Türkei: Verlage und Zeitungen in der Krise | Europa | DW | 28.08.2018
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Türkische Lira-Krise

Türkei: Verlage und Zeitungen in der Krise

Die Wirtschaftskrise in der Türkei trifft nun auch Zeitungs- und Buchverlage. Deren Mitarbeiter fürchten um Auswirkungen auf die Pressefreiheit und den Kulturbetrieb.

Mehr als 60 Prozent verlor die türkische Lira verlor seit Jahresbeginn an Wert. Allein am 10. August sackte die Währung gegenüber Dollar und Euro um fast ein Fünftel ab, als US-Präsident Donald Trump die Verdoppelung der Strafzölle gegen türkische Stahl-und Aluminiumprodukte anordnete, weil der US-amerikanischen Pastor Andrew Craig Brunson in der Türkei nach wie vor unter Hausarrest steht und das Land nicht verlassen darf.

Die anhaltende Lira-Krise wirkt sich auf viele Lebensbereiche aus - auch auf das Verlagswesen. Die Verlage haben mit vielen Problemen zu kämpfen: mit immer höheren Papierpreisen, mit steigenden Kosten für Urheberrechte und auch mit der Mehrwertsteuer in Höhe von acht Prozent.

Der Vorsitzende der Türkischen Verleger-Union, Kenan Kocatürk, bemängelt, dass das Papier für Zeitungen und Bücher fast vollständig importiert werden müsse. Die einzige Papierfabrik der Türkei, SEKA in Izmir, sei 2005 geschlossen worden. Seitdem sei die Türkei auf den Import von Papier aus dem Ausland angewiesen, sagt er der DW: "Früher kostete eine Tonne Papier 750 Euro. Heute kostet sie 900 Euro."

"Der Staat muss die Verlage besser unterstützen", fordert Kocatürk. "Er könnte zum Beispiel die Mehrwertsteuer bei Büchern auf ein Prozent senken, das hätte Symbolcharakter." Für Semih Gümüş, der beim Verlag Notos Kitap arbeitet, gibt es noch zwei weitere Problemfelder: Zum einen sänken die Auflagen: "Es ist so gut wie unmöglich, aus dem Verkauf von nur noch 1000 bis 2000 Büchern Profit zu machen." Hinzu käme, dass die Hälfte aller in der Türkei veröffentlichten Bücher Übersetzungen seien. Die Bezahlung der ausländischen Autoren erfolge aber über den Wechselkurs - und werde bei sinkenden Lira-Kursen immer teurer. "Wie soll man unter diesen Bedingungen überhaupt noch Bücher veröffentlichen?", fragt Gümüş.

"Ein kultureller Rückschritt!"

Aufgrund der Krise brächten viele Verlage weniger Bücher heraus als früher. Weil die zudem noch teurer würden, sinke die Zahl der verkauften Bücher, sagt Gümüş . Einige Unternehmen könnten sich deshalb gezwungen sehen, den Betrieb komplett einzustellen. Und Gümüş sieht noch eine andere Tendenz: “Besonders die großen Verlage werden sich bei dem Verkauf auf Bücher konzentrieren, die sich gut verkaufen lassen. Die Qualität wird der Popularität zum Opfer fallen. Es werden weniger Bücher von neuen und jungen Autoren veröffentlicht werden. Das alles bedeutet einen kulturellen Rückschritt!"

Doch nicht nur die Buchverlage, auch die türkischen Zeitungen leiden unter den steigenden Kosten. Die links-nationalistische Zeitung Aydınlık kündigte in der vergangenen Woche auf ihrer Titelseite an: „Aufgrund steigender Kosten und einem Engpass an Papier müssen wir die Publikation unserer Zeitung für drei Tage unterbrechen." Chefredakteur Ilker Yücel sieht durch die wirtschaftliche Krise die Pressefreiheit beeinträchtigt. "Nicht nur die Preise für Papier sind gestiegen. Auch alle anderen Ausgaben haben sich verdreifacht."

Dass sieht auch der Chefredakteur der linksgerichteten oppositionellen Zeitung Evrensel, Fatih Polat, so: "Unsere Mittel sind bescheiden. Die Bedingungen werden nun zusätzlich erschwert. Aber wir versuchen eine Preiserhöhung so lange es geht zu vermeiden." Stattdessen setze man auf die Unterstützung der Leser, sagt Polat. 

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