Studium als Sprungbrett für Ausländer | Deutschland | DW | 15.10.2013
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Deutschland

Studium als Sprungbrett für Ausländer

Vielen Ausländern fällt es schwer, im deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Anders ist das für jene, die hier studiert haben: Mit deutschem Bildungsabschluss sind sie am Arbeitsmarkt gefragt, sagen Forscher.

Ein Studium in Deutschland ist für Ausländer der Schlüssel zum Erfolg am Arbeitsmarkt. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in Berlin vorgestellt hat. Wer als Ausländer hier studiere, der habe besonders große Chancen, gut bezahlte Arbeit in Deutschland zu finden. Denn die sogenannten Bildungsausländer verfügten laut Studie des arbeitgebernahen Wirtschaftsinstituts über besonders begehrte Qualifikationen. "Die Zuwanderer über die Hochschule verfügen in deutlich höherem Maße über sogenannte Engpassqualifikationen", sagt Wido Geis, einer der Autoren der IW-Studie. Darunter verstehen die Forscher vor allem Qualifikationen aus dem Bereich der Ingenieurwissenschaften, Mathematik und Naturwissenschaften, wie sie von mittelständischen Betrieben und Industrieunternehmen hierzulande händeringend gesucht werden.

Fachkräftemangel erfordert qualifizierte Zuwanderung

So könnten Zuwanderer, die hier ein Studium abschließen, ein entscheidender Teil der Antwort auf den sich noch verschärfenden Fachkräftemangel in Deutschland werden, sagt Hans-Peter Klös, Leiter der Abteilung Bildungspolitik am Institut der deutschen Wirtschaft Köln:

Hans-Peter Klös Geschäftsführer Institut der deutschen Wirtschaft Köln Foto: Britta Pedersen

Arbeitsmarktexperte Hans-Peter Klös: "Ausländische Studierende kommen, um zu bleiben"

"In den kommenden Jahren werden jährlich rund 640.000 beruflich Qualifizierte und 150.000 Akademiker benötigt, nur um die Zahl der Beschäftigten in Deutschland konstant zu halten." Weil dann geburtenstarke Jahrgänge aus dem Berufsleben ausscheiden und kleinere Jahrgänge ins Berufsleben eintreten, werde sich der Fachkräftemangel sogar noch verschärfen, prognostiziert Klös.

Die gute Botschaft: "Die deutschen Hochschulen sind für ausländische Studierende attraktiv", sagt Hans-Peter Klös. Nach Angaben der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt Deutschland damit - neben den englischsprachigen Ländern USA und Großbritannien - zu den Top 3-Adressen für ausländische Studierende weltweit. "Die Studierenden aus dem Ausland kommen, um zu bleiben", sagt Hans-Peter Klös. 80 Prozent derjenigen Ausländer, die hierzulande studiert hätten, könnten sich danach auch eine Berufslaufbahn in Deutschland vorstellen. Das sei eine deutlich höhere Bindung als sie in Frankreich, den Niederlanden oder Großbritannien zu beobachten sei. Rund ein Drittel dieser "Bildungsausländer", wie sie von den Kölner Forschern bezeichnet werden, beabsichtigten laut Studie sogar, drei Jahre und mehr zu bleiben.

Ein indischer Student bei der Immatrikulation an der Technischen Universität Hamburg-Harburg. Foto: Christian Charisius (dpa)

Indischer Student bei der Einschreibung in Hamburg: Ingenieurswissenschaftler besonders gefragt

Für die Wissenschaftler verblüffend: "Fast die Hälfte derer, die als Bildungsausländer den Zugangsweg über deutsche Hochschulen finden, bleiben dann auch in Deutschland", zitiert Hans-Peter Klös eines der Schlüsselergebnisse der Studie. Das mache die Aufnahme ausländischer Studierender auch für die Bundesländer attraktiv, die in Deutschland die Hauptlast für die Finanzierung der Hochschulausbildung trügen.

Deutsche Berufsausbildung für Ausländer attraktiver machen

Ob die sehr optimistischen Prognosen der Kölner Wirtschaftsforscher eintreten, hängt maßgeblich aber auch davon ab, ob es der Bildungspolitik in Deutschland gelingt, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. So ist in der Gruppe ausländischer Studierender die Quote der Studienabbrecher besonders hoch.

Spanischer Auszubildender in Deutschland.

Spanischer Auszubildender in Deutschland: Auch Unternehmen suchen Nachwuchs aus dem Ausland

Als Hauptgrund für das Scheitern vieler ausländischer Studienkarrieren in Deutschland sehen Forscher noch immer mangelnde Deutschkenntnisse an. Außerdem stehen viele vor dem Problem, dass ihre Aufenthaltserlaubnis mit Ende des Studiums erlischt. Und auch bei der Zuwanderung in deutsche Ausbildungsberufe gibt es Handlungsbedarf. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen zwei Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen, junge Lehrlinge aus EU-Krisenstaaten wie Griechenland, Spanien oder Portugal zur Aufnahme einer dualen Berufsausbildung in Deutschland zu bewegen.

Vielfach seien die bürokratischen Hürden hierzulande für ausländische Azubis aber noch so hoch, sagt Hans-Peter Klös, dass viele potenzielle Fachkräfte abgeschreckt würden. Bürokratische Hürden, die gravierende Folgen haben: „Fachkräfteengpässe zeigen sich mehr und mehr auch bei beruflich Qualifizierten", sagt Achim Dercks, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) der Zeitung "Welt am Sonntag". "Vier von zehn Unternehmen, die Stellenbesetzungsprobleme haben, suchen derzeit ohne Erfolg dual ausgebildete Fachkräfte." Die Forderung der Wirtschaftsforscher des IW Köln: Deutschlands Politik müsse schnell dafür sorgen, dass junge Zuwanderer leichter an die notwenige Arbeitserlaubnis kommen, um mit Praktika und Werksverträgen Berufserfahrung zu sammeln.

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