Steuern Israel und die Palästinenser wieder auf einen Krieg zu? | Aktuell Welt | DW | 13.11.2018
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Nahostkonflikt

Steuern Israel und die Palästinenser wieder auf einen Krieg zu?

Massiver palästinensischer Raketenbeschuss auf Israel und Luftangriffe der Armee im Gazastreifen schüren die Ängste vor einem neuen Blutbad in Nahost. Palästinenser kündigen eine Feuerpause an, stellen aber Bedingungen.

Durch einen israelischen Angriff zerstörtes Gebäude in Gaza-City (Foto: Reuters/S. Salem)

Durch einen israelischen Angriff zerstörtes Gebäude in Gaza-City

Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Armeeangaben seit Montag rund 400 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Es handele sich um die intensivsten Angriffe auf Israel seit dem Gaza-Krieg 2014, sagte Militärsprecher Jonathan Conricus. Als Reaktion darauf hätten die Streitkräfte mehr als 100 militärische Ziele angegriffen. Wie das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte, wurden dabei sechs Menschen getötet, davon mindestens fünf militante Palästinenser.

Fehlgeschlagener israelischer Einsatz als Anlass

In der israelischen Stadt Aschkelon starb ein Mann, nachdem eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete in sein Haus eingeschlagen war. Zudem wurden aus ganz Israel mindestens 20 Verletzte gemeldet. Das Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) konnte nach Armeeangaben mehr als 100 der Geschosse abfangen. 

In diesem Haus in Aschkelon starb ein Israeli durch eine von Palästinensern abgefeuerte Rakete (Foto: Reuters/A. Cohen)

In diesem Haus in Aschkelon starb ein Israeli durch eine von Palästinensern abgefeuerte Rakete

Feuerpause?

Nach massivem Raketenbeschuss auf Israel und Luftangriffen der israelischen Armee im Gazastreifen haben militante Palästinenser eine Waffenruhe verkündet, allerdings trete diese nur in Kraft, wenn auch Israel sich daran halte. Ägypten habe die Rückkehr zu einer entsprechenden Vereinbarung vermittelt, teilten die Hamas und andere militante Palästinenserorganisationen in Gaza am mit. Israel spielt offenbar auf Zeit. Ein Sprecher von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte sich nicht zu einer Feuerpause. Allerdings stellte die Armee ihre Angriffe vorerst ein.

Die Lage war eskaliert, nachdem der Einsatz einer israelischen Spezialeinheit im Gazastreifen am Sonntag fehlgeschlagen war. Dabei waren sieben militante Palästinenser und ein israelischer Offizier getötet worden. Die Armee attackierte nach eigenen Angaben Ziele der im Gazastreifen herrschenden Hamas sowie der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Unter anderem seien Waffenlager und unterirdische Infrastruktur attackiert worden, teilte Conricus weiter mit. Darüber hinaus seien vier große Gebäude der Hamas getroffen worden, darunter der Sitz des Fernsehsenders Al-Aksa, ein Gebäude der Sicherheitskräfte in Gaza sowie eine Einrichtung des Militärgeheimdienstes.

Israel: Hamas hat  20.000 Raketen und Mörsergranaten

Die radikal-islamische Palästinenserorganisation wiederum veröffentlichte ein Video, das den Angriff mit einer Panzerabwehrrakete auf einen israelischen Bus zeigen soll. Bei dem Beschuss am Montag war ein israelischer Soldat schwer verletzt worden. Ein Sprecher des militärischen Hamas-Flügels drohte mit neuen Angriffen auf weiter entfernte Ziele. Zugleich wurde eine internationale Untersuchung der israelischen Angriffe "auf zivile Einrichtungen" verlangt.

Ein durch israelische Luftangriffe zerstörtes Wohnhaus in der Stadt Gaza (Foto: Reuters/S. Salem)

Zerbombtes Wohnhaus in der Stadt Gaza

Israels Sicherheitskabinett will an diesem Dienstag über das weitere Vorgehen beraten. Nach israelischen Informationen verfügt die Hamas über ein Arsenal von rund 20.000 Raketen und Mörsergranaten verschiedener Reichweite. Einige davon könnten die größten israelischen Städte - Tel Aviv und Jerusalem - erreichen und sogar Ziele darüber hinaus, sagte Conricus. Er warf der Hamas vor, die eigene Bevölkerung gezielt als "menschliche Schutzschilde" zu missbrauchen. Die Organisation initiiere die Gewalt und bringe "Zerstörung über den Gazastreifen". Die Hamas-Führung selbst sei in den Untergrund gegangen.

Ernste Warnung der Bundesregierung

Deutschland warnte unterdessen vor einer gefährlichen Gewalteskalation. Die gegenwärtige Lage im Gazastreifen und im Süden Israels sei "höchst alarmierend", heißt es in einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes. Gewalt gegen unschuldige Zivilisten sei nicht zu rechtfertigen. Die Bundesrepublik habe "immer deutlich gemacht, dass Israel das Recht hat, seine Sicherheit zu verteidigen und auf Angriffe angemessen zu reagieren". Die erneute Gewalt drohe jedoch die durch Vermittlung Ägyptens und der Vereinten Nationen erzielte Entspannung zunichte zu machen, so das Ministerium in Berlin weiter. Deutschland unterstütze daher ausdrücklich die Bemühungen um eine Beruhigung der Lage.

sti/se (dpa, ap, kna)

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