Türkei droht mit Gegenmaßnahmen | Aktuell Welt | DW | 02.08.2018
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Reaktion auf US-Sanktionen

Türkei droht mit Gegenmaßnahmen

Die angespannten Beziehungen zwischen den USA und der Türkei werden auf eine erneute Probe gestellt: Die US-Sanktionen gegen zwei ihrer Minister will die Türkei nicht auf sich sitzen lassen.

Deutschland, Solinge: Portraitfoto Mevlüt Cavusoglu (Getty Images/M. Gottschalk)

Mevlüt Cavusoglu, Außenminister der Türkei

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, die Sanktionen der USA würden "nicht unbeantwortet bleiben". Er verurteilte die "aggressive Haltung" der USA und forderte die Rücknahme der "falschen Entscheidung". US-Außenminister Mike Pompeo will sich nach eigenen Angaben in der kommenden Woche mit Cavusoglu treffen.

Die USA hatten am Mittwoch Sanktionen gegen den türkischen Justizminister Abdulhamit Gül und Innenminister Süleyman Soylu verhängt, weil sie für die Festnahme und Inhaftierung des US-amerikanischen Pfarrers Andrew Brunson verantwortlich gewesen seien. Die Vermögen der beiden Minister in den USA sollen eingefroren werden, zudem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen betreiben. Das Weiße Haus kritisierte eine "unfaire und ungerechtfertigte" Verfolgung Brunsons.

Soylu: "Wir werden Gülen holen"

Im vergangenen Jahr hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan vorgeschlagen, Brunson gegen den in den USA im Exil lebenden Prediger Fethullah Gülen auszustauschen. Dessen Bewegung wird für den Putschversuch in der Türkei im Juli 2016 verantwortlich gemacht. Gülen weist das zurück. Die US-Regierung lehnt den Austausch ab. Innenminister Soylu kündigte nun an, man werde sich Gülen aus den USA "holen".

Brunson wurde im Oktober 2016 wegen angeblicher Spionage sowie der Unterstützung der verbotenen Kurdenpartei PKK und der Gülen-Bewegung festgenommen. Er saß in Untersuchungshaft, bis er in der vergangenen Woche überraschend in den Hausarrest entlassen wurde. Daraufhin berichteten Medien von Absprachen zwischen der Türkei und USA im Fall des Pfarrers. Das wies Erdogan jedoch zurück. Die US-Regierung dringt seit Langem auf die Freilassung Brunsons. Der hatte vor seiner Festnahme eine Kirche in der türkischen Küstenstadt Izmir betrieben.

Nach Bekanntgabe der US-Sanktionen am Mittwoch brach die türkische Lira um 1,6 Prozent ein. Sollte sich die Krise verschärfen, könnte die Währung weiter unter Druck geraten. Sie verliert bereits seit Monaten an Wert.

27 türkische Marinesoldaten festgenommen

Infolge des gescheiterten Putschversuchs vor zwei Jahren hatte die Türkei den Notstand ausgerufen und tausende Menschen festgenommen, die in Zusammenhang mit dem Putsch stehen sollen. Vor zwei Wochen endete der Ausnahmezustand - trotzdem halten die Verhaftungen an: Am Donnerstag ordnete ein Gericht nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu die Festnahme von 27 hochrangigen Marinesoldaten an. Auch ihnen wird vorgeworfen, in Kontakt mit der Gülen-Bewegung gestanden zu haben.

cvo/kle (afp, dpa)