Skiurlaub trotz Klimawandel: Geht das? | DW Reise | DW | 17.02.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Wintersport

Skiurlaub trotz Klimawandel: Geht das?

Mehr Schneekanonen, Lifte und Seilbahnen: Um den ausbleibenden Schnee zu kompensieren, rüsten viele Skigebiete mächtig auf - trotz Kritik von Umweltschützern. Andere hingegen setzen auf einen sanfteren Wintertourismus.

Matschiges Braun statt winterliches Weiß. Zur Enttäuschung vieler Wintersportfans bleibt der Schnee in vielen Skigebieten Europas weiterhin aus. Besonders in niedrigeren Lagen wie den deutschen Mittelgebirgen stehen deshalb die Lifte bis auf wenige Ausnahmen still. Klimaforscher sind sich einig: Weiße Winter werden in Zukunft weniger – selbst in den Hochgebirgen. Die Schneefallgrenze steigt, Gletscher schmelzen ab. Das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF) im schweizerischen Davos geht davon aus, dass die Schneebedeckung der Alpen bis Ende des Jahrhunderts um 70 Prozent abnehmen wird, sollten keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergriffen werden.

Skigebiete rüsten auf

Sind Urlaube im Schnee also bald Geschichte? "In den kommenden 15 bis 20 Jahren wird man in Regionen oberhalb von 2000 Metern wohl noch Skifahren können", schätzt der renommierte Alpenforscher Werner Bätzing. Doch danach, also in 20 bis 30 Jahren, werden sich die Skigebiete in noch höhere Regionen zurückziehen müssen. "Das werden sich allerdings nur wenige Menschen leisten können", so Bätzing im Gespräch mit der DW. Denn: Um den Skibetrieb langfristig aufrecht erhalten zu können, setzen Skigebiete immer stärker auf Kunstschnee. Der ist allerdings teuer und verbraucht Unmengen an Wasser und Energie – ein Schritt in die falsche Richtung, kritisieren Umweltschützer.

Schweiz Schneemangel im Wallis (picture-alliance/imagebroker/M. Riedo)

Skigebiete setzen immer stärker auf Schneekanonen

Neben Schneekanonen soll ein Ausbau der Skigebiete in höheren Lagen helfen, den Folgen des Klimawandels zu trotzen. Alpenforscher Werner Bätzing sieht darin eine "katastrophale Entwicklung". Er verweist auf die geplante Fusion der Tiroler Skigebiete Pitztal und Ötztal, die massive Eingriffe in die teils unberührte Gletscherlandschaft zur Folge hätte und fordert: "Ganz klar, ein Verbot weiterer Zusammenschlüsse von Skigebieten". Damit ist er nicht allein. Auch die Alpenvereine und die internationale Alpenschutzkommission Cipra fordern ein solches Verbot.

Anreise ist entscheidender Klimafaktor

Verantwortlich für die Klimaverträglichkeit eines Skiurlaubs sind allerdings weniger die Schneekanonen und Seilbahnen, sondern vielmehr die Winterurlauber selbst. Rund 70 Prozent des CO2-Ausstoßes entstehen durch ihre An- und Abreise. Viele Skitouristen kommen immer noch mit dem Auto in die Alpen, sodass die Luft in den Alpentälern erheblich belastet ist. Umweltfreundliche Alternativen gäbe es genug, man müsse sie nur nutzen, meint Werner Bätzing: "Die Alpen liegen mitten in Europa und sind extrem gut mit dem Zug zu erreichen." Einige Skigebiete könnten direkt mit der Bahn, viele mit einem Shuttlebus angefahren werden.

Werner Bätzing, Kulturgeograf und Alpenforscher (J. Duschletta/Engadiner Post)

Alpenforscher Werner Bätzing

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) gehen mit gutem Beispiel voran: Seit Januar 2020 haben sie ihre Verbindungen in die Tiroler Skigebiete ausgebaut und bringen die Winterurlauber aus Deutschland und Österreich mit zusätzlichen Nachtzügen in die Berge.

Und auch vor Ort kann man auf die Klimaverträglichkeit des eigenen Winterurlaubs achten. Kleine und mittlere Skigebiete sind oft umweltfreundlicher als die großen. 21 von ihnen haben sich unter dem Label Alpine Pearls zusammengeschlossen und bieten eine "sanfte" Alternative abseits der Touristenmassen an. Auch bei der Auswahl des Hotels gibt es nachhaltige Alternativen: Der kleine Gasthof hat eine wesentlich bessere Klimabilanz als ein 5-Sterne-Hotel. Besonders nachhaltige Unterkünfte tragen Gütesiegel wie Viabono, das Österreichische Umweltzeichen oder die Blaue Schwalbe.

Schneemangel wird den Tourismus nachhaltig verändern

Ob nachhaltig oder nicht: Viele Regionen werden sich auf lange Sicht vom Skitourismus verabschieden müssen. Vor allem in niedrigeren Lagen wird aufgrund der steigenden Temperaturen die Produktion von Kunstschnee nicht mehr möglich sein. In seinem aktuellen "Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel" empfiehlt das Umweltbundesamt deshalb, "zunehmend alternative Angebote zu entwickeln, die weniger oder gar nicht auf Schnee angewiesen sind."

Einige Tourismusverbände denken bereits um, so zum Beispiel im Erzgebirge. Auf den mangelnden Schneefall in den Wintermonaten habe man kurzfristig mit alternativen Angeboten wie geführten Fackel- und Erlebniswanderungen reagiert, erklärt Andrea Beyer vom Tourismusverband Erzgebirge gegenüber der DW. Bereits seit einigen Jahren setze man verstärkt auf Winterwanderungen. Die Region biete zudem mit über 100 Freizeiteinrichtungen wie Thermen, Freizeitbädern, Bahnen, Schaubergwerke, Museen, Burgen und Schlösser eine Vielfalt an Angeboten abseits der Pisten. Andrea Beyer ist zuversichtlich: "Wir sehen für unsere Reiseregion Erzgebirge gute Chancen auch bei Schneemangel."

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema