Sudans Ministerpräsident entgeht Attentat | Aktuell Afrika | DW | 09.03.2020
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Übergangsregierung

Sudans Ministerpräsident entgeht Attentat

Abdalla Hamdok ist laut staatlichem Fernsehsender an einem "sicheren Ort", nachdem eine Explosion seinen Konvoi traf. Der Ministerpräsident führt nach einem Putsch vor einem Jahr eine Übergangsregierung.

Der sudanesische Ministerpräsident Abdalla Hamdok hat nach staatlichen Angaben einen versuchten Mordanschlag überlebt. Hamdok sei zu einem "sicheren Ort" gebracht worden, hieß es. Ihm gehe es gut, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Suna. In Hamdoks Twitteraccount hieß es, der Attentatsversuch werde "den Pfad des Wandels nicht stoppen".

Das sudanesische Staatsfernsehen gab an, sein Konvoi sei in der Nähe einer Brückenauffahrt über eine Straße gefahren, die vom Norden der Stadt ins Zentrum führt, wo Hamdoks Büro liegt. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert drei Augenzeugen, wonach der Konvoi offenbar von oben angegriffen worden sei. In regionalen TV-Sendern und sozialen Medien sind Bilder zweier weißer japanischer SUVs zu sehen, die schwer beschädigt und deren Fenster geborsten sind. Ob es Tote oder Verletzte gab, war zunächst unklar.

Sudan Anschlag auf den Premierminister in Khartoum (Reuetrs/M. N. Abdalla)

Sicherheitskräfte sichern den Tatort in Khartum

Hamdok führt seit August die Regierungsgeschäfte des nordostafrikanischen Landes. Ihm fällt die Aufgabe zu, das Land in geordnete Bahnen der politischen Erneuerung zu lenken: Vor gut einem Jahr waren große Menschenmengen gegen den Langzeit-Machthaber Omar al-Baschir auf die Straße gegangen. Nach fast 30 Jahren an der Macht putschte im April schließlich das Militär gegen ihn. In den Monaten danach gelang es der Protestbewegung, eine rein militärische Übergangsregierung zu verhindern. Im August einigten sich beide Seiten schließlich auf einen elfköpfigen Souveränen Rat, dem Militärs und Zivilisten angehören. Binnen drei Jahren sollen im Sudan demokratische Wahlen stattfinden.

Zurück in die internationale Gemeinschaft

Das muslimisch geprägte Land war zu Al-Baschirs Zeiten international weitgehend isoliert. Seit den 2000er-Jahren destabilisierten ein blutig ausgetragener Konflikt in der westsudanesischen Region Darfur, nach der Unabhängigkeit des christlichen Südsudan vom muslimischen Norden 2011 auch Grenzstreitigkeiten in den Nuba-Bergen das Land zusätzlich. Die Regionen wieder zu befrieden, ist eine der vielen Aufgaben von Hamdoks Übergangsregierung. Dazu kommt eine schwere Wirtschaftskrise bei einer Inflationsrate von gut 60 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt laut Regierung bei mehr als 30 Prozent.

Sudan, politische Unruhe (AFP/E. Hamid)

Als im August 2019 die militärisch-zivile Übergangsregierung gebildet wurde, feierten die Menschen in Khartum

Umso größer sind die Erwartungen in Hamdok, die Reputation des Staats zu verbessern und so internationale Hilfsgelder zu gewinnen. Erst vor anderthalb Wochen empfing Hamdok mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein angesehenes Staatsoberhaupt zu Gast in Khartum. Unter Beobachtung steht auch sein Umgang seinen Vorgänger Al-Baschir: Im Februar verkündete der Souveräne Rat, den Ex-Machthaber an den Internationalen Strafgerichtshof auszuliefern. "Wir werden nicht ruhen, bis den Opfern Gerechtigkeit widerfährt", sagte Hamdok kurz darauf im DW-Exklusivinterview.

ehl/pg (ap, dpa, rtr, afp, DW)

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