SPD-Urgestein Egon Bahr ist tot | Aktuelles | DW | 20.08.2015
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Aktuelles

SPD-Urgestein Egon Bahr ist tot

Er prägte die deutsche Ostpolitik der 70er Jahre. Als Weggefährte von Bundeskanzler Willy Brandt stellte Bahr die Weichen für den "Wandel durch Annäherung".

Der SPD-Politiker Egon Bahr ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Der frühere Bundesminister war ein enger Vertrauter des SPD-Kanzlers Willy Brandt. "Mit großer Bestürzung und tiefer Trauer haben wir in der letzten Nacht vom Tode Egon Bahrs erfahren", sagte Parteichef Sigmar Gabriel der Deutschen Presse-Agentur. Die deutsche Sozialdemokratie und viele Menschen in Europa trauerten um einen "mutigen, aufrichtigen und großen Sozialdemokraten, den Architekten der deutschen Einheit, Friedenspolitiker und Europäer", sagte Gabriel.

Bahr, der 1922 im thüringischen Treffurt geboren wurde, galt zusammen mit Brandt als Architekt der deutschen Ostpolitik. Die Annäherung an die damalige Sowjetunion und die DDR war eine wichtige Voraussetzung zur späteren Überwindung der Teilung Deutschlands und Europas. Mit Moskau und Warschau verhandelte Bahr über Verträge zu einem Gewaltverzicht und zur Normalisierung der Beziehungen. Er wirkte unter anderem als Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Im Jahr 1972 wurde er Bundesminister für besondere Aufgaben. Nach dem Rücktritt Brandts im Jahr 1974 wurde Bahr unter Nachfolger Helmut Schmidt (SPD) Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

"Großer Vordenker mit einzigartiger Tatkraft"

Gabriel würdigte den für seine diskrete Diplomatie bekannten Politiker als "großen Vordenker mit einzigartiger politischer Tatkraft". Er habe "auf die Macht der Freiheit und die Kraft des Gesprächs" vertraut. Dies sei die Grundlage für den "Wandel durch Annäherung" gewesen, erklärte der SPD-Chef. Die später berühmt gewordene Formulierung war die Überschrift eines Vortrags, den Bahr 1963 vor der Evangelischen Akademie in Tutzing hielt.

Bis zuletzt sei Bahr stets ein loyaler und unermüdlicher Ratgeber der SPD gewesen, so Gabriel. "Wir werden seine analytische Brillanz, seine Rationalität und Leidenschaft, aber auch sein Temperament und seinen liebenswürdigen Humor sehr vermissen." Bahr war noch Ende Juli in Moskau und hatte sich dort zusammen mit dem Ex-Sowjetpräsidenten Michail Gorbatschow für ein Ende der Entfremdung zwischen Deutschland und Russland in der Ukrainekrise ausgesprochen.

jj/rb (dpa, munzinger)

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