Thyssenkrupp sagt Aufspaltung ab - Stellenabbau geplant | Wirtschaft | DW | 10.05.2019
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Industriekonzern

Thyssenkrupp sagt Aufspaltung ab - Stellenabbau geplant

Das große Projekt von Konzernchef Kerkhoff steht vor dem Aus. Auch das angekündigte Joint-Venture mit Tata kippt - weil Brüssel wohl ein Veto eingelegt hätte. Zugleich will der Konzern 6000 Stellen streichen.

Duisburg ThyssenKrupp Stahlwerk (Getty Images/L. Schulze)

Hochfliegende Pläne: Stahlwerk von Thyssenkrupp in Duisburg (Archivbilder)

Thyssenkrupp will seine geplante Aufspaltung in zwei Teile absagen. Auch die vorgesehene Stahlfusion mit dem indischen Unternehmen Tata Steel sei vom Tisch, bestätigte der Industriekonzern in Essen. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48.000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Reuters über entsprechende Pläne berichtet. In dieser Meldung hieß es, die Konzernspitze erwäge nun eine Holdingstruktur - mit der Möglichkeit, die Aufzugssparte abzutrennen oder teilweise an die Börse zu bringen.

Gleichzeitig will der Konzern massiv Stellen einsparen. 6000 Jobs sollen wegfallen, davon 4000 in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bei einem Abbauprogramm dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen werden, ergänzte Personalvorstand Oliver Burkhard. In der Gesamtzahl seien 2000 Stellen enthalten, die auch bei der Stahlfusion mit Tata gestrichen werden sollten. "Es ist ein recht tiefgreifender Einschnitt", sagte Burkhard.

ThyssenKrupp AG Hauptversammlung 2019 (picture-alliance/SvenSimon/M. Ossowski)

Ausgebremst: Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff

Die ursprünglich geplante Unternehmensaufteilung in einen Industriegüter- und einen Werkstoffkonzern gilt als ureigenes Projekt des Vorstandsvorsitzenden Guido Kerkhoff, der seit knapp einem Jahr im Amt ist. Doch wegen des Kursverfalls der Thyssen-Aktien - am Mittwoch war der Kurs auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gesunken - hat die Aufspaltung nach Einschätzung von Experten keinen Sinn mehr.

Denn das konjunkturabhängige Werkstoffgeschäft sollte finanziell abgesichert werden, indem es an dem profitableren Industriegüterkonzern eine Beteiligung hält. Je weniger Thyssenkrupp allerdings wert ist, desto höher müsste die Beteiligung des Werkstoffkonzerns sein. Zudem wurden die Kosten der Aufspaltung im Konzern auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Auch deshalb habe die neue Aufsichtsratschefin Martina Merz das Vorhaben noch einmal auf den Prüfstand gestellt, meldet Reuters unter Berufung auf namentlich nicht genannten Insider.

Duisburg ThyssenKrupp Stahlwerk (Getty Images/M. Gottschalk)

Von der Rolle: Walzstahl auf Güterwaggongs

Die noch von Kerkhoffs Vorgänger Heinrich Hiesinger geplante Fusion des Stahlgeschäfts mit dem Rivalen Tata Steel würde von den europäischen Behörden vermutlich nicht genehmigt, teilte Thyssenkrupp inzwischen mit. Es gebe "fortbestehenden Bedenken der EU-Kommission". Daher habe man die "strategischen Optionen für das Unternehmen neu bewertet". Thyssenkrupp und Tata hatten 2018 die Fusion ihrer europäischen Stahlsparten beschlossen.

Hinfälliger Tarifvertrag

Für die rund 27.000 Stahlarbeiter des Unternehmens sei das Veto der EU-Kommission "ein harter Schlag", sagte Kerkhoff. Ihnen hätten die Fusion mit Tata "eine Zukunftsperspektive gegeben". Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis zum 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht. Dieser Tarifvertrag werde jetzt nicht in Kraft treten, sagte Personalvorstand Burkhard. 

Die Aktie des DAX-Unternehmens, das 160.000 Menschen beschäftigt, reagierte zwischenzeitlich mit einem Plus von mehr als 15 Prozent. Hintergrund sind die Hoffnungen von Investoren, die immer wieder einen Börsengang der Aufzugssparte gefordert hatten - wie er jetzt offenbar erwogen wird.

jj/cgn/qu (rtr, dpa)