Tausende gehen in Simbabwe gegen Mugabe auf die Straßen | Aktuell Afrika | DW | 18.11.2017
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Machtkampf in Simbabwe

Tausende gehen in Simbabwe gegen Mugabe auf die Straßen

Die Macht des greisen Präsidenten ist vollends erodiert. Die Menschen in Simbabwe fürchten sich nicht mehr vor seiner einst brutalen Gewalt. Die Militärputschisten werden auf den Straßen gefeiert.

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Simbabwe: Massenproteste gegen Langzeitpräsident Mugabe

In der simbabwischen Hauptstadt Harare und in der zweitgrößten Stadt Bulawayo feierten die Menschen zu Tausenden den erwarteten Sturz von Präsident Robert Mugabe. Die Demonstranten schwenkten Landesfahnen und umarmten Soldaten. Auf Plakaten war zu lesen: "Nein zu einer Mugabe-Dynastie".

Der Massenprotest begann am Samstagmorgen in ausgelassener Stimmung, viele Menschen sangen und skandierten Anti-Mugabe-Slogans. Zu der Demonstration hatten Teile der bisherigen Regierungspartei, die Opposition und zahlreiche zivilgesellschaftliche Gruppen aufgerufen.

Das Militär hatte die Demonstration ausdrücklich genehmigt. Die noch bis vor kurzem von dem meisten Simbabwern gefürchteten Soldaten saßen am Rande der Demonstration auf ihren gepanzerten Fahrzeugen. Einige winkten den Demonstranten, andere standen für Selfies parat. Viele feierten Simbabwes Militär (ZDF) als die neuen Befreier des Landes. Westliche Reporter schätzten die Zahl der Protestierer auf mehrere Zehntausend. Für die Simbabwer eine ungewohnte Situation. Waren doch in den vergangenen Jahren sämtliche Initiativen durch Mugabes Regierungsapparat im Keim erstickt worden. 

Proteste auch in Südafrika

Auch vor simbabwischen Konsulaten im Ausland, etwa im südafrikanischen Johannesburg wurde protestiert. "Wir sind hier, weil wir feiern. Wir wollen einfach, dass Mugabe jetzt abtritt", sagte ein arbeitsloser Demonstrant. "Wir danken den Generälen", fügte der 35-Jährige hinzu, der in seinem Leben nie einen anderen Präsidenten als Mugabe kennengelernt hat. "Wir wollen ein neues Simbabwe", sagte eine 50 Jahre alte weiße Demonstrantin. Wie zahllose andere hatte sie sich für den Protestmarsch in Simbabwes farbenfrohe Landesfahne gehüllt. "Wir wollen, dass nun alle Simbabwer zusammenkommen und das Land wieder auf Kurs bringen", sagte sie.

Das Militär hatte erklärt, friedliche Proteste unterstützen zu wollen. Kurz zuvor hatten alle zehn Landesverbände der Regierungspartei ZANU-PF beschlossen, Mugabe das Vertrauen zu entziehen. Der 93-jährige Staatschef, der seit 1980 an der Macht ist, sei zu alt, um Partei und Regierung zu führen, hieß es. Mugabe hatte die Partei bislang fest im Griff.

Auch der Nachbar Südafrika setzt inzwischen auf einen Wandel in Simbabwe. Präsident Jacob Zuma sagte, er sei vorsichtig optimistisch, dass sich die Situation einvernehmlich lösen lasse. Es gebe eine Verpflichtung, "das Volk von Simbabwe" zu unterstützen. 

Mugabe wird nicht gewaltsam entfernt

Der Langzeitpräsident wurde nach dem Putsch vom Mittwoch zeitweilig unter Hausarrest gestellt. Die Militärführung will ihn zur Amtsaufgabe drängen. Auslöser der Intervention war die Entlassung von Vizepräsident Emmerson Mnangagwa in der vergangenen Woche. Offenbar wollte Mugabe seine Ehefrau Grace zur Vizepräsidentin ernennen, die sowohl beim Militär als auch in der Bevölkerung unbeliebt ist.

Die Putschisten wollen nach Mugabes erwarteten Abgang dem Vernehmen nach Platz für eine Übergangsregierung machen, wahrscheinlich unter Führung von Mnangagwa. Er genießt den Rückhalt von Militär und Regierungspartei sowie von den einflussreichen Kriegsveteranen, die mit zu dem Protestmarsch aufgerufen hatten.

rb/jj (ap, dpa, epd, rtr)

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