Spekulationen über nordkoreanische Atomanlage | Asien | DW | 12.09.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Spekulationen über nordkoreanische Atomanlage

Fährt Nordkorea den seit sechs Jahren stillgelegten Reaktor von Yongbyon wieder hoch? Das befürchten US-Forscher aufgrund neuer Luftaufnahmen. Die südkoreanische Regierung reagierte gelassen.

(Foto: ddp images/AP Photo/APTN)

Der Kühlturm des Atomkraftwerks von Yongbyon

Eine weiße Rauchsäule ist auf dem Satellitenbild zu sehen. Qualm über einem Gebäudekomplex, das Ganze etwas verschwommen in der Vergrößerung. Aufgenommen wurde das Bild am 31. August 2013. Es zeigt die nordkoreanische Atomanlage von Yongbyon aus der Luft. Und die Tatsache, dass ganz in der Nähe der Halle, in der Dampfturbinen und elektrische Generatoren stehen, weißer Dampf aufsteigt, ist nach Ansicht von Nick Hansen und Jeffrey Lewis vom US-Korea-Institut an der renommierten Johns-Hopkins-Universität in Baltimore ein Indiz dafür, dass "Pjöngjang den Reaktor offenbar wieder in Betrieb genommen hat."

Erste Reaktionen von Seiten der südkoreanischen Regierung fielen zurückhaltend aus. "Gibt es Rauch ohne Feuer?" konterte Kim Min Seok, Sprecher des Verteidigungsministeriums bei einer Pressekonferenz auf die Frage eines Journalisten. Mehr sagte er nicht zu dem Thema. Ein weiterer, namentlich nicht genannter Regierungsvertreter aus Seoul erklärte, man benötige jetzt erst einmal Zeit, um die Meldungen zu überprüfen. Washington und Seoul würden die Anlage von Yongbyon aber ohnehin seit der angespannten Lage auf der koreanischen Halbinsel im Frühjahr dieses Jahres verstärkt beobachten.

Nordkoreanische Parallel-Strategie

Qualm über dem Kühlturm bei dessen Zerstörung im Jahr 2008 (Foto:Kyodo/MAXPPP)

2008 ließ die nordkoreanische Führung den Kühlturm zerstören

Die Meldung über neue Aktivitäten an dem stillgelegten Reaktor kommt zu einem Zeitpunkt, da die Zeichen auf der koreanischen Halbinsel eigentlich nach der jüngsten Krise wieder auf Entspannung zu stehen scheinen. So soll Mitte Setember die seit fünf Monaten ruhende Produktion in dem von beiden Ländern gemeinsam betriebenen Industriepark Kaesong wieder aufgenommen werden. Trotzdem komme die jüngste Entwicklung nicht ganz aus dem Nichts, erklärt Lars-André Richter, Landesvertreter der Friedrich-Naumann-Stiftung in Seoul. "Dass man die Anlage wieder hochfahren will, hat Nordkorea angekündigt, allerdings schon Anfang April, auf dem Höhepunkt der Krise, als auch Kaesong geschlossen wurde."

Dass es nun tatsächlich Hinweise auf Aktivitäten auf dem Gelände des stillgelegten Reaktors gibt, ist aus Sicht des Experten daher nur in Hinblick auf den Zeitpunkt überraschend. Weiter weist Richter auf die beiden scheinbar entgegengesetzten Entwicklungen hin, die sich derzeit abzeichnen. "Entspannung einerseits, und andererseits wird der Reaktor wieder hochgefahren - das klingt widersprüchlich." Allerdings, so Richter weiter, nur auf den ersten Blick. Nordkorea verfolge die sogenannte Byeongjin-Strategie, übersetzt Parallel-Strategie. "Sie geht auf Kim Il Sung zurück, ist allerdings erst seit Ende März offizielle Politik. Man will die Lebensverhältnisse der Menschen, ihre wirtschaftliche Situation verbessern, sich aber gleichzeitig um die nationale Verteidigung kümmern." Und dazu gehöre natürlich auch das Nuklearprogramm.

Kim Jong Un winkend bei einer Militärparade in Pjöngjang am 9. September(Foto: AP Photo/KRT via AP Video)

Welche Strategie verfolgt Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un?

Lange Vorgeschichte

Bis zu sechs Kilogramm Plutonium könne jährlich in der Atomanlage von Yongbyon produziert werden, schreiben die Wissenschaftler der US-amerikanischen Johns-Hopkins-Universität weiter. Dadurch könne Pjöngjang seine Atomwaffenbestände langsam erweitern.

Seit mittlerweile sechs Jahren ist der Fünf-Megawatt-Reaktor nicht mehr am Netz. Im Juni 2008 hatte die nordkoreanische Führung unter dem damaligen Diktator Kim Jong-Il die Zerstörung der Kühltanks befohlen - und damit die Auflagen der sogenannten Sechs-Parteien-Gespräche, an denen neben Nord- und Südkorea auch die USA, Russland, China und Japan beteiligt waren, erfüllt. Die Gespräche liegen allerdings seit 2009 auf Eis.

Die Redaktion empfiehlt