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PolitikAfrika

Trump-Strategie: Chance oder Rückschritt für Afrika?

Martina Schwikowski
10. Dezember 2025

US-Präsident Trumps neue Außenpolitik setzt weniger auf Hilfe, sondern auf Handel mit einzelnen afrikanischen Ländern. Dabei geht es gezielt um Rohstoffe - ein Weckruf für Afrika, unabhängiger zu werden, sagen Experten.

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USA 2025 | Versetzt gestapelte Ausdrucke auf einem Tisch. Auf oberster Seite steht "National Security Strategy" und das Siegel des US-Präsidenten, weiter unten die Unterschrift von Donald Trump
Donald Trumps nationale Sicherheitsstrategie hat 29 Seiten. Afrika widmet sie davon drei Absätze: Vor allem geht es um Rohstoffe.Bild: Jean Pierre Nguyen Van Hai Barbier/ABACA/picture alliance

Mit seiner neuen außenpolitischen Sicherheits- und Wirtschaftsstrategie legt US-Präsident Donald Trump den Fokus klar auf weniger Entwicklungsprogramme für Afrika, dafür mehr auf Rohstoffsicherung und Energieprojekte.

Die Vereinigten Staaten wollen künftig mit ausgewählten Ländern zusammenzuarbeiten, um "gegenseitig vorteilhafte Handelsbeziehungen" zu fördern und Afrikas natürliche Ressourcen und wirtschaftliches Potenzial zu nutzen, heißt es in dem am 4. Dezember veröffentlichten Dokument. So will es Nuklearenergie, Flüssiggas- und Flüssigerdgas-Technologien weiterentwickeln und in Afrika einsetzen. 

Politischer Umbruch - Chance für Afrika?

Doch birgt Trumps Plan, Afrika überwiegend als Lieferant wichtiger Rohstoffe in der US-Politik einzubinden, möglicherweise eine neue Chance für Entwicklung auf dem Kontinent?

Der kenianische Ökonom James Shikwati sieht dafür wenig Anzeichen: "Das Nationale Sicherheitspapier behandelt Afrika als Region mit geringem Engagement. Es ist offensichtlich, dass seine Strategie den Bestrebungen der Afrikanischen Union sowie der regionalen Wirtschaftsblöcke Afrikas zuwiderläuft", sagt er zur DW. "Die Blöcke zielen darauf ab, die Volkswirtschaften der Regionen zu integrieren und Afrika als Einheit agieren zu lassen."

Dieser neue Ansatz der USA biete dem Kontinent keine Möglichkeit, sich zu erneuern, betont Shikwati. "Wenn überhaupt, dürfte er die Zahl der Konflikte, insbesondere der Konflikte um Ressourcen, noch erhöhen", fügt er an und weist auf die "aufstrebenden Mächte" hin, "die Golfstaaten und sogar die Europäische Union, die gleichermaßen an diesen Ressourcen interessiert sind."

Ahunna Eziakonwa, Afrika-Chefin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), hingegen sieht in mehr wirtschaftlicher Kooperation eine Chance für Afrika, sich selbst zu entwickeln - vorausgesetzt, dass diese von unterstützender Entwicklungszusammenarbeit begleitet werde, so sagte sie kürzlich in einem Interview mit der Berliner Medienplattform Table.Media. Doch Anzeichen für Entwicklungshilfen seitens der USA gibt es derzeit nicht - Trump hatte diese zu Beginn seiner Amtszeit gekürzt und die Entwicklungsbehörde USAID geschlossen.

Für den unabhängigen Wirtschaftsanalysten Daniel Silke in Südafrika ist die aktuelle Strategie der USA ein klarer Umbau der US-Politik: "Die Zeiten, in denen eine Vielzahl von Produkten, die in die USA eingeführt wurden, pauschal von den Vorteilen des AGOA (African Growth and Opportunity Act) profitierten, sind vorbei. Zumindest vorläufig." 

Das AGOA-Handelsprogramm wurde 2000 aufgelegt und ermöglichte zahlreichen afrikanischen Staaten, ihre Produkte zollfrei auf den amerikanischen Markt zu bringen. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama sah AGOA als Schlüssel für das Wirtschaftswachstum in Afrika an und verlängerte es 2015 auf weitere zehn Jahre - Donald Trump ließ das Programm Ende September 2025 auslaufen. Eine für diesen Mittwoch in Washington angesetzte Debatte könnte eine Drei-Jahres-Verlängerung beschließen - dass die bislang gewichtige Partnerschaft mit Südafrika dort fortgeführt wird, gilt allerdings als fraglich, nachdem sich das Verhältnis beider Länder im letzten Jahr massiv verschlechtert hatte.

