Somalischer ″Pirat 001″ kommt nicht ins Kino | Aktuell Welt | DW | 14.10.2013
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Aktuell Welt

Somalischer "Pirat 001" kommt nicht ins Kino

Der somalische Piratenchef war dümmer als die Polizei erlaubt: Er flog mit einem Komplizen nach Brüssel, um einen Filmvertrag zu unterzeichnen. Aber das war eine Falle. Jetzt sitzen die Seeräuber hinter Gittern.

Mit einem erfundenen Filmprojekt haben belgische Polizisten zwei führende somalische Piraten nach Brüssel gelockt und bei der Ankunft auf dem Flughafen verhaftet. Dies teilte Staatsanwalt Johan Delmulle vor der Presse mit. Die beiden Männer sollen die Entführung des belgischen Schiffes "Pompei" im April 2009 geleitet haben. Das Schiff war zwei Monate später gegen Zahlung eines hohen Lösegeldes wieder freigekommen.

"Pirat 001"

Der Somalier Mohammed Abdi Hassan, auch als Afweyne ("Großmaul") bekannt, galt als einer der wichtigsten Piratenführer an den Küsten des Indischen Ozeans. Er trug den Spitznamen "Pirat 001", berichteten belgische Medien. Auch bei der Kaperung und Entführung des belgischen Schiffs spielte er nach Zeugenaussagen des zweiten Steuermannes eine zentrale Rolle.

Das im April 2009 gekaperte belgische Schiff Pompei (Foto: dpa)

Das im April 2009 gekaperte belgische Schiff

Nach Angaben des Staatsanwaltes machten die belgischen Polizisten dem Piratenchef in einer Undercover-Operation weis, dass sie einen Film über den berühmten Piraten Afweyne und dessen aufregendes Leben drehen wollten. Zur Unterzeichnung des Vertrages müsse er aber nach Brüssel kommen.

Der Seeräuber sah darin kein Problem, flog von Nairobi in Kenia aus nach Brüssel - und wurde dort von einem Großaufgebot der Polizei erwartet. "Diese Leute bleiben ja meist außen vor, obwohl sie eine wichtige Rolle bei Kaperungen spielen und oft den größten Teil der Beute einstecken", sagte Delmulle. Es habe Monate gedauert, die beiden Männer zur Reise nach Belgien zu überreden.

"Pompei"-Entführer drohen 30 Jahre Knast

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton begrüßte die Festnahme als einen "bedeutsamen Schritt im Kampf gegen die Piraterie". Dennoch seien Gruppen von Seeräubern weiterhin aktiv. "Die EU wird deshalb in diesem Kampf nicht nachlassen", sagte ein Sprecher Ashtons.

Abdi Hassan und seinem Komplizen drohen nun 15 Jahre Haft für das Aufbringen des Schiffes und 30 Jahre wegen Geiselnahme. Sie werden an diesem Dienstag einem Haftrichter in Brügge vorgeführt. In Belgien befinden sich bereits zwei Piraten in Haft, die ebenfalls an der Kaperung der "Pompei" beteiligt waren: Sie wurden zu neun beziehungsweise zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Seeräuberei am Horn von Afrika, im Golf von Aden und im nordwestlichen Indischen Ozean war lange Jahre ein einträgliches Geschäft. 2011 nahmen die Piraten rund 160 Millionen Dollar an Lösegeld ein und verursachten einer US-Studie zufolge Kosten für die Schifffahrt in Höhe von sieben Milliarden Dollar.

Seit mehrere Staaten ihre Marine-Patrouillen in der Region verstärkt haben, ist die Piraterie zurückgegangen. Viele Seeräuber haben sich mittlerweile auf die Entführung von Touristen und Mitarbeitern von Hilfsorganisationen im Norden Kenias und in Somalia verlegt.

re/sti (dpa, afp, rtr)