Trumps Kasino wird wohl geschlossen | Wirtschaft | DW | 02.09.2016
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Wirtschaft

Trumps Kasino wird wohl geschlossen

Rien ne va plus: Mit dem "Trump Taj Mahal" steht wieder ein Kasino in Atlantic City vor dem Aus. Dessen Niedergang verrät viel über die umstrittenen Geschäfte des US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump.

Am 2. April 1990 steigt in Atlantic City eine Party der Superlative: Hunderte Reporter, 75 000 Fans und Pop-Legende Michael Jackson als Stargast sind gekommen, um das "Trump Taj Mahal" einzuweihen - das größte und schillerndste aller Kasinos in der US-Glückspielhochburg. "Es ist ein wirklich großer Tag für mich", sagt der stolze Investor und Bauherr Donald Trump einem schwer beeindruckten TV-Reporter, der sich angesichts des Rummels gar an die Ankunft der Beatles in Amerika im Jahre 1963 erinnert fühlt.

Doch Trumps Frisur ist nicht das einzige, was damals noch deutlich besser in Form ist - die ruhmreichen Zeiten in Atlantic City sind lange vorbei. 26 Jahre später ist das "Taj Mahal" ein runtergekommenes Millionengrab, dessen Eigentümer rasch den Betrieb einstellen wollen.

Der Protztempel - bei seiner Eröffnung als "achtes Weltwunder" gefeiert - gilt als eine der umstrittensten Wetten des Immobilien-Moguls, TV-Stars und US-Präsidentschaftskandidaten Trump.

Das "Weltwunder" wird bestreikt

Die Glitzerfassade des "Taj Mahal" bröckelt schon lange, hinter den Kulissen sieht es finster aus. Davon können vor allem die Mitarbeiter ein Lied singen. Wie Barmann Keith Fullmer, der hier 16 Jahre lang die Drinks gemixt und die Gäste unterhalten hat. Jetzt demonstriert der 65-Jährige auf der Strandpromenade vor dem Kasino und skandiert mit dem Megafon: "Taj Mahal on strike!"

Seit Juli streiken er und seine Kollegen für bessere Arbeitsbedingungen. Doch die wird es wohl kaum geben, die Eigentümergesellschaft will den Betrieb nach dem US-Feiertag «Labor Day», der am kommenden Montag, dem 5. September, gefeiert wird, einstellen.

Die Zeche zahlen immer die anderen

Der Niedergang von Trumps Luftschloss ist eine Geschichte der hochriskanten Deal-Macherei und des Kasino-Kapitalismus. Sie sagt viel über die Art Geschäfte aus, mit denen sich Trump einen Namen als Baulöwe gemacht hat. Atlantic City ist wie ein Parcour gescheiterter Trump-Projekte, von seinem einstigen Kasino-Imperium ist nur noch das jetzt vor dem Aus stehende "Taj Mahal" übrig.

Donald Trump

Geschäftsmann durch und durch: Donald Trump

Trump selbst behauptet indes trotz vier Insolvenzen seiner Kasinogesellschaften großen Erfolg in der Stadt gehabt zu haben. "Das Geld, das ich da rausgeholt habe, war unglaublich", brüstete er sich gegenüber der "New York Times".

Die "Washington Post" nannte sein Kasino-Reich ein "Potemkinsches Dorf", ein großes Versprechen ohne jede Substanz. Die Zeche für Trumps waghalsige Finanzwette hätten aber letztlich andere zahlen müssen - etwa Kleinanleger, die Geld in seine Schrottanleihen steckten.

Der Tycoon selbst sieht die Pleiten dagegen als clevere Geschäftsstrategie: "Wir nutzen die Gesetze. Wir eröffnen ein Verfahren, wir verhandeln mit den Banken, wir machen einen fantastischen Deal", sagte er 2011 in der Talkshow "This Week".

Nur Ruinen sind geblieben

Was Atlantic City blieb, ist verbrannte Erde. Trump hat sich zwar schon 2009 weitgehend aus dem dortigen Kasino-Geschäft zurückgezogen. Doch er prägt die Stadt weiter, nicht nur durch das "Taj Mahal". Auf einem leer stehenden Betonklotz am westlichen Ende der historischen Strandpromenade etwa, wo früher das "Trump Plaza Casino" war, finden sich noch die verblassten goldenen Konturen seines Namens.

Die Immobilien des Donald Trump Trump Marina verkauft?

Die Kleinstadt Atlantic City in New Jersey hat voll auf das Glücksspiel gesetzt - und auf Donald Trump.

Es ist ein trister Anblick, seit zwei Jahren zerfällt das Gebäude und sorgt für eine gespenstische Atmosphäre auf der Promenade. Die letzten Anteile an der Kasino-Gesellschaft "Trump EntertainmentResorts" hat Donald Trump im März im Zuge des Insolvenzverfahrens abgegeben.

Der Milliardärskumpel fegt die Reste zusammen

Seitdem zieht sein Kumpel Carl Icahn die Fäden, dem bereits das "Tropicana Casino" in Atlantic City gehörte. Die New Yorker Milliardäre sind befreundet - als Präsident hätte Trump den Hedgefondsmanager gerne als Finanzminister.

Icahn behauptet, mit dem "Taj Mahal" bereits einen dreistelligen Millionenbetrag verbrannt zu haben. Schuld sei die kompromisslose Gewerkschaft, die eine Sanierung verhindere. Deshalb bleibe keine andere Wahl, als das Kasino zu schließen.

Alles Quatsch, meint Barmann Fullmer. Icahn betreibe ein Manöver, um die Gewerkschaft loszuwerden und mit Billiglöhnern weitermachen zu können. Da sei sogar Trump noch aufrichtiger gewesen: "Trump war einfach nur ein weiterer Drecksack, der sich in Atlantic City bereichern wollte". Icahn hingegen sei dabei, noch viel größeren Schaden anzurichten. "Es geht um 3000 Jobs, die ganze Stadt wird leiden". Altgediente Mitarbeiter, die von Anfang an dabei seien, würden auf der Straße landen. "Man muss verhindern, dass Finanzhaie von der Wall Street die Leben der Menschen hier zerstören."