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Türkei: DW-Korrespondent Uludağ kommt aus Haft frei

Veröffentlicht 21. Mai 2026Zuletzt aktualisiert 21. Mai 2026

Drei Monate war DW-Korrespondent Alican Uludağ in der Türkei inhaftiert - unter anderem wegen angeblicher "Präsidentenbeleidigung". Das Gefängnis durfte er nun verlassen. Der Prozess gegen ihn geht aber weiter.

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Alican Uludağ nach seiner Freilassung
Alican Uludağ unmittelbar nach seiner Freilassung in IstanbulBild: Dilek Şen, DW Türkisch

Alican Uludağ konnte den Gefängniskomplex Silivri in Istanbul am Donnerstagabend (Ortszeit) verlassen. Ein Gericht in der türkischen Hauptstadt Ankara hatte zuvor die Freilassung des DW-Korrespondenten angeordnet.

Der Prozess gegen Uludağ, der am Donnerstagnachmittag begann, geht gleichwohl weiter. Der nächste Verhandlungstag ist nach Angaben seines Anwalts Abbas Yalcin für den 18. September geplant. 

Uludağ war drei Monate lang in Istanbul inhaftiert. Ihm wird vorgeworfen, in insgesamt 22 Social-Media-Beiträgen Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan öffentlich beleidigt, irreführende Informationen verbreitet und staatliche Institutionen herabgewürdigt zu haben.

Hülya Schenk (links) und Pelin Ünker (rechts) von DW Türkisch nehmen Alican Uludag nach seiner Freilassung in Empfang
Hülya Schenk (links) und Pelin Ünker (rechts) von DW Türkisch konnten Alican Uludağ am Abend des 21.05.2026 in Empfang nehmenBild: Dilek Şen, DW Türkisch

"Als unabhängiger Journalist habe ich versucht, die Wahrheit zu schreiben und das Recht der Öffentlichkeit auf Information zu verteidigen. Ich wurde oft bedroht, aber habe ein reines Gewissen", erklärte Uludağ in seiner Verteidigung vor Gericht. "Ich habe keine Straftat begangen, sondern nur meinen Beruf ausgeübt. Ich habe niemanden beleidigt und verlange meinen Freispruch." 

"Bittere Freilassung" für Uludağ

Seine Freilassung aus dem Gefängnis bezeichnete Uludağ in einer ersten Reaktion als "bitter", denn er "lasse hier einige Kollegen zurück, darunter Merdan Yanardag. Bevor ich entlassen worden bin, habe ich ihn gefragt, ob er etwas mitteilen möchte, hier seine Nachricht: 'Wir werden für die Freiheit und die Demokratie weiterhin Widerstand leisten', sagt er. Wir werden den Kampf für die Pressefreiheit und das Recht der Bevölkerung auf Information fortsetzen, bis alle inhaftierten Journalisten in der Türkei freigelassen sind."

Uludağ war in seiner Wohnung in Ankara festgenommen und anschließend nach Istanbul überführt worden, wo er am 19. Februar 2026 in Untersuchungshaft kam. Der Prozess fand dennoch in Ankara statt. Seinem ausdrücklichen Wunsch, seine Verteidigung persönlich vorzutragen, wurde nicht entsprochen: Er durfte lediglich per Videokonferenz an der Verhandlung teilnehmen.

DW-Intendantin fordert Freispruch

Der Fall Uludağgilt als besonders bemerkenswert, weil Uludağ zu den wenigen verbliebenen Journalisten in der Türkei gehört, die schwerpunktmäßig über Justiz und Gerichtsverfahren berichten.

DW-Intendantin Barbara Massing zeigte sich erleichtert, dass Uludağ "nach drei Monaten endlich freikommt und zu seiner Familie in Ankara zurückkehren kann". Er sei 92 Tage "grundlos" in Haft gewesen. "Es ist jedoch beunruhigend, dass das Verfahren fortgesetzt wird", erklärte Massing. "Wir fordern, dass das Verfahren umgehend eingestellt wird." Uludağ habe lediglich seine Arbeit als Gerichtsreporter ausgeübt. Die Deutsche Welle stehe weiterhin "uneingeschränkt hinter ihm" und werde sich auch künftig für seinen Freispruch einsetzen.

DW-Intendantin Barbara Massing
DW-Intendantin Barbara Massing: Stehen uneingeschränkt hinter Alican UludağBild: DW

Der Vorsitzende von Reporter ohne Grenzen (RSF) in der Türkei, Erol Önderoglu, schrieb nach der Entscheidung des Gerichts auf der Plattform X: "Seine Freilassung freut uns zwar, doch die Inhaftierung wird als 90-tägige Misshandlung eines investigativen Journalisten in Erinnerung bleiben. Weder aufgrund seiner Berichte, noch seiner Kommentare hätte er auch nur einen einzigen Tag inhaftiert sein dürfen. Alles Gute, Alican!"

pgr/wa (DW, dpa, afp)

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