Tansania wartet auf den Wahlsieger | Afrika | DW | 26.10.2015
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Afrika

Tansania wartet auf den Wahlsieger

Einen Tag nach der Präsidentschaftswahl warten die Menschen in Tansania gespannt auf die Ergebnisse. Opposition und Regierungspartei geben sich siegessicher. Auf den Inseln von Sansibar ist die Situation angespannt.

Sonntags ist der Großmarkt Kariakoo in der Metropole Dar es Salaam normalerweise gut besucht. Doch gestern war es dort, wie in vielen anderen Ecken der Stadt, menschenleer. Händler und Kunden waren in den Wahllokalen - so wie die meisten der 23 Millionen Menschen, die sich im ganzen Land zur Wahl angemeldet hatten.

Obwohl die offiziellen Ergebnisse noch nicht bekannt sind, gilt die Präsidentschaftswahl in Tansania jetzt schon als historisch. Die regierende Partei Chama Cha Mapinduzi (CCM, auf deutsch: Revolutionspartei) und ihre Vorgängerin halten sich seit 54 Jahren an der Macht. Nun bekommt die CCM erstmals ernsthafte Konkurrenz von der Opposition. Überall im Land sitzen Bürger vor ihren Radios und Fernsehern und verfolgen gespannt die ersten Ergebnisse aus den einzelnen Wahlkreisen, die die Wahlkommission bekannt gibt. Wer wird Tansanias nächster Präsident? Der Kandidat der Regierungspartei John Magufuli oder Edward Lowassa, der von der Oppositionspartei CHADEMA (Partei für Demokratie und Entwicklung) ins Rennen geschickt und von einem Oppositionsbündnis mit drei weiteren Parteien unterstützt wurde? Das Endergebnis will die Wahlkommission frühestens am Mittwoch verkünden.

Größtenteils friedlicher Ablauf

Albinos und Menschen mit Behinderung durften zuerst Wählen

Albinos und Menschen mit Behinderung durften zuerst Wählen

Trotz des harten Wahlkampfes zwischen der Regierungspartei und den Oppositionsparteien verlief der Wahlsonntag größtenteils friedlich. Menschen mit Behinderung, Alte, Schwangere und Mütter mit kleinen Kindern hatten Vorrang und mussten sich nicht an den langen Schlangen anstellen. "Heute waren wir als erste dran", freut sich Bernadeta Alfred, die an Albinismus leidet. "Wir wünschen uns, dass der zukünftige Präsident für mehr Sicherheit für uns Albinos sorgt, damit wir auch in Freiheit leben können." Wegen des Aberglaubes, ihre Körperteile brächten Reichtum und Erfolg, wurden in der Vergangenheit in Tansania immer wieder Albinos ermordet oder deren Körperteile abgehackt und verkauft.

Dieses Jahr mussten sich die Wähler in Tansania zum ersten Mal biometrisch registrieren: Neben Namen, Geburtsdatum und Adresse wurden auch Fingerabrücke genommen und Fotos gemacht. Trotzdem konnten einige Menschen nicht wählen, weil ihre Namen nicht in der Datenbank zu finden waren.

Verzögerungen am Wahltag

Um Unruhen zu vermeiden, durften Wähler keine sichtbaren Parteizeichen tragen, wenn sie zum Wahllokal gingen. Außerdem sollten alle, die bereits ihre Stimme abgegeben hatten, einen Abstand von 200 Metern zum Wahllokal einhalten. Vor allem Oppositionsanhänger wollten in der Nähe bleiben, in der Hoffnung, sie könnten so Wahlbetrug verhindern.

Die offizielle Wahlzeit von sieben Uhr morgens bis 16 Uhr nachmittags konnte nicht überall eingehalten werden. An einigen Wahllokalen wurde das Material zu spät geliefert. Im Dar es Salaam blieben deswegen sogar 24 Wahllokale den ganzen Tag geschlossen. Dort fand die Wahl erst am Montag statt. Die Menschen nehmen es gelassen. "Gestern konnten wir nicht wählen, weil es nicht genug Material gab", sagt ein Arzt. "Aber das ist normal. Jetzt haben wir von unserem Grundrecht Gebrauch gemacht."

Polizeieinsatz in Sansibar

Während es auf dem Festland friedlich bleibt, ist die Polizei auf den Inseln von Sansibar in vollem Einsatz. In der Nacht zum Montag kamen drei Jugendliche mit Schussverletzungen durch Polizeiwaffen ins Krankenhaus. Außerdem seien viele Jugendliche festgenommen worden, weil sie Unruhen gestiftet haben sollen, sagte ein Polizist der DW. Die Polizei setzte Wasserwerfer gegen Anhänger von Sansibars führender Oppositionspartei CUF (Vereinte Bürgerfront) ein. In der Innenstadt sind auch am Montag noch sämtliche Hauptstraßen gesperrt und es herrscht eine starke Polizeipräsenz.

Oppositionskandidat der CUF, Seif Sharif Hamad, hat sich vor dem offiziellen Ergebnis zum Sieger erklärt

Oppositionskandidat der CUF, Seif Sharif Hamad, hat sich vor dem offiziellen Ergebnis zum Sieger in Sansibar erklärt

Als halbautonomer Teilstaat Tansanias hat Sansibar einen besonderen Status. Neben dem Staatspräsidenten, der für das ganze Land zuständig ist, gibt es dort einen eigenen Präsidenten für die Belange Sansibars. Diesen Posten beansprucht Maalim Seif Sharif Hamad für sich. Obwohl die Wahlzettel noch gezählt werden, hat sich der Präsidentschaftskandidat der CUF bereits zum Sieger erklärt. "Die Wahlkommission soll diese Ergebnisse bekannt geben", sagte er der DW bei einem Pressetermin. Er sei sich sicher, dass er 52 Prozent der Stimmen bekommen habe - seine Partei habe die Ergebnisse aller Wahlstationen zusammengezählt. Und auch im Bezug auf das Amt des Staatspräsidenten geben sich einige siegessicher. In einem Twitter-Post verkündete der prominente Parlamentarier January Makamba, dass John Magufuli von der Regierugspartei CCM am 29. Oktober als neuer Präsident Tansanias vereidigt werde.

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