Trotz Festnahme bleibt Carlos Ghosn Renault-Chef | Aktuell Europa | DW | 21.11.2018
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Automobilbranche

Trotz Festnahme bleibt Carlos Ghosn Renault-Chef

In Japan sitzt er im Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm massiven Betrug vor. Dennoch belässt der französische Autobauer Ghosn auf seinem Posten als Vorstandschef. Ein Mann wird ihm aber zur Seite gestellt.

Frankreich Paris Carlos Ghosn (Reuters/R. Duvignau)

Noch kann sich Carlos Ghosn auf seinem Posten halten - die Frage ist, wie lange noch?

Vize-Generaldirektor Thierry Bolloré - bisher nach Carlos Ghosn die Nummer zwei im Renault-Konzern - soll vorläufig die gleichen Befugnisse wie Ghosn haben. Da Ghosn derzeit "verhindert" sei, übernehme Bolloré vorübergehend das operative Geschäft, teilte der Verwaltungsrat nach einer Sitzung mit.

Der gebürtige Brasilianer Ghosn, der auch die libanesische und die französische Staatsbürgerschaft hat, war am Montag verhaftet worden. Der mit Renault verbündete Autohersteller Nissan legt dem 64-Jährigen die Verschleierung seiner Einkünfte in Japan und die Veruntreuung von Firmengeldern zur Last.

Thierry Bolloré (Getty Images/AFP/E. Feferberg)

Das operative Geschäft bei Renault übernimmt jetzt Thierry Bolloré

Fast 40 Millionen Euro nicht deklariert, luxuriöse Wohnungen... 

Die Staatsanwaltschaft in Tokio erklärte, Ghosn habe bei den Steuerbehörden zwischen Juni 2011 und Juni 2015 Bezüge in Höhe von 4,9 Milliarden Yen (derzeit rund 37 Millionen Euro) angegeben - tatsächlich habe er fast zehn Milliarden Yen an Einkünften gehabt. Japanische Medien berichteten, eine Nissan-Tochter habe für Ghosn luxuriöse Wohnungen in vier Ländern gekauft, über die der Manager verfügen konnte. Laut dem Sender NHK strich Ghosn zudem Geld ein, das auf die Namen anderer Manager ausgezahlt wurde. 

Am Mittwoch meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo, Ghosn bleibe für zehn Tage in Haft. Auch Nissan-Direktor Greg Kelly müsse für diese Zeit ins Gefängnis.

Ghosn ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender von Renault, zugleich ist er Chef der Allianz zwischen Renault und den beiden japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi Motors. Bei Nissan galt der Manager lange als Retter. Nach dem Einstieg von Renault bei dem Autobauer 1999 machte er den vor der Pleite stehenden Konzern wieder profitabel. Erst im April 2017 gab er die Konzernführung von Nissan ab, blieb aber Vorsitzender des Verwaltungsrats. Bei Mitsubishi ist er ebenfalls Präsident des Verwaltungsrats. Beide Unternehmen wollen am Donnerstag über die Abberufung von Ghosn entscheiden.

Frankreich und Japan bekräftigen Bündnis 

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire forderte ein rasches Handeln, denn die derzeitige Lage schwäche die globale Auto-Allianz. Paris betreibe aber nicht die förmliche Ablösung des Topmanagers, versicherte er. "Wir haben keine Beweise. Wir sind in einem Rechtsstaat." Sollten sich die Vorwürfe gegen Ghosn aber bestätigen, sei das "von erheblicher Tragweite", sagte Le Maire. "Verschleiern, den Fiskus betrügen - das ist umso schlimmer in einer gehobenen Position und mit einem sehr hohen Gehalt." Der französische Staat hält 15 Prozent der Anteile an Renault.

In einer gemeinsamen Erklärung mit dem japanischen Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie, Hiroshige Seko, stellte sich Le Maire demonstrativ hinter die französisch-japanische Auto-Allianz, die bewahrt werden müsse. 

Ghosns Vertrag bei Renault war erst Anfang des Jahres noch einmal um vier Jahre verlängert worden. Der Vorstandschef hatte den Konzern aus der Krise geführt und 2017 mit einem Rekordgewinn von 5,2 Milliarden Euro das beste Jahr der Firmengeschichte erreicht.

se/nob (afp, dpa, rtr)

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