Freie Handelszone in Afrika vorantreiben

Als mögliche Konsequenz der neuen Außenpolitik Trumps könnten afrikanische Länder versuchen, die Lücke durch Partnerschaften mit anderen Staaten zu schließen, sagt Silke zur DW.

"Oder aber: Sie liberalisieren ihre eigene Innenpolitik, treiben das afrikanische Freihandelsabkommen voran und versuchen, den Handel auf dem gesamten Kontinent zu steigern. Und sich nicht mehr auf die Zuwendungen und Vorteile zu verlassen, die die USA und AGOA früher geboten haben", betont Silke.

Die afrikanische kontinentale Freihandelszone AfCFTA trat offiziell 2019 in Kraft, kommt bisher aber erst schleppend in Gang: Das Projekt der Afrikanischen Union umfasst mit inzwischen 54 Mitgliedsstaaten einen riesigen Kontinentalmarkt mit über 1,3 Milliarden Menschen. Durch niedrige Zölle und Bürokratieabbau soll die industrielle Entwicklung Afrikas angeschoben werden.

Aus der Abhängigkeit befreien

Für den Afrika-Experten Robert Kappel ergibt sich aus dem US-Papier eine drängende Aufgabe für Afrika: "Für die afrikanischen Länder, die Regierungen, die Zivilgesellschaften, die Unternehmen, ist das Agieren von Präsident Trump ein echter Warnschuss: Seht zu, dass ihr aus Abhängigkeiten herauskommt. Von Europa, China und Russland und auch aus Abhängigkeiten von den USA." 

ARCHV | Demokratische Republik Kongo Mwenga 2023 | Kobaltabbau
Der Kongo ist reich an Rohstoffen - hier eine Kobaltmine -, die weltweit begehrt sindBild: Augustin Wamenya/Anadolu Agency/IMAGO

Ein entscheidender Faktor ist für ihn, dass sich Afrika weiter industrialisiert. "Dabei kann es helfen, wenn die Afrikanische Kontinentale Freihandelszone errichtet wird, verstärkt militärisch zusammengearbeitet wird und die Länder sich verschiedene strategische Partner suchen", sagt Kappel zur DW.

Er spricht von einer "Hammer-Politik": Präsident Trump habe häufig mit Beschimpfungen gegenüber Afrika und afrikanischen Politikern reagiert, nun hole er "das ganze Arsenal seiner Agenda heraus", kritisiert Kappel. Die Botschaft sei klar: "Es wird keinen Kuschelkurs mehr geben." 

"Trump geht es um Eigennutz"

Geostrategisch spiele Afrika für die USA aber eine Hauptrolle, weil der Erzfeind China auf dem Kontinent auf dem Vormarsch sei. Zwar wird in der Strategie auch die Möglichkeit aufgeworfen, in der Konfliktlösung tätig zu werden. Doch auch hier stehen laut Kappel die Rohstoffe im Vordergrund. 

Der Kongo sei das beste Beispiel für die Machtpolitik der USA: Dort trete Trump im militärischen Konflikt zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo als Friedensstifter auf. Die USA verhandelte ein Friedensabkommen im Juni 2025, doch es kommt immer wieder zu neuen Kämpfen im rohstoffreichen Ostkongo. 

"Es geht eigentlich um die Rohstoffe im Kongo, die gern von den Amerikanern kontrolliert, produziert und ausgeführt werden, es geht wie immer in Trumps Politik um Eigennutz", sagt Kappel.

Länder, die sich gegen die USA gestellt haben, wie Südafrika - das Land am Kap hatte jüngst auf dem G20-Gipfel gegen den Willen der abwesenden USA eine Abschlusserklärung auf den Weg gebracht - werden laut Kappel demontiert.

Elfenbeinküste Jacqueville 2022 | Anti-Terror-Übung Flintlock mit ivorischen Spezialkräften - Archivbild
Könnte auch die Militärhilfe zunehmen? US-überwachte Anti-Terror-Übung in der Elfenbeinküste 2022Bild: Sylvain Cherkaoui/AP/picture alliance

"Auch militärisch haben die Chinesen auf dem Kontinent stärker Fuß gefasst, jetzt sehen die USA, dass sie sich dort einbringen müssen, um den Kontinent nicht China, Russland und den BRICS-Staaten zu überlassen", sagt Kappel. So wolle Washington auch die Militärhilfe verstärken, erklärt er - und spricht von einem bevorstehenden "Aufrüstungswettbewerb".

Auch Silke sieht einen "Wettlauf 2.0" um Afrikas Ressourcen von globalen Großmächten, die ihre Präsenz auf dem Kontinent festigen wollen. "Es sei denn, die Afrikaner nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand und widersetzen sich dem Machtkampf auf ihrem Kontinent."