Thailand: Rappen gegen die Militärdiktatur | Aktuell Asien | DW | 13.11.2018
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Meinungsfreiheit

Thailand: Rappen gegen die Militärdiktatur

Ein Musikvideo, in dem Rapper offen die Regierung kritisieren, macht gerade in Thailand Furore - denn für Majestätsbeleidigung kann man in der konstitutionellen Monarchie schnell mehrere Jahre ins Gefängnis kommen.

"Das Parlament ist ein Spielplatz der Soldaten", "Die Armen müssen sterben, weil sie keine Krankenversicherung haben" und "Mein Land steckt dir eine Pistole in den Hals" - so lauten einige der Liedzeilen aus "Prathet Ku Mee" ("Mein Land hat"), einem Musikclip, der bei Youtube mittlerweile über 34 Millionen Aufrufe hat.

Es sind Töne, die für thailändische Musiker äußerst kritisch sind. Denn in Thailand ist Majestätsbeleidigung eine Straftat, der man schon bezichtigt werden kann, wenn man etwa die im Königreich grassierende Korruption nur erwähnt.

Von den zehn Hiphop-Musikern, die sich als Gruppe "Rap against Dictatorship" (RAD) nennen, maskieren sich in dem Video zwar einige - wohl aus Sorge vor Verfolgung. Inhaltlich jedoch nehmen die jungen Männer kein Blatt vor den Mund und machen von Zensur, über Korruption bis hin zu sozialer Ungleichheit einen Rundumschlag. Die Szenen in dem Musikclip erinnern mitunter an den Angriff von Thailands Militärs auf Studenten der Thammasat-Universität in Bangkok im Jahr 1976.

Sprachrohr der Unzufriedenheit

Der Erfolg des Lieds zeigt, wie unzufrieden viele Thailänder mit der Militärdiktatur sind, mehr als vier Jahre nachdem Thailands Generäle die gewählte Premierministerin Yingluck Shinawatra stürzten. Jacoboi, einer der Rapper von RAD, erklärt: "Die Leute, die den Song hören, sollen sich auch trauen, offen zu sagen, was sie denken." Es sei ein Problem, dass Thailänder nicht dazu erzogen würden, kritisch zu denken, so Jacoboi weiter.

Doch nach einem mehr als zehn Jahre andauernden Machtkampf zwischen den royalistischen sogenannten Gelbhemden und den Rothemden, die dem 2006 entmachteten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra nahe stehen, scheinen gerade junge Thailänder genug zu haben. Der Erfolg des Rap-Videos könnte die Militärjunta kurz vor den für Februar versprochenen Wahlen in Bedrängnis bringen.

Regierung produziert Konter-Video

Zu einem Problem könnte der Musikclip aber auch für die Rapper selbst werden. Bislang hielt sich das Militärregime zwar - wohl um sein Image vor den Wahlen nicht weiter zu beschädigen - mit Reaktionen für seine Verhältnisse zurück. Stattdessen brachte es ein eigenes Musikvideo mit dem Titel "Thailand 4.0" heraus, in dem Thailand als fortschrittliches Land voller junger, erfolgreicher Menschen präsentiert wird. 

Doch da die Junta in den letzten Jahren schon öfter Regimekritiker hinter Gitter gebracht und bereits Ermittlungen gegen RAD angekündigt hat, könnte es immer noch ein böses Erwachen für die Rapper geben. K.Iglet, mit 22 der Jüngste der Gruppe, gibt zu: "Ein bisschen Angst habe ich schon. Aber das ist meine Sicht der Dinge und ich werde weitermachen."

ie (afp, dpa)

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