Zwischen Glanz und Größenwahn: Paläste der Macht
Vom neuen Ballsaal im Weißen Haus bis zu Erdogans riesigem Präsidentenpalast in Ankara: Staatschefs und Regierungen weltweit errichten umstrittene Bauten, die Autorität und Dauerhaftigkeit symbolisieren sollen.

Ankara: Neoosmanische Pracht im Naherholungsgebiet
Der Präsidentenpalast in Ankara wurde 2011 bis 2014 im Auftrag von Recep Tayyip Erdogan errichtet, der damals noch nicht Staatspräsident war. Das Osmanische Reich stand hier stilistisch Pate. Dabei war von Anfang an der Baugrund in einem Naherholungsgebiet Ankaras umstritten. Das oberste Verwaltungsgericht der Türkei hat den Bau sogar für nicht rechtens erklärt. Erdogan kümmerte das nicht.
Washington D.C.: Das war der Ostflügel des Weißen Hauses
Um einen luxuriösen Ballsaal direkt beim Weißen Haus zu bauen, hat US-Präsident Donald Trump den Ostflügel seines Amtssitzes abreißen lassen. Der ist zwar nicht so historisch wie das Weiße Haus selbst - er stammt von 1942. Denkmalschützer sind gleichwohl entsetzt. Möglich wurde das, indem die Regierung Schwachstellen im Aufsichtssystem ausnutzte. Der Ballsaal wird von privaten Spendern bezahlt.
Bukarest: Gigantomanie eines Diktators
Als Haus des Volkes wurde in den 80er Jahren eines der flächenmäßig größten Gebäude der Welt errichtet. In der Bevölkerung hieß der Bau aber bald "Haus des Sieges über das Volk". Rumäniens kommunistischer Staatspräsident Nicolae Ceausescu ließ dafür große Teile der Bukarester Altstadt abreißen. Nach der Revolution 1989 wurde Ceausescu hingerichtet. Heute ist hier das Parlament untergebracht.
Ägyptens neue Verwaltungsstadt in der Wüste
Um Kairo zu entlasten, entsteht auf Initiative von Ägyptens Staatschef Abd al-Fattah as-Sisi rund 50 Kilometer östlich in der Wüste die "Neue Verwaltungshauptstadt" - einen richtigen Namen hat sie noch nicht. Bis 2030 soll dort auch das mit 1000 Metern höchste Gebäude der Welt stehen. Kritiker bemängeln die hohen Kosten, nach jüngsten Schätzungen etwa 60 Milliarden Euro.
Neu-Delhi: Prestigeprojekt an der Prachtstraße
Wie viele Gebäude des indischen Verwaltungsviertels Central Vista in Neu-Delhi stammt auch das Parlament (hinten im Bild) aus der britischen Kolonialzeit. Ein neues, deutlich größeres Gebäude (vorn) wurde 2023 eingeweiht. Doch die gesamte, drei Kilometer lange Prachtstraße Kartavya Path wird auf Initiative des indische Ministerpräsidenten Narendra Modi umgestaltet, für ihn ein Prestigeprojekt.
Äquatorialguinea: Umzug in den Dschungel
Der Präsidentenpalast für Teodoro Obiang steht schon - um ihn herum soll die neue Hauptstadt, Ciudad de la Paz, im Regenwald von Äquatorialguinea gebaut werden. Obiang regiert das Land diktatorisch seit 1979. Entsprechend intransparent verliefen bisher Planung und Finanzierung der "Stadt des Friedens". Die bisherige Hauptstadt Malabo liegt auf einer Insel vor der Küste Kameruns.
Sejong: Neue Hauptstadt Südkoreas mit Akzeptanzproblemen
Viel ist schon verwirklicht von diesem Modell von Sejong. Die Idee, die Hauptstadt Südkoreas ins Landeszentrum zu verlegen, kam 2003 vom damaligen Präsidenten Roh Moo-hyun. Er wollte eine gleichmäßigere Entwicklung des Landes fördern, doch es gibt bis heute politische und juristische Rückschläge. Viele Ministerien sind schon umgezogen, aber nicht jeder Beamte will das quirlige Seoul verlassen.
Berlin: Kanzleramt noch immer zu klein?
Das Berliner Bundeskanzleramt, oft Waschmaschine genannt, gilt als größter Regierungssitz der Welt, und doch ist das 2001 eingeweihte Gebäude angeblich schon zu klein. Ein Erweiterungsbau soll her, Kostenpunkt nach Regierungsangaben: 777 Millionen Euro. Der Bundesrechnungshof rügte schon die Ausgaben. Auch politisch ist der Erweiterungsbau angesichts angespannter Haushalte umstritten.
Berlin: Vom Schloss zum Palast der Republik und wieder zum Schloss
Die kommunistische DDR-Führung ließ 1950 das im Krieg beschädigte Stadtschloss der Hohenzollern-Monarchie sprengen. An seiner Stelle entstand ein neuer Palast, der Palast der Republik, im Volksmund Palazzo Prozzi (hier eine Aufnahme von 1980). Doch der ist schon wieder Geschichte, denn nach seinem Abriss bis 2008 wurde das Schloss wieder aufgebaut, wo heute das Humboldt-Forum untergebracht ist.