen.

Griechenland | Brände um Athen (Getty Images/AFP/A. Tzortzinis )

Eine Frau sucht in ihrem niedergebrannten Haus bei Athen nach persönlichen Gegenständen

Brandstifter am Werk?

Tsipras erklärte zudem, es gebe Anzeichen dafür, dass Brandstifter am Werk waren. "Wir müssen den ganzen Sommer hinweg auf der Hut sein." Die Brandstifter könnten erneut zuschlagen.

In griechischen Medien war zuvor von chaotischen Szenen bei der Brandbekämpfung berichtet worden. Viele Menschen starben in ihren Autos, als sie bei der Flucht aus Mati in den kleinen Straßen im Stau steckenblieben und vom Feuer eingekreist wurden.

Unterdessen wird an der Identifizierung der Opfer gearbeitet. Verwandte gaben DNA-Proben im Leichenschauhaus von Athen ab. Die Polizei geht davon aus, dass die Identifizierung in den Labors mehrere Tage dauern werde. Erst dann werde auch Klarheit über die genaue Zahl der Vermissten herrschen. Bislang seien 3084 Häuser in den von den Bränden heimgesuchten Regionen begutachtet worden. 1543 seien unbewohnbar, teilte die Regierung mit.

kle/jv (afp, dpa, rtre, ape)

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