Stromversorgung durch Windparks wächst | Europa | DW | 26.02.2010
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Europa

Stromversorgung durch Windparks wächst

Der Ausbau der Windenergie schreitet in Europa, China und USA rasant voran. Zunehmend macht sie Kohle und Atomstrom Konkurrenz. Wird Sie zur Stromversorgung der Zukunft?

Blick auf den Windpark bei Dorna, einem der größten in Sachsen Anhalt (Foto: dpa)

In der europäischen Union gingen im letzten Jahr neue Windparks mit einer Leistung von über 10 Gigawatt ans Netz. Dies entspricht der Kraftwerksleistung von 10 Atomkraftwerken. Damit übernimmt die Windenergie beim Bau von Neukraftwerken in Europa die Führungsposition.

In 2009 wurden mehr Megawatt Windleistung in Europa neu installiert, als alle Gas, Kohle, Öl und Atomkraftwerke zusammen. Werden noch die neu gebauten Solar- und Biomassekraftwerke mit einer installierten Leistung von über 7 Gigawatt hinzugerechnet und berücksichtigt, dass alte Kohle-, Öl-, Gas- und Atomkraftwerke mit einer Kapazität von knapp 6 Gigawatt im vergangenen Jahr vom Netz genommen wurden, so wird deutlich, dass die erneuerbaren Energien die Stromversorgung in Europa zunehmend übernehmen.

Zwei Mitarbeiter des Windenergieanlagenbauers Fuhrländer stehen in 141 Metern Höhe auf einem Generatorhaus des neuen Windparkes im südbrandenburgischen Spremberg. Es sind neun Windenergieanlagen des Typ Fuhrländer FL-2500 mit einer elektrischen Leistung von jeweils 2,5 MegaWatt. Damit können etwa 60 000 Personen mit Strom versorgt werden. (Foto: Patrick Pleul dpa)

Windkraftboom schaft neue Jobs. Weltweit rund 600.000

Windkraftboom europaweit

Gemessen am europäischen Kraftwerkspark hat die Windenergie mit einer installierten Leistung von 75 Gigawatt einen Anteil von 9 Prozent. Europäische Pioniere beim Ausbau der Windenergie sind Deutschland, Spanien und Dänemark. In den letzten Jahren setzten aber auch Italien, Frankreich, Großbritannien, Portugal und Schweden auf den verstärkten Ausbau der Windenergie.

Baustelle des größten Atomkraftwerks der Welt in Olkiluoto/Finnland. Die Fertigstellung verzögert sich um mehrere Jahre, die Kosten explodieren. Ein großer Imageschaden für die Atomindustrie. (Foto: dpa)

Kostenexplosion bei Neubau von Atomreaktor in Finnland

Windkraft wird zur Konkurrenz von Kohle- und Atomstrom

Im Vergleich zur Stromerzeugung aus neuen Kohle und Atomkraftwerken ist Windenergie schon heute konkurrenzfähig oder sogar deutlich billiger. Windstrom aus neuen Anlagen kostet in vielen Regionen zwischen 6 – 8 Eurocent pro Kilowattstunde, an sehr guten Standorten sogar noch weniger. Vor allem im Vergleich zu neuen Atomkraftwerken ist der umweltfreundliche Windstrom aber besonders billig.

Nach Angaben der Energy Watch Group (EWG) sind die Investitionskosten pro Kilowatt bei Windanlagen 4 mal günstiger gegenüber AKWs. Aber auch dadurch, dass der radioaktive Müll zusätzlich unkalkulierbare Kosten verursacht und die Risikoabdeckung von größeren Unfällen faktisch unbezahlbar ist, sind neue Atomkraftwerke volkswirtschaftlich höchst unrentabel. Diese Risiken trägt aber in der Regel die Allgemeinheit.

Braunkohlekraftwerk bei Köln (Foto: AP)

Kohleverstromung wird teurer

Auch im Vergleich zu neuen Kohlekraftwerken schneidet die Windenergie langfristig günstiger ab. Zwar sind die Investitionskosten von Windparks gegenüber Kohlekraftwerken pro Kilowatt Leistung nicht viel günstiger, werden jedoch die steigenden Kosten für die Verschmutzungsrechte mit berücksichtigt, so ist die Windkraft auch gegenüber der Kohleverstromung ökonomisch im Vorteil.

Offshore Windpark vor Kopenhagenagen (Foto: Carsten Rehder dpa)

Nach Dänemark will jetzt auch GB Pionier bei Offshore-Windparks werden

Offshoreboom

Die Faszination für die Errichtung von Windparks im Meer ist groß. Zum einen gibt es viel Platz und auch der Wind weht kräftiger. Anderseits sind die technischen Herausforderungen für die Errichtung von Windrädern im Meer groß und die Wartung ist aufwendiger. Im letzten Jahr wurden 8 neue, sogenannte Offshore Windparks in Europa errichtet, in diesem Jahr sollen 10 weitere mit einer Gesamtleistung von einem Gigawatt an Netz gehen. Projekte mit mehr als 100 Gigawatt befinden sich derzeit in verschiedenen Planungsstadien, allein damit könnten 10 % der europäischen Stromversorgung gedeckt werden.

Zum Marktführer beim Ausbau von Offshore Windparks will vor allem Großbritannien werden, vor kurzem hatte die britische Regierung Lizenzen für Projekte mit einer Leistung von 32 Gigawatt vergeben. Mit dieser Kapazität könnte ein Viertel des englischen Strombedarfs gedeckt werden. Zwar hat die Windkraft auf dem Meer ein riesiges Potential und auch dieser Zukunftsmarkt ist für die Industrie äußerst interessant, doch derzeit sind die Kosten für die Windstromerzeugung Offshore noch etwa doppelt so hoch wie auf dem Land. Experten sehen aber auch hier durch technische Innovationen und Massenfertigungen noch Preissenkungspotential.

Die Windkraft boomt in China weltweit am strärksten. Windräder in Hebei. (Foto Xiao Xu)

Chinesischer Windkraftboom übertrifft die kühnsten Erwartungen

China übernimmt Spitzenplatz beim Ausbau der Windenergie

Derzeit wird nach Angaben des World Wind Energy Association, WWEA rund 2 % des weltweiten Strombedarfs mit Windenergie gedeckt, davon kommt derzeit noch knapp die Hälfte aus der EU, jeweils ein Viertel aus Asien und Nordamerika. Beim Ausbau der Windenenergie schreitet inzwischen aber Europa nicht mehr an vorderster Front. Während die Europäer ihre Windparks 2009 um 10 Gigawatt erweiterten, soviel wie inzwischen auch die USA, hängte China mit einer neu installierten Leistung von 14 Gigawatt, die alten Pioniere klar ab. Bis 2020 plant die chinesische Regierung den derzeitigen Windpark von 26 Gigwatt auf mindestens 100 Gigawatt auszubauen.

Autor: Gero Rueter
Redaktion: Fabian Schmidt

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