Sierra Leone stoppt chinesischen Flughafenbau | Wirtschaft | DW | 11.10.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Infrastruktur

Sierra Leone stoppt chinesischen Flughafenbau

Das Multi-Millionen-Projekt in Sierra Leone war aus Peking vorangetrieben worden. Nun wurde es von der neuen Regierung des westafrikanischen Landes gestoppt: Der Flughafen sei zu teuer und nutze nur China.

Sierra Leone Freetown Skyline (Getty Images/AFP/M. Longari)

An diesem Strand startet die Fähre, die Freetown (im Hintergrund) mit dem Internationalen Flughafen Lunghi verbindet

Die neue Regierung in Sierra Leone hat den von China betriebenen Neubau eines knapp 300 Millionen Euro teuren Flughafens beendet. Das Projekt sei wirtschaftlich nicht darstellbar, zumal der bestehende Flughafen der Hauptstadt Freetown keineswegs ausgelastet sei, argumentierte das Verkehrsministerium des westafrikanischen Staates.

Die geplanten Kosten von 318 Millionen Dollar entsprechen rund zehn Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Der Flughafen sollte mit einem Darlehen der China Exim Bank finanziert und vom Bauunternehmen China Railway Seventh Group realisiert werden. Das Bauprojekt war kritisiert worden, weil es die Verschuldung des Landes weiter erhöhen würde.

Sierra Leones früherer Präsident, Ernest Bai Koroma, hatte den Kreditvertrag mit China kurz vor den Wahlen im März unterschrieben, bei denen seine Partei unterlag.

Sein Nachfolger, Julius Maada Bio, hatte schon im Wahlkampf angekündigt, das Projekt zu stoppen. "Die meisten chinesischen Infrastrukturprojekte in Sierra Leone sind eine Täuschung und bringen der Bevölkerung weder wirtschaftliche Vorteile und noch Entwicklung", so Bio.

Sierra Leone Wahlsieger Julius Maada Bio, neuer Präsident | Amtseid (Reuters/O. Acland)

Wahlsieger Julius Maada Bio bei der Vereidigung als Präsident am 04.04.2018

China: Es gibt kein Problem

Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking wies diese Darstellung zurück: China setze immer auf "gegenseitige Vorteile und eine Win-Win-Zusammenarbeit". Die Aufkündigung des Vorhabens bedeute nicht, dass es ein Problem im Verhältnis von China und Sierra Leone gebe.

In den vergangenen 20 Jahren hat China seine Präsenz auf dem afrikanischen Kontinent stark ausgeweitet und beteiligt sich in vielen Ländern am Ausbau der Infrastruktur. Seit dem Jahr 2009 ist China vor den USA der größte Handelspartner Afrikas.

Dabei sehen sich die Chinesen in Afrika und anderswo - zuletzt etwa in Malaysia - immer wieder der Kritik ausgesetzt, großzügige Finanzierungen für Infrastrukturprojekte kämen vor allem chinesischen Unternehmen zu Gute.

In Afrika gibt es mehrere umstrittene Verträge, mit denen sich China langfristig den Zugriff auf Ressourcen wie Öl oder Mineralien im Gegenzug für großzügige Kredite sichert.

Chinas Regierung, seine Banken und die ausführenden Unternehmen haben afrikanischen Ländern seit dem Jahr 2000 mehr als 140 Milliarden US-Dollar an Krediten zur Verfügung gestellt, wie die China-Afrika Research Initiative an der Johns Hopkins University in der US-Hauptstadt Washington errechnete. Eine Überschuldung afrikanischer Länder könnte ihre politische Abhängigkeit von China erhöhen.

bea/rb (dpa, reuters, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema