Spion trifft das Herz kanadischer Sicherheit | Aktuell Welt | DW | 17.09.2019
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Geheimdienste

Spion trifft das Herz kanadischer Sicherheit

Ein Spionagefall bestimmt seit Tagen die Schlagzeilen in Kanada. Jetzt äußert sich Premierminister Justin Trudeau: Sein Land nehme die Informationen sehr ernst, sagt er. Kanada stehe im Kontakt mit seinen Verbündeten.

In den vergangenen Tagen ist der Druck auf den kanadischen Premierminister Justin Trudeau gestiegen, sich zu dem Fall zu äußern. Er stehe im engsten Kontakt mit allen Verbündeten, um sie über mögliche Sicherheitsrisiken zu informieren, sagte er.

Was war geschehen? Am Donnerstag vergangener Woche nahm die Polizei einen ranghohen Geheimdienstvertreter der Polizei unter dem Verdacht fest, hochgeheime Dokumente gestohlen zu haben, deren Weitergabe für die Sicherheit des Landes und seine Verbündeten "verheerende" Folgen haben könnte. Wie die Zeitung "Globe and Mail" berichtete, wurde der Generaldirektor der Geheimdienst-Koordinierungsstelle der kanadischen Bundespolizei, Cameron Ortis, als mutmaßlicher Spion entlarvt, als er sensible Informationen an das organisierte Verbrechen verkaufen wollte.

Der 47-Jährige arbeitet seit 2007 für die kanadische Regierung, unter anderem beriet er Ex-Polizeichef Bob Paulson in Fragen der nationalen Sicherheit. Nach Angaben von Paulsons Nachfolgerin Brenda Lucki hatte Ortis seit Jahren Zugang zu Geheimdienstinformationen aus dem In- und Ausland.

Kanada: Brenda Lucki (picture-alliance/C. Wattie)

Brenda Lucki, Kanadas oberste Polizeichefin, ist besorgt

"Diese Art von Information trifft das Herz von Kanadas Souveränität und Sicherheit", zitierte der Sender CBC aus einem Bericht des kanadischen Geheimdienstes. Dienste könnten Aufschluss über Ziele, Techniken, Methoden und Fähigkeiten der kanadischen Geheimdienste und ihrer Verbündeten erlangen.

Mutmaßlicher Spion war hochverschuldet

Nach Informationen von CBC war Ortis hochverschuldet. Er steht demnach im Verdacht, den Verkauf sensibler Informationen an andere Staaten, kriminelle Banden oder Terrororganisationen geplant - oder bereits getätigt - zu haben. Auf die Spur kam ihm die US-Bundespolizei FBI, nachdem sie auf dem Laptop eines inhaftierten kanadischen Geschäftsmannes mit Verbindungen zum organisierten Verbrechen eines der internen Polizeidokumente entdeckt hatte.

Laut Polizeichefin Lucki soll Ortis die Dokumente zwischen 2016 und 2019 gestohlen haben. Welche ausländischen Organisationen betroffen sind, ließ sie offen. Sie sagte nur, die Ermittlungen dauerten an. Kanada ist Mitglied der sogenannten "Five Eyes", einer Allianz von Geheimdiensten, der auch Australien, Neuseeland, Großbritannien und die USA angehören.

Sergej Magnizki (AP)

Das Grab von Sergej Magnizki auf einem Moskauer Friedhof

Laut "Globe and Mail" leitete Ortis unter anderem Ermittlungen über die mutmaßliche Geldwäsche russischer Gelder in Kanada. Hintergrund ist ein 230 Millionen Dollar schwerer Betrug durch ranghohe Vertreter des russischen Innenministeriums und russische Steuerbeamte, die der russische Anwalt Sergej Magnizki aufgedeckt hatte. Magnizki war 2009 in russischer Haft gestorben - nach offiziellen Angaben an Herzversagen.

Sollte Ortis wegen Verstoßes des Gesetzes zum Schutz vor ausländischer Spionage und der nationalen Sicherheit verurteilt werden, drohen ihm bis zu 30 Jahre Haft.

nob/jj (afp, afpe, ap)

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