Tausende Akademiker in der Türkei entlassen | Aktuell Europa | DW | 24.12.2017
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Europa

Tausende Akademiker in der Türkei entlassen

Die Namenslisten werden immer länger: Weil sie der Regierung von Präsident Erdogan unliebsam sind, werden massenhaft Intellektuelle und Beamte kaltgestellt. Ankara kündigte nun eine massive Neueinstellungs-Welle an.

Türkei Akademiker und Studenten während eines Protestes (Getty Images/AFP/A. Altan)

Akademiker während eines Protests im Februar an der Universität Ankara

In der Türkei sind mehr als 2700 weitere Staatsangestellte entlassen worden. Die Regierung wirft ihnen vor, sie seien in den Putschversuch vom Juli 2016 verwickelt. Wie aus einem im Amtsblatt veröffentlichten Dekret hervorgeht, wurden 637 Militärbedienstete und 105 Akademiker ihres Postens enthoben, ebenso Mitarbeiter des Innen-, Außen- und Verteidigungsministeriums. Ihnen werden Verbindungen zu "Terrororganisationen" vorgeworfen. Mit dem Dekret wurden zudem 17 Organisationen verboten, darunter zwei Zeitungen und sieben Vereine.

Nach den massenhaften Entlassungen will die Regierung in Ankara im kommenden Jahr Abhilfe schaffen und 110.000 neue Beschäftigte im öffentlichen Dienst einstellen. Das kündigte Ministerpräsident Binali Yildrim in der südtürkischen Stadt Kilis an. Dabei soll es auch um 20.000 neue Lehrer und 36.000 Mitarbeiter im Gesundheitswesen gehen. 

Feigenblatt für hartes Vorgehen

Seit dem gescheiterten Militärputsch vom Juli 2016 wurden in der Türkei bereits mehr als 140.000 Personen aus dem Staatsdienst entlassen, darunter Richter, Lehrer und Wissenschaftler. Mehr als 55.000 Menschen wurden inhaftiert, darunter zahlreiche Journalisten, Oppositionelle und Wissenschaftler. Die türkische Führung macht die Bewegung des in den USA lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich.

Kritiker werfen der Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan vor, den Putschversuch und den danach verhängten Ausnahmezustand als Vorwand zu missbrauchen, um sämtliche Regierungskritiker aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen und auch gegen kurdische Oppositionelle, kritische Journalisten, unabhängige Wissenschaftler und andere Gegner Erdogans vorzugehen. Die harten Maßnahmen der Regierung werden international scharf kritisiert. 

jj/jv (afp, rtr)

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