Tansanias Präsident John Magufuli gestorben | Aktuell Welt | DW | 17.03.2021
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Afrika

Tansanias Präsident John Magufuli gestorben

Sein Umgang mit der Corona-Pandemie provozierte. In seiner Heimat war er geliebt und verhasst. Nun ist John Magufuli gestorben - ob im Zusammenhang mit COVID-19 bleibt zunächst offen.

Mit Gottvertrauen und Heilkräutern glaubte Tansanias populistischer Staatschef John Magufuli an einen Erfolg im Kampf gegen COVID-19. Die Existenz der Krankheit bestritt er lange. Von einer Lungenkrankheit oder Atembeschwerden sprach er stattdessen. Jetzt ist Magufuli im Alter von 61 Jahren gestorben. Nach Angaben von Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan erlag er am Mittwoch in einem Krankenhaus in Daressalam einer chronischen Herzrhythmusstörung, an der er seit mehr als einem Jahrzehnt litt. Damit trat sie Gerüchten einer COVID-19-Erkrankung Magufulis entgegen.

Zuvor war tagelang über den Gesundheitszustand des Präsidenten gerätselt worden, der zuletzt am 27. Februar in der Öffentlichkeit gesehen worden war. Unter anderem der im Exil lebende Oppositionspolitiker Tundu Lissu hatte Spekulationen über eine COVID-19-Erkrankung Magufulis angeheizt. "Mit seiner zerstört am Boden liegenden COVID-Leugnerei hat sich seine Gebete-statt-Wissenschaft-Verrücktheit als tödlicher Bumerang erwiesen", schrieb er. Nach seinen Informationen war Magufuli schwer krank zunächst zur Behandlung in ein Krankenhaus der kenianischen Hauptstadt Nairobi und danach nach Indien gebracht worden.

Gefahr durch das Coronavirus heruntergespielt

Magufuli spielte mehrfach die Gefahr durch das Coronavirus herunter und stellte die Glaubwürdigkeit von Corona-Tests infrage. Stattdessen rief er die rund 58 Millionen Einwohner der einstigen deutschen Kolonie als überzeugter Christ zu dreitägigen Gebeten gegen "Atemwegsleiden" auf und glaubte sein Land danach zunächst frei von Corona. Neuinfektionszahlen veröffentlichte Tansania schon seit Mai 2020 nicht mehr. 

Magufuli forderte das Gesundheitsministerium zur Vorsicht mit den im Ausland entwickelten Impfstoffen auf und stellte infrage, wie sie so schnell hätten entwickelt werden können. Anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern, wo sich im Vorjahr per Flugzeug einreisende ausländische Urlauber erst in eine mehrtägige Quarantäne begeben mussten, öffnete er das ostafrikanische Land dem Tourismus. Erst im Februar diesen Jahres riet er zum Schutz durch Masken - nur aus heimischer Produktion.

Der Außenminister von Togo, Robert Dussey, zeigte sich schockiert über den Tod Magufulis. In einem Interview der Deutschen Welle sagte Dussey: "Die Situation, die der afrikanische Kontinent und jedes unserer Länder heute durchmachen, hat es verdient, dass wir uns viel stärker bewusst werden, was für unsere Länder auf dem Spiel steht." Damit spielte er offenbar auf den Umgang mit der Pandemie in Tansania wie auch die Spekulationen über die Todesursache bei Magufuli an. Konkreter äußerte sich Dussey aber nicht.

Magufuli polarisierte 

Magufuli, der 2015 an die Macht kam und wegen seines kompromisslosen Führungsstils mitunter auch "Bulldozer" genannt wurde, polarisierte in dem ostafrikanischen Land. Von Befürwortern wurde er unter anderem wegen seines Führungsstils, großer Infrastruktur-Projekte und dem Versprechen der Korruptionsbekämpfung unterstützt. Kritiker und Menschenrechtler aber verurteilten seine zunehmenden Beschränkungen von Presse- und Meinungsfreiheit sowie der Arbeit von Oppositionsgruppen.

"Repressive Gesetze mit breiten Bestimmungen haben den Behörden weitreichende Befugnisse gegeben, Kritiker zum Schweigen zu bringen und Medien, NGOs und politische Parteien von ihrer Arbeit abzuhalten", urteilte etwa Amnesty International. Die Menschenrechtsbilanz in Tansania sei unter Magufuli stetig gesunken, stellte die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) fest.

Umstrittene Wiederwahl im vergangenen Jahr

Im vergangenen Jahr sicherte sich Magufuli in einer umstrittenen Wahl ein zweites Mandat. Dabei schreckte er auch nicht vor der Drangsalierung von Oppositionsführer Lissu zurück. Etliche Oppositionelle wurden festgenommen und Proteste unterdrückt. Doch vor allem zuletzt sein Umgang mit der Corona-Pandemie hat den Ruf von Magufuli dauerhaft geprägt.

Der mit einer Lehrerin verheiratete Farmer-Sohn wurde am 29. Oktober 1959 im westlichen Chato-Distrikt geboren und arbeitete zunächst selbst als Lehrer, bevor er an der Universität von Daressalam als Chemiker promovierte und dann in die Politik ging. Dort machte er sich als Parlamentarier und dann als Minister in mehreren Ressorts schnell einen Namen. Nach seinem Tod übernimmt per Verfassung nun Vizepräsidentin Samia Suluhu Hassan das höchste Amt im Land bis zur nächsten Wahl 2025.

ww/cw (dpa, afp, rtr)