Sprachprobleme bei Ärzten aus dem Ausland | Deutschland | DW | 07.03.2014
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Sprachprobleme bei Ärzten aus dem Ausland

Rund 2500 Arztstellen in deutschen Krankenhäusern sind unbesetzt. Deshalb ist man auch auf Mediziner aus dem Ausland angewiesen. Aber nicht alle sprechen gut Deutsch, wenn sie den Job antreten.

Mit einem Laparoskop entfernt Dr. Pavel Zonca die Gallenblase einer Patientin. Neben ihm stehen eine Schwester und ein Anästhesist. Im Hintergrund piepst der Narkosemonitor, ab und zu klappert das OP-Besteck. Sonst ist es ruhig im Saal. Nach knapp einer halben Stunde ist die OP zu Ende. Zonca hat nicht mehr als zehn Wörter gesagt. Wenn alles gut läuft, muss der Arzt während der OP auch nicht viel sprechen. Denn hier sind seine Fachkenntnisse gefragt.

Doch Zonca steht nicht nur am OP-Tisch. Er untersucht Patienten, führt Aufklärungsgespräche, schreibt Arztbriefe und Bescheinigungen. Gute Sprachkenntnisse sollten gerade für seinen Job eigentlich selbstverständlich sein, weiß auch der Chirurg aus Tschechien. "Doch es gibt auch andere wichtige Aspekte. Dazu gehören Empathie und Fachwissen. Und das alles zusammen macht einen guten Arzt aus", fügt Zonca selbstbewusst hinzu.

Arzt muss Patienten verstehen

Heute kann sich Zonca mit seinen Patienten problemlos verständigen. Als er aber vor sieben Jahren die Stelle im Krankenhaus in Wesseling bei Köln antrat, haperte es noch an seinem Deutsch. Deshalb fühlte er sich anfangs nicht wohl. Er sei etwas gestresst und unsicher gewesen, gibt er zu und lächelt etwas verschämt. "Von der klinischen Untersuchung her konnte ich richtig beurteilen, was Patienten fehlt und was für diagnostische Schritte man einleiten sollte". Das alles konnte er erklären, sagt der Arzt mit leiser Stimme. Falls doch nicht, griff er auch schon mal nach einem Stift, um seinen Patienten die Operationstechnik aufzuzeichnen.

Sein Chef habe ihm bei der Einstellung gesagt: "Der wichtigste Punkt ist, dass ich fachlich gut arbeiten kann". Er hätte recht gehabt, findet der heute 41-jährige Arzt. Einen Sprachkurs besuchte er nicht, die Zeit reichte dafür nicht. Er habe viel gearbeitet.

Unterschiedliche Sprachanforderungen

Medizinstudent mit Dummie; Foto: +++(c) dpa - Bildfunk+++

Immer weniger junge Menschen werden Ärzte

In Deutschland herrscht Ärztemangel. Derzeit sind nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft rund 2500 Arztstellen in Krankenhäusern unbesetzt. Deshalb ist man auf den Zuzug von Medizinern aus dem Ausland angewiesen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich ihre Zahl verdoppelt. 32.548 Ärzte mit ausländischen Wurzeln waren nach Angaben der Bundesärztekammer im Jahr 2012 in Deutschland beschäftigt. Fast jeder zehnte Arzt in Deutschland kommt damit bereits aus dem Ausland. Zwei Drittel von ihnen aus den EU-Staaten. Die größte Gruppe bilden Ärzte aus Rumänien, gefolgt von Griechenland.

Ähnlich wie Zonca sprechen viele anfangs schlecht Deutsch. Grundsätzlich dürfen sie aber keine Sprachprobleme haben. Denn in der Bundesärzteordnung im §3 steht: die Approbation bekommt nur, wer "über die für die Ausübung der Berufstätigkeit erforderlichen Kenntnisse der deutschen Sprache verfügt." Was erforderlich ist, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In den meisten Bundesländern wie zum Beispiel in Sachsen oder Niedersachsen reicht das Sprachzertifikat auf dem Niveau B2. In Thüringen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten höhere Anforderungen. Der ausländische Arzt muss eine Fachsprachprüfung ablegen.

"Wir können auch Latein benutzen"

Auch Nordrhein-Westfalen zieht nach. Bislang war dieses Bundesland nach Meinung von Johannes Güsgen "relativ offen, liberal und großzügig", was den Nachweis der Sprachkenntnisse anging. Grund dafür, vermutet der Geschäftsführer des Krankenhauses in Wesseling, sei der hohe Bedarf an Ärzten in NRW, in diesem Land sei er mit am größten.

Zoncas Deutsch wurde geprüft. Allerdings erst, als er den Job in Wesseling bereits antrat. Die Prüfung sei nicht schwierig gewesen, lächelt der Arzt. Sie sei nicht zu vergleichen mit einer Facharztprüfung. Er sollte ein Fachartikel lesen und dazu Fragen beantworten. "Aber das war Fachdeutsch und Fachdeutsch, das ist nicht so schwierig", erzählt der Mediziner aus dem tschechischen Ostrau.

Pavel Zonca, Arzt aus Wesseling, Foto: J. Bronska

Im OP ist Sprache nicht das wichtigste

Seit Anfang des Jahres werden in Nordrhein-Westfalen die Deutschkenntnisse strenger geprüft und das bereits vor Dienstantritt. Bevor ein ausländischer Arzt überhaupt zur Prüfung zugelassen wird, muss er das Sprachzertifikat der Niveaustufe B2 vorlegen. Die Prüfung besteht aus drei Modulen: Der Mediziner muss simulierte Gespräche mit Schauspielern und seinen Kollegen führen sowie die Krankheit seines Patienten schriftlich zusammenfassen. Dabei findet Johannes Güsgen, einen Arztbrief zu schreiben sei kein großes Problem. Die Fachterminologie sei in jeder Sprache "mit wenigen Abweichungen" gleich. Schließlich bedienten sich die Ärzte der lateinischen Sprache und das sei um einen Arztbrief zu schreiben das Wesentliche. "Hinzu kommt, dass die Sekretärin den Brief tippt und die sprachlichen Unebenheiten ausgleichen kann", erklärt Güsgen.

Zoncas Patienten haben kein Problem damit, dass ihr Arzt aus dem Ausland kommt. "Fachlich sind sie kompetent, genauso wie unsere auch. Da müssen sie halt mit Händen und Füßen reden", sagt Karin Herbrandt, die gerade eine OP hinter sich hat. Für Ursula Höhner ist das Vertrauen zum Arzt entscheidend. "Egal wie er spricht, auch wenn ich ihn nicht so gut verstehe. Aber wenn ich das Gefühl habe, dass er mir helfen kann, dann ist alles okay." Ihr Bruder, der neben ihr sitzt, nickt. "Solange ich den Arzt verstehe, habe ich kein Problem damit."

Die Redaktion empfiehlt