Türkei stellt ZDF-Korrespondenten Brase doch Akkreditierung aus | Aktuell Deutschland | DW | 12.03.2019
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Türkei

Türkei stellt ZDF-Korrespondenten Brase doch Akkreditierung aus

Der ZDF-Korrespondent in der Türkei, Jörg Brase, darf weiter aus dem Land berichten. "Tagesspiegel"-Korrespondent Thomas Seibert, dem ebenfalls die Akkreditierung entzogen worden war, wartet weiter auf seine Pressekarte.

Das Presseamt in Ankara hatte Jörg Brase (Artikelbild) sowie Thomas Seibert und dem nicht ständig in der Türkei lebenden NDR-Reporter Halil Gülbeyaz vor rund zehn Tagen ohne Angabe von Gründen mitgeteilt, dass ihnen eine neue Pressekarte nicht bewilligt werde. Am Sonntag mussten Brase und Seibert deswegen die Türkei verlassen. Die Verweigerung der Akkreditierung hatte in Berlin Empörung ausgelöst. Der Fall belastet die seit Jahren krisenhaften, jüngst aber verbesserten Beziehungen Deutschlands zur Türkei erneut schwer.

Türkei Ausreise deutscher Journalisten Thomas Seibert (picture-alliance/dpa/L. Pitarakis)

Thomas Seibert berichtete seit über 20 Jahren aus der Türkei

Das ZDF hat die nun doch verlängerte Arbeitserlaubnis für den Istanbuler Studioleiter des Senders begrüßt. Jörg Brase werde in den kommenden Tagen seine Tätigkeit in der Türkei wieder aufnehmen, teilte die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Bettina Schausten mit. "Ich hoffe, dass auch die Pressekarten für Tagesspiegel-Korrespondent Thomas Seibert und die übrigen Kollegen, die noch darauf warten, jetzt ausgestellt werden." Ohne eine gültige Pressekarte seien ungehindertes Recherchieren, Durchführen von Interviews oder Besuche von Pressekonferenzen nicht möglich, betonte der Sender. 

Reisehinweise verschärft

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte am Montag angekündigt, die Bundesregierung werde sich weiter für die Betroffenen einsetzen. Die Angelegenheit sei mit der Ausreise nicht erledigt. Schon am Wochenende hatte Berlin unter anderem wegen der Verweigerung der Arbeitserlaubnis für die drei deutschen Journalisten die Reisehinweise für die Türkei verschärft.

Ob die Türkei auch den anderen beiden Reportern die Arbeitserlaubnis wieder erteilen wird, war zunächst unklar. Direkte Ablehnungen sind äußerst selten, die Reporter werteten sie als Versuch, die kritische und unabhängige Berichterstattung internationaler Medien zu beeinflussen und Journalisten einzuschüchtern. Gegen lokale Medien geht die türkische Regierung schon seit einem Putschversuch im Jahr 2016 scharf vor.

Die Pressekarten ausländischer Korrespondenten laufen jedes Jahr Ende Dezember ab und müssen dann neu beantragt werden. Die Karten gelten als Arbeitserlaubnis, sind aber auch Grundlage für die Ausstellung einer Aufenthaltsgenehmigung. Derzeit warten weiter rund ein Dutzend deutsche Journalisten sowie zahlreiche internationale Korrespondenten auf die neuen Ausweise.

Rezession und Kommunalwahlen in der Türkei

Wochenlang hatten sich hochrangige Diplomaten und Politiker hinter den Kulissen für die deutschen Korrespondenten eingesetzt. Die Affäre kommt zur Unzeit für die Türkei. Die Regierung hatte auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage für 2019 auf mehr Touristen aus Deutschland gehofft. Nach Angaben aus dem Statistikamt in Ankara, war das Land schon Ende 2018 in die Rezession gerutscht. Ökonomen sprechen von Rezession, wenn eine Volkswirtschaft zwei Quartale in Folge schrumpft. Ende März stehen in der Türkei außerdem Kommunalwahlen an. 

cgn/sti (afp, dpa, epd)

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