Taliban streben ″inklusive Regierung″ an | Aktuell Asien | DW | 21.08.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Afghanistan

Taliban streben "inklusive Regierung" an

Die radikal-islamischen Taliban möchten zeitnah ihre Vorstellungen präsentieren, wie Afghanistan künftig regiert werden soll. Erste Verhandlungen laufen wohl schon.

Afghanistan I Mullah Abdul Ghani Baradar

Könnte der neue "starke Mann" Afghanistans werden: Mullah Abdul Ghani Baradar

Rund eine Woche nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan ist ihr Mitbegründer Mullah Abdul Ghani Baradar zu Gesprächen über eine Regierungsbildung nach Kabul gereist. Baradar werde "mit Dschihadistenführern und Politikern zusammentreffen, um eine inklusive Regierung zu bilden", sagte ein hochrangiger Taliban-Vertreter.

Baradar war im Jahr 2010 in Pakistan inhaftiert worden, bis er 2018 auf Druck der USA freigelassen und nach Katar überführt wurde. In dieser Woche kehrte er schließlich nach Afghanistan zurück.

Ansprechpartner Washingtons

In Katar hatte Baradar das politische Büro der Taliban geleitet. Er verantwortete im Februar 2020 die Unterzeichnung eines Abkommens mit der Regierung des damaligen US-Präsidenten Donald Trump, das den Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan regelte. Nun wird Baradar als möglicher neuer Regierungschef gehandelt.

Katar Unterzeichnung Abkommen USA mit Taliban

Unterzeichnung in Doha: Baradar (r.) mit dem US-Sondergesandten Zalmay Khalilzad

Binnen Wochen werde ein Rahmenplan vorliegen, wie das Land künftig geführt werden soll, hieß es aus Kabul. Man strebe zwar keine Demokratie nach westlichem Vorbild an, aber es sollten "die Rechte von allen geschützt" werden. Berichte über Gräueltaten eigener Kämpfer werde man untersuchen, versicherten die Taliban.

Afghanische Bürger sowie internationale Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen hatten zuletzt von harten Vergeltungsaktionen berichtet. So soll es insbesondere Versuche geben, Menschen dingfest zu machen, die Regierungsposten bekleidet, die Taliban kritisiert oder für die USA gearbeitet haben. Demnach fürchten ganze Familien um ihr Leben und verstecken sich vor Bewaffneten, die von Haus zu Haus unterwegs sind.

Westliche Länder versuchen derzeit händeringend, ihre Landsleute und von Verfolgung bedrohte Afghanen mit Evakuierungsflügen außer Landes zu bringen. Am Flughafen in Kabul herrscht anhaltend Chaos

wa/nob (afp, rtr)

Die Redaktion empfiehlt