Sudan-Trainer Kwesi Appiah: "Kämpft für eure Heimat"
30. Dezember 2025
Der Jubel war riesig im Stadion "Mohammed V" in Casablanca. Die Fußballer des Sudan feierten ausgelassen gemeinsam mit ihren Fans den ersten Sieg beim Afrika-Cup in Marokko. Gegen Äquatorialguinea gelang dem afrikanischen Land ein knapper 1:0-Sieg, dank eines Eigentores von Saul Coco.
Für den Sudan war es erst der zweite Erfolg seit dem Gewinn des AFCON 1970. Dementsprechend groß war die Freude bei den Zuschauern im Stadion, aber auch in den Fanzonen im Gastgeberland. Die Fans schwenkten Nationalflaggen und hupten mit ihren Autos. Hunderte skandierten "Sudan, Sudan, Sudan!" und tanzten.
Die Menschen sind stolz auf ihre Nationalmannschaft, und stolz auf ihre Heimat. "Das Spielen und Gewinnen von Spielen macht unsere Leute zu Hause glücklich. Wir versuchen, ihnen trotz der Schwierigkeiten, die sie durchmachen, ein kleines Lächeln ins Gesicht zu zaubern", erklärte Nationalspieler Mohamed Abuaagla.
Abuaagla: "Unschuldige Menschen wurden getötet"
Lächelnde Menschen gibt es im Sudan nur selten, seit im April 2023 ein Machtkampf zwischen dem Militär und den mächtigen paramilitärischen Rapid Support Forces eskalierte. Offene Kämpfe mit weit verbreiteten Massenmorden und Vergewaltigungen sowie ethnisch motivierter Gewalt waren die Folge.
Die Vereinten Nationen bezeichneten den wütenden Bürgerkrieg als die schlimmste humanitäre Krise der Welt. "Der Krieg hat viele Teile des Landes zerstört und viel zu viele unschuldige Menschen getötet", sagte Abuaagla.
Appiah: "Tut es für euer Land"
Nach Angaben der UN hat der Konflikt bislang mehr als 40.000 Menschenleben gefordert, Hilfsorganisationen gehen sogar von einer deutlich höheren Zahl aus. Mehr als 14 Millionen Menschen wurden seit Kriegsausbruch vertrieben, während sich in Teilen des Landes Krankheiten und Hungersnöte weiter ausbreiten.
Doch die sudanesische Nationalmannschaft trotzt der dramatischen Situation und konnte sich für den Afrika-Cup qualifizieren. "Ich sage den Spielern immer wieder: 'Kämpft für eure Leute in der Heimat. Sorgt dafür, dass die Menschen im gebeutelten Sudan wenigstens einen Moment der Freude spüren können'", erklärte Appiah. Eine größere Motivation könne er sich nicht vorstellen, so der 65-jährige Nationalcoach.
Symbol der Hoffnung
Für viele Sudanesen ist Appiahs Team zu einem Symbol der Hoffnung geworden und zu einem seltenen Grund zur Freude, um dem Krieg zumindest für einen Moment entfliehen zu können.
"Die Mannschaft spielt für alle Menschen im und außerhalb des Sudan", sagte Idris Ahmed im DW-Interview. Der Kulturattaché arbeitet derzeit in der Sudanesischen Botschaft in Rabat und unterstützt die Menschen aus dem Sudan, die nach Marokko gereist sind, sich bei dem Turnier zurecht zu finden.
Ahmed hegt große Hoffnungen, dass die Leistung der "stolzen Falken", wie die Nationalelf auch genannt wird, positive Auswirkungen auf sein gebeuteltes Heimatland hat.
"Die Spieler stehen nun vor der Herausforderung, den Sudanesen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern und ihnen zu helfen, wenn auch nur für einen Moment, die Bitterkeit und den Schmerz des anhaltenden Krieges im Sudan zu vergessen."
Appiah: "Unser Ziel ist es, den Titel zu gewinnen"
Ahmed erinnert zudem an die große Zeit der sudanesischen Fußballer, die 1970 den Afrika-Cup sogar gewinnen konnten. Der Fußball habe eine großartige Vergangenheit, erklärt der Kulturattaché. "Doch es gibt momentan außergewöhnliche Umstände, aber so Gott will, wird der Sudan zu seiner alten Stärke zurückfinden."
Auch Appiah versucht nach dem Erfolg über Äquatorialguinea den Fokus weiter auf das Sportliche zu lenken. "Unser Ziel ist es, den Titel zu gewinnen, nicht nur einen einzigen Sieg zu erringen", betonte Sudans Nationaltrainer nach dem Spiel in Casablanca.
Die Ziele sind hoch. Doch auch, wenn diese nicht erreicht werden können, haben die Spieler durch ihre Teilnahme am Afrika-Cup in Marokko bereits viel Positives erreicht. "Dieses Team bringt uns Freude, trotz der Schmerzen, die wir in den letzten drei Jahren im Sudan erlitten haben", sagte Sudan-Fan Badr-Eddine Zambel und freut sich auf die kommenden Auftritte seiner Mannschaft.