Sprachlicher Jahresrückblick: ″Heißzeit″ ist Wort des Jahres | Kultur | DW | 14.12.2018
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Sprache

Sprachlicher Jahresrückblick: "Heißzeit" ist Wort des Jahres

Was hat die Menschen in Deutschland 2018 bewegt, worüber wurde geredet? Die Gesellschaft für Deutsche Sprache kürt jedes Jahr zehn Begriffe, die das gesellschaftliche Leben in besonderer Weise bestimmt haben.

"Heißzeit" nennen Wissenschaftler ein Szenario, bei dem die globale Durchschnittstemperatur langfristig um etwa vier bis fünf Grad Celsius steigt. Der Begriff - und damit auch das Thema - kursierte im Sommer 2018 durch die deutschen Medien. Das Wetter war sonnig und heiß, doch ganz unbeschwert genießen ließen sich die ungewöhnlich warmen Temperaturen nicht: Braute sich doch am Himmel eben jenes düstere Szenario des Klimawandels zusammen. 

Gesellschaftspolitische Bedeutung 

Jedes Jahr kürt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) die "10 Wörter des Jahres". Dabei bestimmt eine Expertenjury Begriffe und Wendungen, die das gesellschaftliche Leben eines Jahres sprachlich in besonderer Weise bestimmt haben. Das Kriterium für die Auswahl der Wörter ist dabei nicht die Häufigkeit, mit der ein Ausdruck genutzt wurde, betont der Vorsitzende der Sprachgesellschaft, Prof. Dr. Peter Schlobinski, sondern die "gesellschaftspolitische Relevanz und Signifikanz". Auch die Kreativität der Wortschöpfung spielt eine Rolle, so der Sprachwissenschaftler. "Ein zweites Kriterium ist natürlich: Ist es vom Wort her interessant?" "Heißzeit" erfüllt - in lautlicher Anlehnung an "Eiszeit" - auch diese Forderung. 

2017 war "Jamaika-Aus" zum "Wort des Jahres" erklärt worden. Es umschreibt die gescheiterte Koalition von Union, Grünen und FDP nach der Bundestagswahl.

Symbolbild Deutschland Funkloch (picture-alliance/dpa/I. Kjer)

Auf dem Land gibt es nach wie vor viele Funklöcher.

Die "Funklochrepublik" und ihre "Ankerzentren"

Der zweite Begriff und damit das zweite Thema auf der Liste der Sprachwissenschaftler ist die "Funklochrepublik". Gemeint ist damit die teils schlechte Abdeckung mit Mobilfunk auf dem Land - spätestens seit dem Bundestagswahlkampf 2017 ein politisches Thema in Deutschland.  

Auf Platz drei folgt der Begriff "Ankerzentren" - laut Experten eine Art Akronym, also ein Wort, das aus den Anfangsbuchstaben oder Anfangssilben anderer Wörter gebildet wird. "Anker" steht hier also nicht für Sicherheit, weil man den Anker geworfen hat, sondern setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben von: An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Das sind die Aufgaben, die diese Zentren gebündelt erfüllen sollen. 

Zeitgeschichte: "Wir sind mehr" und "strafbelobigt"

Auch die Begriffe auf Platz vier und fünf erzählen ein Stück gesellschaftspolitische Geschichte. "Wir sind mehr" (Platz vier) war der Slogan, mit dem eine breite Öffentlichkeit in diesem Sommer auf eine rechte Kundgebung mit fremdenfeindlichen Übergriffen in Chemnitz reagierte.

Das Wort "strafbelobigt" (Platz 5) erzählt die Geschichte des Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, der nach einer umstrittenen Stellungnahme zu den Vorfällen in Chemnitz von Innenminister Horst Seehofer (CSU) zum Staatssekretär im Innenministerium ernannt werden sollte - was formal eine Beförderung gewesen wäre. Inzwischen wurde Maaßen in den einstweiligen Ruhestand versetzt. 

Chemnitz VW-Mitarbeiter gegen Rassismus (Reuters/M. Rietschel)

#wirsindmehr: Protest gegen Rassismus in Chemnitz Anfang September

"Das Wort des Jahres bzw. die Wörter des Jahres sind deswegen so elementar wichtig, weil sie Zeitgeschichte Deutschlands widerspiegeln", so Peter Schlobinski. Die weiteren Themen auf der Liste 2018: "Pflegeroboter" (Platz 6), "Diesel-Fahrverbot" (Platz 7), "Handelskrieg" (Platz 8) und "Brexit-Chaos" (Platz 9). Schlusslicht in der Liste ist "die Mutter aller Probleme" - eine Äußerung von Innenminister Seehofer zur Flüchtlingsfrage. 

Das "Wort des Jahres" wird seit 1971 gekürt. Vorschläge einreichen kann jeder. Sie werden von einer Expertenjury diskutiert, die dann schließlich die Sieger auswählt und bekanntgibt. 

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