Taliban erlauben Rotem Kreuz wieder das Engagement am Hindukusch | Aktuell Asien | DW | 15.09.2019
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Afghanistan

Taliban erlauben Rotem Kreuz wieder das Engagement am Hindukusch

Im April hatten die Islamisten dem IKRK jede Tätigkeit in ihrem Machtbereich verboten. Nun wollen die Taliban die Rotkreuz-Helfer wieder schützen. Die Versorgungslage ist derzeit katastrophal, auch wegen Stromausfällen.

Eine IKRK-Fahrzeug in der Stadt Kundus (Foto: Getty Images/AFP)

Eine IKRK-Fahrzeug in der Stadt Kundus (Archivfoto)

Nach fünfmonatiger Zwangspause hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seine Arbeit in Afghanistan wieder in vollem Umfang aufgenommen. Grund ist, dass die radikalislamischen Taliban ein Mitte April ausgesprochenes Verbot für das Rote Kreuz aufgehoben haben, in dem vom Bürgerkrieg gezeichneten Land Hilfe zu leisten. In einer Erklärung der Islamisten heißt es nun, alle Taliban-Kämpfer sollten für die Sicherheit der Mitarbeiter der Hilfsorganisation Sorge tragen.

Bergung von Leichen, Besuche bei Kriegsgefangenen

Die Sprecherin des Komitees in Afghanistan, Roya Musawi, sagte, nach Veröffentlichung der Erklärung gingen die Mitarbeiter nun in allen Teilen des Landes wieder an die Arbeit. Dazu gehörten vor allem die Bergung von Leichen und Besuche bei Kriegsgefangenen. Mehr als die Hälfte der 410 afghanischen Distrikte werden entweder schon von den Taliban kontrolliert oder sind noch umkämpft.

Die Führer der Taliban hatten das Verbot für das Rote Kreuz wie auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verhängt, weil diese während Impfkampagnen "verdächtige Aktivitäten" durchgeführt und dadurch Sicherheitsbedenken ausgelöst hätten. Die WHO hatte in Afghanistan vor allem Impfkampagnen gegen Kinderlähmung (Polio) gestartet. Auch habe das IKRK nicht genauer bezeichnete frühere Vereinbarungen missachtet.

Eine orthopädische Werkstatt des IKRK in der Stadt Herat (Foto: DW/S. Tanha)

Eine orthopädische Werkstatt des IKRK in der Stadt Herat (Archivfoto)

Schon 2018 ein Verbot 

Bereits im August 2018 hatten die Taliban für rund zwei Monate die Schutzgarantien für das Rotes Kreuz entzogen. Damals wurde dem IKRK vorgeworfen, seinen Verpflichtungen zur Unterstützung von Taliban in einem Gefängnis in Kabul nicht nachgekommen zu sein. 

In Afghanistan tätige Hilfsorganisation betonen immer wieder, dass sie in dem Bürgerkrieg keine Partei ergreifen. Insbesondere das IKRK ist bekannt für seine strikte Neutralität bei Konflikten. Es hatte bis April rund 1600 Mitarbeiter in dem Land am Hindukusch.

Strommasten in die Luft gesprengt

Die instabile Lage des Bürgerkriegslandes zeigt sich derzeit auch in einem teils flächendeckenden Stromausfall. Der Strom fiel in Kabul sowie elf weiteren Provinzen nach der Zerstörung von Hochspannungsmasten in der Provinz Baghla aus. Die drei Masten, über die Elektrizität aus dem Nachbarland Tadschikistan importiert wird, seien am Morgen mit Sprengkörpern in die Luft gejagt geworden, teilte der Stromversorger Breshna mit. Einwohner Kabuls berichten von Blackouts in der gesamten Hauptstadt. Ein Breshna-Sprecher bestätigte, dass aktuell 99 Prozent des Stroms in der Stadt Kabul gekappt seien.

Der Betreiber kündigte an, die Stromleitungen wieder ans Netz zu bringen, sobald sich die Sicherheitslage im betroffenen Gebiet verbessert habe. Erst am Samstag war in einer anderen Region im nördlichen Baghlan aufgrund von Gefechten eine Leitung für Importstrom aus Usbekistan unterbrochen worden. Breshna beschuldigte "regierungsfeindliche Elemente", hinter den Anschlägen auf die Masten zu stecken, nannte aber keine konkrete Gruppe. Die in der Region besonders aktiven Taliban äußerten sich zunächst nicht zu den Vorfällen.

lh/sti/fab (dpa, rtr)