Tierische Gruselgeschichten | Wissen & Umwelt | DW | 31.10.2018
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Wissen & Umwelt

Tierische Gruselgeschichten

Auch im Tierreich kann es ganz schön schaurig zugehen. Parasiten verwandeln Käfer in willenlose Zombies und Spinnen-Babys fressen die eigene Mutter auf. Lust auf drei kurze Grusel-Geschichten zu Halloween? Bitteschön.

Grusel 1: Mama, du schmeckst so gut

Mutterliebe ist etwas so Schönes. Altruismus in Vollendung. Alles zum Wohl der lieben Kleinen. Manchmal bis zur Selbstaufopferung. Der Nachwuchs soll leben - auch wenn die Mutter draufgeht. Gibt's nicht, meinen Sie? Doch! Eine Spinnenart (Stegodyphus lineatus) betreibt diese extremste Form der "Mutterliebe": Die süßen Kleinen fressen - sobald sie hungrig aus ihren Eiern geschlüpft sind - die eigene Mutter auf.

Klingt gruselig, scheint aber in den Genen dieser Spinnen vorprogrammiert zu sein. Forscher haben herausgefunden, dass der Körper des Muttertiers schon vor der Eiablage stark abbaut. Dieser Prozess setzt sich fort und beschleunigt sich sogar, sobald der Nachwuchs geschlüpft ist.

Während dieses Verfalls im Zeitraffer-Tempo erbricht die sterbende Spinne ihre Körpersäfte, an denen sich die Babys laben. Kurz bevor die Mutter stirbt, saugen die Kleinen sie vollständig leer. Danach verlassen sie flugs das Nest.


Grusel 2: Willenlose Zombies

Marienkäfer sind als wilde Kämpfer und angsteinflößende Raubtiere bekannt. Vögel und andere Fressfeinde halten sich von ihnen fern. Denn nichts schmeckt widerlicher als das gelbe Sekret, das ein sich wehrender Marienkäfer aus sich herauspresst.

Diese Unantastbarkeit nutzt ein winziges Insekt auf perfide Weise für sich. Um selbst erfolgreicher zu überleben, sticht die drei Millimeter kleine Brackwespe (Dinocampus cocinellae) einem Marienkäfer in den Bauch und injiziert ihm ein Ei. Die schlüpfende Larve ernährt sich von den Körpersäften des Käfers und höhlt ihn langsam aus.

Trotzdem geht der Marienkäfer weiter auf Blattlausjagd, ernährt aber nicht sich, sondern den wachsenden Parasiten. Irgendwann wird's der Larve zu eng, sie zwängt sich durch einen Spalt im Panzer des Käfers ins Freie. Damit beginnt für sie die gefährlichste Phase. Sie muss sich in einen Kokon einspinnen und sich darin zur ausgewachsenen Wespe verwandeln. Also macht sie ihren noch immer lebenden Wirt zum willenlosen Leibwächter.

Solange keine Gefahr droht, verharrt der Marienkäfer regungslos, den Wespenkokon unter sich. Sobald sich aber ein Räuber nähert, schlägt er wild mit seinen Beinchen um sich und vertreibt den Angreifer. Erst wenn die Wespe schlüpft und davonfliegt, ist der Marienkäfer erlöst und stirbt.

Tiefsee Anglerfisch Video Still

Nicht erschrecken! Es ist nur ein Tiefsee-Anglerfisch

Grusel 3: Auf immer vereint

Tiefseefische müssen kreativ sein. Denn dort wo sie leben - in über 1000 Metern Meerestiefe - ist es stockdunkel, kalt und extrem schwierig, Fressen oder einen Partner zu finden. Um trotzdem über die Runden zu kommen, haben Tiefseefische die irrwitzigsten Strategien entwickelt, zum Beispiel riesige Mäuler oder Leuchtorgane. Der Tiefseeanglerfisch, der an sich schon gruselig daherkommt, hat sich etwas besonders Schauerliches ausgedacht, um seine Partnerin ein Leben lang an sich zu binden.

Bei den Anglerfischen sind die weiblichen Tiere im Vergleich zu den Männchen riesig. Bei der Art Ceratias holboelli beispielsweise werden die Weibchen 1,20 Meter lang, die Männchen gerade mal zwei Zentimeter. Trifft das Männchen nach meist frustrierend langer Suche im dunklen Schwarz der Tiefsee auf eine Partnerin, dockt es an und hört auf zu fressen. Dann wachsen die Häute des jungen Paares zusammen, später verbinden sich auch die Blutkreisläufe.

Schließlich bilden sich auch die Kieferknochen des Männchens zurück und es verschmilzt völlig mit dem Weibchen. Nur die Kiemen bleiben ihm und natürlich die Sexualorgane, denn die werden gebraucht. In dieser kümmerlichen Lage geben die Männchen - das ist alles, was sie noch können - bei Bedarf Samen ab. Bei einigen Tiefsee-Anglerfischen löst sich der gesamte männliche Körper bis auf die Hoden auf.

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