So ein Kokolores! | Sprachbar | DW | 05.08.2015
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Sprachbar

So ein Kokolores!

Ein kurioses Wort, Kokolores, mit einer nicht eindeutig geklärten Sprachgeschichte und einem maskulinen Artikel. Die Definition, was Kokolores ist, wer Kokolores redet oder Kokolores macht, ist individuell verschieden.

Audio anhören 05:21

So ein Kokolores! – die Folge als MP3

Wer gerne Kreuzworträtsel löst und dort ein Synonym für „Unsinn“ sucht, kommt an diesem Wort selten vorbei: Kokolores. Würde bei einer Ratesendung im Fernsehen die Auswahlfrage nach der richtigen Schreibweise gestellt, würde mancher allerdings ganz plötzlich ins Grübeln kommen. Ist es nun Kukoloris, Kokolorus, Kokoloris, Kukeloris, Kokelores oder Kokulores?

Was haben Wichtigtuer mit Kokolores zu tun?

Symbolbild: Ein Hahn mit aufgeblähtem Bauch

Ein „aufgeblasener Wichtigtuer“ ...

So ein Blödsinn, sich überhaupt ein derartiges Wort merken zu müssen, werden sicher manche denken, die keine Freunde des Kreuzworträtsels sind. Und überhaupt, wofür brauche ich es? Nun ja, zumindest Freunde kurioser Wörter können ihre Sammlung um einen weiteren Begriff erweitern. Dabei weiß niemand so recht, woher er eigentlich kommt.

Aber Sprachwissenschaftler sind hartnäckige Menschen und irgendetwas finden sie immer heraus. Zum Beispiel, dass es im Englischen den Ausdruck cockalorum gab und gibt. Zunächst in der Bedeutung „Hahn“ und später im übertragenen Sinn für eine aufgeblasene Person, einen Wichtigtuer. So jemand macht erfahrungsgemäß besonders viel Aufhebens um sich und redet oft dummes Zeug oder Unsinn, den niemand ernst nimmt. Vielleicht sagen wir deshalb: „Rede keinen Kokolores!“, wenn uns jemand mit seinem Geschwätz auf die Nerven geht.

Gaukler und Kokolores – ein Zusammenhang?

Eine Straßenkünstlerin mit Ballons

Ob Kokolores was mit dem niederdeutschen Wort „gockeler“ zu tun hat?

Ziemlich viel Fantasie muss jedoch jemand aufgewendet haben, um vom Schluss eines lateinischen Gebetstextes auf „Kokolores“ zu kommen. Von per omnia saecula saeculorum bis zu unserem viersilbigen Begriff ist es doch ein recht weiter Weg. Immerhin findet sich diese Erklärung in einem durchaus ernstzunehmenden Fachbuch. Genauso wie die These, Kokolores sei möglicherweise aus dem alten niederdeutschen Wort „gockeler“, dem heutigen „Gaukler“, entstanden.

„Jemandem etwas vorgaukeln“ hat zwar nicht unbedingt mit Unsinn reden zu tun, aber mit der Absicht, einer Person ein X für ein U vorzumachen. Mit anderen Worten: zu schwindeln. Und wer dabei ertappt wird, muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass eben alles Kokolores ist. Unser Kreuzworträtselwort ist – und das weiß man nun wirklich genau – seit 1900 in ganz Deutschland verbreitet. In der Theater- und Studentensprache war es außerordentlich beliebt. Es würde allerdings heute niemandem mehr einfallen, eine Zahnpasta „Kokolores“ zu nennen. Anfang der 1920er Jahre gab es sie tatsächlich. Auf einer zeitgenössischen Zeichnung vom Berliner Sechstagerennen ist jedenfalls ein entsprechendes Werbeplakat zu sehen.

Was haben Mumpitz und Kokolores gemeinsam?

Wer nun glaubt, das sei Mumpitz und der Zeichner habe sich einen Scherz erlaubt: weit gefehlt. In der Berliner Illustrierten Zeitung erschienen 1924 Anzeigen für dieses Produkt. Für Mumpitz, ein ebenso kurioses Wort in ähnlicher Bedeutung wie Kokolores, finden sich die ersten Belege bereits um 1870. Übrigens ebenfalls in Berlin. Und zwar zunächst als Ausdruck für Schwindeleien an der Börse.

Symbolbild: Ein Mann steht vor der Börsentafel, der Börsenverlauf ist ganz unten angekommen

Ein Schreckgespenst, ein Mummelputz …

In ihm steckt das alte Wort „Mummelputz“. Es klingt zwar sehr putzig, meint aber etwas Bedrohliches. Nämlich „Schreckgestalt“ oder „Gespenst“. Der Mumpitz ist dann im Lauf der Zeit zu einem Begriff geworden, der erschreckendes Gerede, verlogenes Geschwätz oder einfach Unsinn bedeutet. In der Deutschen Allgemeinen Zeitung vom 24. Juni 1938 stand in einem Gerichtsbericht zu lesen: „Der gerichtliche Sachverständige erklärte, die Methoden des Angeklagten seien absoluter Mumpitz.“

Humbug, Stuss, Tinnef, Blech …

Na ja, wer weiß. Vielleicht war der Angeklagte ein Börsenschwindler, dem man auf die Schliche gekommen war, weil er zu seiner Verteidigung nur Kokolores geredet hatte. Zum Schluss noch ein Tipp für alle Kreuzworträtselfans: Wenn Kokolores oder Mumpitz nicht passen. Wie wär’s beispielsweise mit Humbug, Stuss, Tinnef, Blech, Quark oder Schmarren?




Arbeitsauftrag
Recherchiert im Internet nach einem Beispiel für etwas, das ihr als „Kokolores“ bezeichnen würdet. Das kann ein Video sein, ein Text, eine Zeichnung etc. Stellt dieses Beispiel in eurer Lerngruppe vor und begründet in einem mündlichen Vortrag, warum ihr es ausgewählt habt.





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