Einheit für alle, Sicherheit für alle | Deutschland | DW | 03.10.2018
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Tag der Deutschen Einheit

Einheit für alle, Sicherheit für alle

Noch nie waren die Sicherheitsvorkehrungen zum Tag der Deutschen Einheit so hoch wie in diesem Jahr: Aus Angst vor Anschlägen müssen Besucher viele Kontrollen über sich ergehen lassen. Die meisten finden dies richtig.

Keine Nazis, keine Selfie-Sticks, keine großen Rucksäcke. Nur drei von insgesamt zwölf Verboten, auf die ein Schild am Eingang hinweist. Gegen die ersten beiden hat Chihlin Chi aus Taiwan nichts einzuwenden. Dass er wegen seines Rucksacks am Vortag das Gelände nicht betreten durfte, empfindet er aber als "unangenehm."

Wie er müssen alle Besucher ihre Taschen entweder draußen lassen oder - wenn sie klein genug sind - durchsuchen lassen, bevor sie den Bereich rund um Brandenburger Tor und Berliner Regierungsviertel betreten dürfen. Schon seit zwei Tagen läuft dort das Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit. Am heutigen Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober, werden rund eine Million Menschen erwartet.

Sicherheitskräfte in neongelben Warnwesten nehmen Besuchern nicht nur Glasflaschen und spitze Gegenstände ab, sondern auch Klappstühle, Stockregenschirme und alkoholische Getränke. Wer nichts Verbotenes dabei hat, bekommt ein hellblaues Bändchen an die Tasche geheftet. 

Der 28. Tag der Deutschen Einheit wird 2018 in Berlin so groß gefeiert, weil die Hauptstadt diesmal die offizielle Feier für ganz Deutschland ausrichtet. Im vergangen Jahr fand sie in Rheinland-Pfalz statt, 2019 übernimmt das norddeutsche Bundesland Schleswig-Holstein die Organisation. 

Deutschland - Fest der Deutschen Einheit in Berlin (DW/M. Strauß)

Taschenkontrolle vor dem Brandenburger Tor: Keine Flasche, keine Regenschirme, keine Klappstühle

Ein Grund dafür, dass die Sicherheitsvorkehrungen so hoch sind - die Veranstalter rechnen in drei Tagen mit bis zu einer Million Menschen. Ein anderer, so könnte man annehmen, sind die teils rechtsradikalen Ausschreitungen im ostdeutschen Chemnitz vor einigen Wochen. Damals musste die Polizei sich viel Kritik gefallen lassen, weil anfangs zu wenige Einsatzkräfte vor Ort waren.

Besucher reagieren gelassen 

Durch Chemnitz habe sich nichts geändert, so der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf. "Wir sind auf alle möglichen Szenarien vorbereitet", sagt er über die Einheitsfeier. "Ich kann nur betonen, dass wir präsent sind und alles tun, um für Sicherheit zu sorgen."

Präsenz zeigen Polizisten und Polizistinnen auf jeden Fall. Zwischen Currywurstbuden, Kaffeeständen und weißen Zelten, in denen sich Berliner Museen, die 16 deutschen Bundesländer und auch die Bundesregierung präsentieren, patrouillieren sie in Zweier- oder Dreiergespannen, alle paar Meter parkt ein Polizeiauto.

Deutschland - Fest der Deutschen Einheit in Berlin: Rosella, Vincenzo und Rosabla aus Neapel (DW/M. Strauß)

Rosella, Vincenzo und Rosalba aus Neapel fühlen sich sicher auf der Einheitsfeier

Viele Besucher finden das gut. Sei es ein älteres Paar aus der Nähe von Düsseldorf, "der Name tut nichts zur Sache", Mutter Rosella, Vater Vincenzo und Tochter Rosalba aus Neapel, Italien oder Jürgen Seifert aus dem Berliner Stadtteil Marzahn mit seinem alten Duisburger Kumpel Heinz Romanski. Alle sagen sie: Ja, die Kontrollen seien streng und ja, viel Polizei tummle sich auch hier, aber das sei besser, weil sie sich deshalb sicher fühlten.

Dass erst am Montag sechs mutmaßliche Rechtsterroristen einer Gruppe namens "Revolution Chemnitz" festgenommen wurden, die offenbar einen Anschlag auf die Einheitsfeier am 3. Oktober geplant hatten, bereitet ihnen kein mulmiges Gefühl im Bauch. "Das mit Chemnitz habe ich gar nicht so richtig mitbekommen", sagt der Berliner Seifert. "Aber solche Großveranstaltungen müssen stattfinden, sonst haben 'die' ja schon gewonnen."

Manuela De Ltiis  und Andrea Senn, zwei Schweizer Touristinnen, befürworten es, wenn die Kontrollen "eher stärker als schwächer" ausfallen, "gerade in der heutigen Zeit". Angst hätten sie auf dem Bürgerfest nicht, es sei ja genug Polizei da.

Deutschland - Fest der Deutschen Einheit in Berlin: Manuela De Ltiis und Andrea Senn aus der Schweiz (DW/M. Strauß)

Manuela De Ltiis und Andrea Senn sind extra aus der Schweiz angereist

Der Organisator will dafür sorgen, dass nichts schief geht 

Moritz van Dülmen, Geschäftsführer von Kulturprojekte Berlin, verantwortlich für die Organisation der Einheitsfeier, betont, dass nach den Festnahmen in Chemnitz alle noch wachsamer seien. Dies bedeutet konkret: An den Eingängen sollen mehr Sicherheitskräfte als geplant darauf achten, dass nichts schief geht. "Gefährliche Gegenstände sollen nicht aufs Gelände kommen, nicht nur Waffen, sondern zum Beispiel auch Flaschen", sagt van Dülmen.

Laut Sprecher Thomas Neuendorf seien von Polizeiseite aber "keine weiteren Anpassungen erforderlich." "Wir haben genug Einsatzkräfte vor Ort", erklärt er im Gespräch mit der DW. Am 1. Oktober seien es 1800 gewesen, am 2. Oktober 2300 und am 3. Oktober, dem wichtigsten Tag, sollen 4400 Polizistinnen und Polizisten anrücken, nicht nur aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland.

Deutschland Bürgerfest zum Tag der Deutschen Einheit | Sicherheitsvorkehrungen, Polizei (Imago/Seeliger)

Für den 3. Oktober sind mehrere Demos angemeldet. Rund 4000 Polizisten sollen für Sicherheit sorgen

Die Zahl der Einsatzkräfte ist auch deshalb so hoch, weil für den Tag der Deutschen Einheit verschiedene Demonstrationen angemeldet sind, so Neuendorf. Unter dem Titel "Tag der Nation 2018" werden vermutlich 1000 teils rechtspopulistische und rechtsradikale Demonstranten aufmarschieren. Angekündigt sind auch 3000 Teilnehmer für diverse Gegendemonstrationen.

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