Sondertribunal bestätigt Haftstrafe für Taylor | Aktuell Welt | DW | 26.09.2013
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Aktuell Welt

Sondertribunal bestätigt Haftstrafe für Taylor

Es bleibt bei den 50 Jahren Gefängnis. Eine Berufungskammer des Sondertribunals für Sierre Leone erhielt in den Niederlanden das Urteil der Vorinstanz gegen den früheren liberianischen Staatschef Taylor aufrecht.

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Keine Gnade für Taylor

Der liberianische Ex-Präsident Charles Taylor muss Jahrzehnte im Gefängnis bleiben. Ein Berufungsgericht in Leidschendam bei Den Haag bestätigte die Haftstrafe von 50 Jahren, zu der Taylor 2012 wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Vergewaltigung, Sklaverei und Rekrutierung von Kindersoldaten im Nachbarland Sierra Leone verurteilt worden war.

Der Ex-Diktator hat nach Überzeugung des UN-Sondertribunals im Bürgerkrieg in Sierra Leone die für ihre Brutalität berüchtigten Rebellen bewaffnet und unterstützt. Zudem ließ er die eigenen Truppen an der Seite der Rebellen in Sierra Leone kämpfen. Dafür die Unterstützung wurde er mit sogenannten Blutdiamanten bezahlt, die unter unmenschlichsten Bedingungen geschürft wurden. Im Bürgerkrieg in Sierra Leone zwischen 1991 und 2001 wurden rund 120.000 Menschen getötet.

"Die Berufungskammer bestätigt die Strafe von 50 Jahren Gefängnis und ordnet an, dass die Strafe umgehend umgesetzt wird", sagte der Vorsitzende Richter George King. Er bestätigte damit das Urteil erster Instanz, gegen das sowohl die Verteidigung als auch die Anklage Berufung eingelegt hatten. Während die Anklage eine Strafe von 80 Jahren wollte, forderte die Verteidigung einen Freispruch für Taylor.

Taylor bestreitet Tatvorwürfe

Taylor hatte alle Vorwürfe im sogenannten "Blutdiamanten-Prozess" von 2012 stets zurückgewiesen. Er kritisierte den Prozess als Verschwörung, die Verteidigung warf den Richtern Verfahrensfehler und eine falsche Interpretation der Beweise vor. In seinem Heimatland hat er noch viele Unterstützer.

Erst am Samstag versammelten sich in der liberianischen Hauptstadt Monrovia wieder mehrere hundert Menschen, um seine Freilassung zu fordern. Der Ex-Diktator des westafrikanischen Landes muss seine Strafe voraussichtlich in einem britischen Gefängnis verbüßen.

Der 65-Jährige war der erste ehemalige Staatschef seit den Nürnberger Prozessen, der von einem internationalen Gericht wegen Anstiftung und Beihilfe zu Kriegsverbrechen verurteilt wurde. Der Prozess, der im Juni 2007 begonnen hatte, fand weltweit Beachtung, weil auch prominente Zeugen wie das frühere Top-Model Naomi Campbell und Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela in Den Haag aussagten. Mit dem jetzigen Berufungsurteil geht einer der letzten Prozesse des Sondertribunals für Sierra Leone zu Ende. Das Gericht in Den Haag und in der sierraleonischen Hauptstadt Freetown soll in diesem Jahr noch seine Arbeit beenden.

kle/hf (afp, dpa, epd, rtre)

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