SIPRI: ″Atomwaffen werden wichtiger″ | Aktuell Welt | DW | 16.06.2019
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Rüstung

SIPRI: "Atomwaffen werden wichtiger"

Eine Welt ohne Nuklearwaffen sei nicht in Sicht, warnt das SIPRI-Institut. Im Gegenteil: Zwei wichtige Abrüstungsverträge zwischen Russland und den USA laufen in Kürze aus. Dann könnte ein neues Wettrüsten beginnen.

US Atomrakete (picture-alliance/AP Photo/C. Riedel)

US-Interkontinentalrakete vom Typ Minuteman-III, die mit nuklearen Sprengköpfen ausgerüstet ist

Die Atommächte des Planeten investieren wieder mehr in ihre nuklearen Waffenarsenale. Zwar ging die Zahl der Atomsprengköpfe im vergangenen Jahr weltweit um vier Prozent zurück, wie das Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI berichtet. Dafür verstärkten die Staaten aber ihre Anstrengungen, um die Arsenale zu modernisieren.

Unter der US-Regierung von Präsident Donald Trump sei dies Teil einer umfassenden Strategie. Auch in Russland gebe es einen ähnlichen Trend, teilte das Institut mit. "Wir sehen, dass Atomwaffen bei nationalen Sicherheits- und Militärstrategien wieder wichtiger werden", sagte SIPRI-Experte Shannon Kile der Deutschen Presse-Agentur. Und der zahlenmäßige Rückgang verschleiere, dass beide Mächte vor allem Waffen ausrangierten, die sie nicht mehr brauchten.

Nordkorea stockt auf

Washington und Moskau verfügen demnach zusammengerechnet über 92 Prozent aller Atomsprengköpfe der Welt: Die Bestände der USA werden auf 6185, die in Russland auf 6500 geschätzt. Auch die UN-Vetomächte Großbritannien (200), Frankreich (300) und China (290) sowie Israel (80-90), Indien (130-140) und Pakistan (150-160) verfügen über solche Waffen. Insgesamt sollen es weltweit knapp 13.900 sein.

Das Land, dessen Atomarsenal zuletzt am meisten im Blickpunkt der Weltöffentlichkeit stand - Nordkorea - dürfte laut SIPRI 20 bis 30 Atomsprengköpfe besitzen, nach 10 bis 20 im Jahr 2018.

USA B-53-Atombombe - Atomsprengkopf (picture-alliance/dpa/U.S. Air Force)

Die letzte B-53 wurde 2011 ausgemustert - eine der wichtigsten Kernwaffen der USA im Kalten Krieg

Diese Zahlen sind für sich genommen jedoch wenig aussagekräftig: Entscheidend ist im Konfliktfall, wie viele atomare Sprengköpfe operativ einsetzbar sind. Weltweit gehen die Stockholmer Friedensforscher von 3750 solcher Nuklearwaffen aus, wovon fast 2000 auf hoher Alarmstufe bereitgehalten werden. Lediglich Atomsprengköpfe der USA, Russlands, Großbritanniens und Frankreichs gelten als sofort einsatzbereit.

New Start am Ende

Der Rückgang bei der Zahl an Atomwaffen weltweit geht auch auf zwei Abrüstungsabkommen zwischen Russland und den USA zurück: auf New Start, das im Jahr 2010 geschlossen wurde und 2021 ausläuft, und auf den inzwischen gekündigten INF-Vertrag von 1987. Beide Abkommen dürften somit in absehbarer Zeit ihre Wirkung verlieren.

Replik der ersten russischen Atombombe (picture-alliance/ITAR-TASS/A. Geodakyan)

Replik der ersten russischen Atombombe RDS-1 in einem Moskauer Museum (Archivbilder)

Erst vor knapp einer Woche hatte Bundesaußenminister Heiko Maas gewarnt, die Krise bei den Bemühungen um nukleare Abrüstung stelle eine Gefahr für den Weltfrieden dar. Nach einem Treffen mit Ministern aus 15 anderen Ländern ohne Atomwaffen in Stockholm kritisierte Maas, das Thema stehe derzeit überhaupt nicht auf der politischen Agenda. Dort gehöre es aber ohne Frage hin.

jj/wa (dpa, epd)

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