Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann überraschend gestorben | Aktuell Deutschland | DW | 26.10.2020
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Deutschland

Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann überraschend gestorben

Seit 2005 saß Thomas Oppermann im Bundestag, führte vier Jahre lang die SPD-Fraktion und war seit 2017 Vizepräsident des Parlaments. Zuletzt hatte Oppermann seinen Rückzug angekündigt. Nun ist er mit 66 Jahren gestorben.

Der überraschende Tod von Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann hat parteiübergreifend tiefe Bestürzung ausgelöst. Der 66-jährige SPD-Politiker war am Sonntagabend nur Minuten vor einem geplanten Interview mit dem ZDF zusammengebrochen, wie der Fernsehsender erklärte. Zur Todesursache gab es zunächst keine Informationen.

SPD zeigt sich schockiert

Die SPD reagierte zutiefst schockiert. Die Parteivorsitzenden Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken sprachen der Familie, Oppermanns Frau und seinen vier Kindern, ihre Anteilnahme aus. "Wir sind tief erschüttert und trauern mit seinen Angehörigen", schrieb Walter-Borjans auf Twitter. 

"Unser Land verliert einen versierten Politiker, der Bundestag einen herausragenden Vizepräsidenten und die SPD einen leidenschaftlichen und kämpferischen Genossen, schrieb Vizekanzler Olaf Scholz und ergänzte: "Wir alle verlieren einen Freund - und sind traurig."

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich würdigte Oppermann für "seine beherzte und zupackende Art", die ihn zu einem außergewöhnlichen Politiker gemacht habe. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil schrieb auf Twitter, er habe Oppermann als Gesprächspartner und Ratgeber sehr geschätzt. "Man konnte lachen mit ihm. Seine Leidenschaft für Politik war für jeden spürbar. Sein viel zu früher Tod schockt mich."

Merkel: verlässlicher und fairer sozialdemokratischer Partner

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich bestürzt und tief traurig. "Ich habe ihn über viele Jahre als verlässlichen und fairen sozialdemokratischen Partner in großen Koalitionen geschätzt", sagte sie nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert über Oppermann. Als Vizepräsident des Bundestags habe sich der SPD-Politiker "in turbulenter Zeit um unser Parlament verdient gemacht".

Oppermann war nach ZDF-Angaben am Sonntag zum Thema "Bundestag und Corona" als Live-Interviewgast in die Sendung "Berlin direkt" eingeladen. Er sollte aus dem Göttinger Max-Planck-Institut in die Sendung geschaltet werden. Während der erste Beitrag lief, sei er aber plötzlich zusammengebrochen. Oppermann sei dann in die Universitätsklinik Göttingen gebracht worden. 

Schäuble: Er wird uns fehlen

Der in Niedersachsen politisch groß gewordene SPD-Politiker hatte Ende August angekündigt, bei der kommenden Bundestagswahl nicht erneut anzutreten. "Nach 30 Jahren als Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag und im Deutschen Bundestag ist für mich jetzt der richtige Zeitpunkt, noch einmal etwas anderes zu machen und mir neue Projekte vorzunehmen", erklärte er damals.

Gerade nach dieser Ankündigung habe Oppermann in sich geruht und sei aber zugleich "voller Vorfreude auf kommende Projekte" gewesen, berichtete Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. "Ich behalte ihn vor allem als Vollblut-Parlamentarier in Erinnerung." Als Abgeordneter im Bundestag habe sich Oppermann auf leidenschaftlich geführten Schlagabtausch verstanden, als Vizepräsident sei er zugleich auf die Wahrung der Würde des Hauses bedacht gewesen. "Er wird uns gerade in dieser - nicht zuletzt durch die Pandemie - ungemein herausfordernden Legislaturperiode sehr fehlen", erklärte Schäuble.

Seit 2005 im Bundestag

Oppermann war seit 1980 Mitglied der SPD und saß seit 2005 im Bundestag. Seinen Wahlkreis Göttingen gewann er viermal hintereinander direkt. Von 2013 bis 2017 führte er als Vorsitzender die SPD-Bundestagsfraktion, seit der Bundestagswahl 2017 bekleidete er das Amt des Bundestags-Vizepräsidenten. Zuletzt hatte er sich besonders für eine Verkleinerung des Bundestags und eine Reform des Wahlrechts eingesetzt. Bevor er in den Bundestag einzog, war Oppermann in der niedersächsischen Landespolitik aktiv und unter anderem Wissenschaftsminister.

ww/AL (dpa, afp)

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