Tanztheater Pina Bausch: Heftiger Streit um Intendantin Adolphe Binder | Kultur | DW | 09.07.2018
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Tanztheater Wuppertal

Tanztheater Pina Bausch: Heftiger Streit um Intendantin Adolphe Binder

Nach nur einer Spielzeit fordert die Geschäftsführung die Absetzung der Intendantin des berühmten Tanztheaters. Die Tänzer sind entsetzt und bangen um die Zukunft der Compagnie. Diese Woche soll eine Entscheidung fallen.

Für die Tänzer war es ein Schock. Sie befinden sich derzeit auf Gastspielreise, während die Nachrichten in Wuppertal sich überschlagen. Mitte letzter Woche berichteten die lokalen Zeitungen, dass der Beirat des Tanztheaters Pina Bausch über die Absetzung der Intendantin Adolphe Binder diskutiert hätte. Die Entscheidung wurde letztendlich vertagt, die Beziehung zwischen Binder und dem Geschäftsführer Dirk Hesse aber gilt als zerrüttet. 

"Es ist schrecklich traurig", sagte die spanische Tänzerin Nazareth Panadero, die seit fast 40 Jahren Mitglied der Pina Bausch Kompanie ist, am Sonntag  (8.7.) im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Sie sei sehr betroffen. Wenn Binder gehen müsse, sei das eine "schreckliche Kastration".

Das Erbe bewahren, ohne "ein Museum zu werden"

Adolphe Binder hat ihren Posten als Intendantin und künstlerische Leiterin des weltberühmten Tanztheaters erst im Mai 2017 angetreten. Ihr Vertrag läuft offiziell noch bis 2022. Unter ihrer Leitung studierte das 36-köpfige Ensemble erstmals abendfüllende Arbeiten anderer Choreographen ein.

BdT Deutschland Goethepreis an Pina Bausch (AP)

Pina Bausch 2008 - knapp ein Jahr vor ihrem Tod

Bis dahin hatte die Compagnie, die 1973 gegründet wurde, ausschließlich Werke von Pina Bausch gezeigt. Nach ihrem Tod im Jahr 2009 führten die Tänzer ihre Arbeit fort und zeigten die Stücke der berühmten Choreographin weiterhin in der ganzen Welt. Die neuen Inszenierungen sollen das Repertoire der Kompanie ergänzen. Und das sei auch gut so, meint Nazareth Panadero. Schließlich wolle man kein Museum werden. Man müsse neue Kreationen schaffen und zugleich das Erbe von Pina Bausch bewahren. Sie könne nicht für die ganze Compagnie sprechen, aber sie selbst hoffe sehr, dass Adolphe Binder bleibe. 

Streit um den neuen Spielplan

Einer der Vorwürfe, die gegen Adolphe Binder erhoben werden, ist, dass sie es noch nicht geschafft habe, einen Spielplan für die kommende Saison 2018/2019 vorzulegen. Ob das nun daran liegt, dass ihr Entwurf mangelhaft war oder schlicht an den Meinungsverschiedenheiten zwischen ihr und dem Geschäftsführer Dirk Hesse, lässt sich von außen nur schwer beurteilen. In jedem Fall gab es wohl einen Spielplan, bestätigt auch Nazareth Panadero, "nur war der von der Geschäftsführung nicht akzeptiert".

Die Tänzer stehen bei einer Probe zusammen auf der Bühne (picture alliance/Tanztheater Wuppertal Pina Bausch/dpa/Franziska Strauss)

Einer der Klassiker von Pina Bausch: Proben für das Stück "Die sieben Todsünden"

Das Thema beschäftigt inzwischen auch die Politiker in Berlin. Der Bund unterstützt das für 2022 geplante "Pina-Bausch-Zentrum". In einer Pressemitteilung erklärte Helge Lindh, SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses für Kultur und Medien, dass es falsch sei, einen solchen Konflikt in der Öffentlichkeit auszutragen. Die gegen die Intendantin erhobenen Vorwürfe müssten von den zuständigen Gremien beurteilt und aufgeklärt werden. "Weder das Tanztheater, noch das geplante Zentrum oder der Name 'Pina Bausch' dürfen in diesem Prozess Schaden nehmen", so Lindh. 

Der Beirat der Tanz-Compagnie soll diese Woche erneut tagen. Für die Tänzer heißt es indes erst einmal weitermachen. Noch bis zum 12. Juli treten sie mit dem Stück "Nefés" im Théâtre des Champs-Élysées in Paris auf. 

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