Trauer um den Prinzen | Kultur | DW | 09.04.2021
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Royals

Trauer um den Prinzen

Der Ehemann von Königin Elizabeth II. ist mit 99 Jahren verstorben. Menschen zeigen ihre Anteilnahme und kondolieren der königlichen Familie - in London und in aller Welt.

Großbritannien London | Tod von Prinz Philip | Trauerbekundungen Buckingham Palace

Trauerbekundungen vor dem Buckingham Palace

London am frühen Nachmittag: Eine bedrückende Stimmung macht sich in der britischen Hauptstadt breit, als die Nachricht vom Tod von Prinz Philip bekannt wird. In ganz Großbritannien wurden die Flaggen auf Halbmast gesenkt.

Nur zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag starb Prinz Philip in den frühen Morgenstunden des 9. April auf Schloss Windsor, westlich von London. Er litt schon lange an einem Herzleiden und war erst wenige Wochen zuvor aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Land und Krone

Prinz Philip, Duke von Edinburgh, sei weit mehr als nur der Prinzgemahl von Königin Elizabeth II. gewesen, wie Premierminister Boris Johnson in seiner Ansprache verkündete. Sein "selbstloser Dienst für das Land" und seine Karriere in der Royal Navy während des Zweiten Weltkriegs gehörten zu den Qualitäten, die ihn so herausragend machten, sagte Johnson.

Auch wenn der Prinz nicht gerade dafür bekannt war, sich überall Freunde zu machen, so brach sein Engagement für die Krone doch viele Rekorde: Neben der Begleitung der Königin bei allen 251 offiziellen Auslandsbesuchen im Laufe der Jahrzehnte, absolvierte Prinz Philip laut Buckingham Palace seit 1952 mehr als 22.000 Einzelengagements, vor allem als Schirmherr von 785 Organisationen. Erst 2017 zog er sich im Alter von 96 Jahren von seinen offiziellen königlichen Pflichten zurück.

Und trotz der eher frostigen Beziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Europäischen Union seit dem EU-Austritt im vergangenen Jahr, drückte auch die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen in einem Tweet ihr Beileid über den Tod des Dukes von Edinburgh aus:

Ähnliche Bekundungen kamen von vielen anderen Staats- und Regierungschefs, darunter dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau, dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und dem deutschen Außenminister Heiko Maas.

Menschen zeigten Anteilnahme auch jenseits der Straßen Londons: Lynda Martin, Beamtin aus Sheffield, sagte im DW-Gespräch, dass Prinz Philips "Vermächtnis Bestand haben wird". Ihre Gedanken seien jetzt bei der königlichen Familie. "Ich denke jetzt vor allem an die Königin, und wie sie damit zurechtkommen wird. Ich werde noch eine Weile brauchen, um zu begreifen, wie es sich auf mich auswirken wird. Kein Tod geht unberührt an einem vorbei."

Eine trauernde Nation

Jenseits der Politik gab es Beileidsbekundungen auch von Prominenten. So betonte etwa Fußballer Gary Lineker in einem Tweet ebenfalls die Bedeutung des Dienstes und der Hingabe, die der Duke von Edinburgh für Land und Krone geleistet hatte.

Weitere Kondolenzen kamen von Kulturschaffenden, wie etwa von dem Sänger Boy George. Prinz Philip sei "wie ein ungezogener Großvater" gewesen. 

Nicht jedermanns Liebling

Prinz Philip galt mitunter auch als unsensibel und politisch unkorrekt. Seine Ansichten wurden oft als zynisch und gar mürrisch wahrgenommen und grenzten mitunter an das, was als Rassismus wahrgenommen werden könnte. Obwohl er bestritt, irgendjemandem gegenüber eine ausgrenzende Haltung einzunehmen, hatte Prinz Philip Mühe, diesen Ruf abzuschütteln.

In den sozialen Medien gab es deswegen auch zahlreiche negative Kommentare als Reaktion auf die Nachricht von Prinz Philips Tod. Einige Nutzer gingen dazu über, Memes und andere Bilder zu teilen, um das Gegenteil von Trauer über den Verlust einer öffentlichen Führungsperson auszudrücken.

Eine Familienangelegenheit

Gerüchte über Philips Weltanschauung hatten nur einen Monat vor seinem Tod noch einmal Schlagzeilen gemacht, als sein Enkel Harry, der Herzog von Sussex, ein viel beachtetes TV-Interview mit seiner Frau, der ehemaligen US-amerikanischen Schauspielerin Meghan Markle, gab.

Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey hatte Markle während des Interviews gefragt, ob das Aussehen ihres Sohnes jemals ein Thema für ein Mitglied der königlichen Familie gewesen sei. Markle antwortete, dass ein "Senior Royal" Bedenken über die Hautfarbe ihres Sohnes Archie geäußert habe, der derzeit der Siebte in der Thronfolge ist. Daraufhin wurden im Netz Vermutungen geäußert, wonach diese Person Prinz Philip gewesen hätte sein können. Doch Winfrey bestätigte später, dass Harry ihr gesagt habe, dass weder Philip noch die Queen für die Bemerkungen verantwortlich gewesen seien.

Einige Fans des Dukes von Edinburgh stellten unterdessen die Theorie auf, dass der Stress, der auf diese Kommentare folgte, Philips Gesundheit über die Maßen stark zugesetzt habe.

Bescheidene Bestattung

Details zur Trauerfeier und Beisetzung wurden noch nicht bekannt gegeben. Während es zum königlichen Standardprotokoll gehört, für solche Eventualitäten lange im Voraus zu planen und ein präzises Protokoll einzuhalten, könnten die Dinge im Fall des Dukes von Edinburgh anders laufen als bei anderen Royals, die vor Prinz Philip gestorben sind.

Berichten zufolge hat sich Prinz Philip als Veteran der Royal Navy ein militärisches Begräbnis gewünscht. Der Gottesdienst wird wahrscheinlich in der St. George's Kapelle in Windsor Castle stattfinden.

Die pandemiebedingten Einschränkungen könnten die Pläne für ein großes Begräbnis jedoch durchkreuzen, obwohl sich Prinz Philip Medienberichten zufolge für eine eher einfache Beerdigung ausgesprochen hätte.

Schon zu Lebzeiten legte der Duke von Edinburgh stets einen Sinn für Bescheidenheit an den Tag, der sich am besten in einer Beschreibung widerspiegelt, die Queen Elizabeth II ihren Mann 1997 - damals anlässlich ihrer goldenen Hochzeit - formulierte:

"Er ist jemand, der nicht leicht Komplimente annimmt, aber er war ganz einfach meine Stärke und mein Halt in all den Jahren."

Adaption aus dem Englischen: Rayna Breuer

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