1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Studie: Schuldenweltmeister Volkswagen

13. Juli 2020

Unter der COVID-19-Krise leiden alle: Privathaushalte, Selbständige, öffentliche Haushalte und auch die großen Konzerne - von einigen Ausnahmen abgesehen. VW ist aber keine solche Ausnahme, ganz im Gegenteil.

https://p.dw.com/p/3fEVx
Symbolbild: Volkswagen
Bild: picture-alliance/dpa/M. Schreiber

Es hat den Wolfsburger Volkswagen-Konzern viele Jahre und sehr viel Geld und Mühe gekostet, zum größten Autohersteller der Welt aufzusteigen. Mittlerweile ist es geschafft, die Niedersachsen haben Toyota hinter sich gelassen und sie sind (nach verkauften Autos) die Nummer Eins in der Automobilindustrie.

Im neuen Corporate Debt Index (JHCD), der am Montag in London vorgestellt wurde, liegt Volkswagen allerdings auch auf dem ersten Platz. Der von Janus Henderson Investors jetzt erstmals herausgegebene Überblick zu 900 Konzernen weltweit soll zukünftig jährlich die Entwicklung der weltweiten Unternehmensverschuldung analysieren.

Dieser Studie zufolge ist Volkswagen mit Verbindlichkeiten von 192 Milliarden Dollar der am höchsten verschuldete Konzern der Welt. Ein Schuldenberg, der fast so groß wie der von Südafrika oder Ungarn ist, der aber auch durch die Autofinanzierungssparte der Wolfsburger aufgebläht wird. Daimler findet sich mit 90 Milliarden Dollar auf dem achten Platz, BMW mit 84 Milliarden auf den zehnten Platz des internationalen Schulden-Rankings.

Sucht nach Liquidität

Weltweit wird die Verschuldung der größten Unternehmen in diesem Jahr um bis zu eine Billion Dollar steigen, so stark wie noch nie. Der Schuldenberg werde um zwölf Prozent auf insgesamt 9,3 Billionen Dollar wachsen, so Fondsmanager Janus Henderson. Wegen der wegbrechenden Gewinne und der unsicheren Aussichten in der Corona-Krise saugen sich die Firmen mit Liquidität voll.

Logos AUDI, Volkswagen, BMW, Mercedes Benz und Porsche
Die Schuldenbarone auf einem Tisch: Deutschlands Autobauer in seltener EintrachtBild: picture-alliance/U. Baumgarten

Allein zwischen Januar und Mai sammelten die 900 untersuchten Firmen - zu denen keine Finanzunternehmen gehören - 384 Milliarden Dollar an den Anleihemärkten ein. Zugleich stiegen auch die Bankkredite rasant.

Und das alles in der Niedrigzinsphase

Schon in den vergangenen Jahren hatten die Unternehmen immer mehr Schulden aufgenommen, um milliardenschwere Zukäufe und Aktienrückkäufe zu finanzieren. Von 2014 bis 2019 wuchs der Schuldenberg der 900 Unternehmen um 37 Prozent und damit deutlich schneller als der Gewinn vor Steuern, der lediglich um 9,1 Prozent auf 2,3 Billionen Dollar zulegte.

Der Verschuldungsgrad, das heißt das Verhältnis zwischen Fremd- und Eigenkapital, ist 2019 auf den Rekordwert von 59 Prozent geklettert. Und trotz der rekordniedrigen Zinsen sei ein so großer Anteil der Gewinne für den Schuldendienst draufgegangen wie nie zuvor.

Keine Schulden muss man sich leisten können

Fast die Hälfe der globalen Unternehmensschulden entfällt mit 3,9 Billionen auf US-Firmen. Deutschland landet auf dem zweiten Platz mit 762 Milliarden Dollar. Hintergrund sind die kapitalintensive Autoindustrie und die großen Finanzierungssparten der Autobauer.

Aber nicht jeder große Konzern hat hohe Verbindlichkeiten. Unter den 900 untersuchten Firmen sind fast ein Viertel schuldenfrei und einige sitzen auf riesigen Geldpolstern. Die Google-Mutter Alphabet hat mit 104 Milliarden Dollar am meisten Geld auf der hohen Kante.

dk/hb (rtr)